Heizen ohne Angst vor der Rechnung: So unterstützt Baden-Württemberg einkommensschwache Haushalte beim Energiesparen

Kostenlose Energieberatung, praktische Spartipps und Hilfe bei Energieschulden: Wie die Verbraucherzentrale finanzielle Entlastung in Wohnzimmer und Geldbeutel bringt.

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Einkommensschwache Haushalte in Baden-Württemberg bekommen weiterhin gezielte Unterstützung, um Strom- und Heizkosten zu senken – und das kostenlos. Neben Beratung vor Ort gibt es mehrsprachige Online-Angebote, Hilfe bei Energieschulden und viele ganz konkrete Spartipps für den Alltag.

Was hinter dem Projekt steckt

Das Land Baden-Württemberg finanziert seit 2022 das Projekt „Energieberatung für einkommensschwache Haushalte“ der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg und hat die Förderung nun verlängert. Ziel ist es, Menschen mit geringem Einkommen vor hohen Nachzahlungen und Strom- oder Gassperren zu schützen und gleichzeitig einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Bisher wurden bereits rund 2.200 Haushalte erreicht und rund 100 Veranstaltungen wie Workshops, Vorträge und Aktionstage durchgeführt.

Die Angebote richten sich an Haushalte in ganz Baden-Württemberg, die finanziell belastet sind – etwa durch hohe Abschlagszahlungen, Energieschulden oder eine schlecht gedämmte Wohnung. Grundlage ist eine gemeinsame Erklärung aus 2019 („Initiative zur Energieeinsparung und effizienten Energienutzung in einkommensschwachen Haushalten“), in der sich Land, Kommunen und Verbände zu solchen Unterstützungsangeboten verpflichtet haben.

So funktioniert die Energieberatung

Die Energieberatung der Verbraucherzentrale ist für einkommensschwache Haushalte komplett kostenlos – auch aufsuchende Beratungen in der Wohnung. Beraten wird unter anderem zu folgenden Themen: Strom sparen im Haushalt, richtig heizen und lüften, Heizkostenabrechnung verstehen sowie Wechsel des Energieversorgers. Die Beratungen übernehmen qualifizierte Energieberaterinnen und Energieberater sowie speziell geschulte Projektmitarbeitende.

Das Angebot umfasst Vorträge, Online-Seminare, interaktive Workshops und Infostände, etwa bei Stadtteilfesten. In Städten wie Stuttgart, Filderstadt, Ravensburg, Weil der Stadt und Esslingen gibt es ehrenamtliche Energiepatinnen und -paten, die erste Fragen klären und bei Bedarf einen weiterführenden Beratungstermin vermitteln. Über „Runde Tische“ mit Sozialämtern, Beratungsstellen und Energie- und Klimaschutzagenturen werden zudem lokale Netzwerke aufgebaut, um Betroffene schneller und passgenauer zu erreichen.

Zielgruppengerecht und mehrsprachig

Damit das Angebot auch wirklich ankommt, setzt die Verbraucherzentrale stark auf eine zielgruppengerechte Ansprache. Informationsmaterialien, Webinare und Broschüren werden in mehreren Sprachen angeboten, um etwa Sprachbarrieren bei Menschen mit Zuwanderungsgeschichte abzubauen. In den Beratungen wird auf unterschiedliche Lebenslagen, kulturelle Hintergründe und teils beengte Wohnverhältnisse Rücksicht genommen.

Gerade vor Ort – etwa an Infoständen in Quartieren – können Beraterinnen und Berater niedrigschwellig ins Gespräch kommen, ohne dass sofort ein förmlicher Termin nötig ist. Die Erfahrung aus den bisher erreichten 2.200 Haushalten zeigt, dass oft schon kleine Verhaltensänderungen oder technische Hilfsmittel eine spürbare Entlastung bringen.

Praktische Spartipps für den Alltag

Viele Einsparpotenziale lassen sich sofort und ohne Investition nutzen.

  • Heizen und Lüften: Räume nur auf die nötige Temperatur beheizen (z. B. Wohnzimmer meist 20 Grad, Schlafzimmer weniger), jedes Grad weniger spart grob rund 6 Prozent Heizenergie. Mehrmals täglich kurz Stoßlüften statt dauerhaft gekippte Fenster verhindert Schimmel und reduziert Wärmeverluste.
  • Heizkörper freihalten: Heizkörper nicht mit Möbeln oder langen Vorhängen zustellen, damit sich die Wärme im Raum verteilen kann.
  • Warmwasser: Kürzer duschen, Sparduschkopf nutzen und das Wasser beim Einseifen oder Zähneputzen abstellen spart Energie und Wasser.
  • Stromfresser ausschalten: Stand-by-Betrieb mit schaltbaren Steckerleisten vermeiden und Geräte wirklich ausstellen; auch Router oder Unterhaltungselektronik können nachts ausgeschaltet werden.
  • Wäsche und Haushalt: Möglichst niedrige Waschtemperaturen wählen, voll beladen waschen und sofern möglich auf Trockner verzichten.

Bei Eigentümerinnen und Eigentümern kommen zusätzlich Maßnahmen wie Wärmedämmung, moderne Heiztechnik oder neue Fenster infrage, die zwar Investitionen erfordern, langfristig aber die Energiekosten deutlich senken. Auch hierfür kann die Energieberatung Einschätzungen liefern und auf Förderprogramme verweisen.

Hilfe bei Energieschulden und drohender Stromsperre

Wer bereits Schulden beim Energieversorger hat oder eine Sperrandrohung bekommt, sollte frühzeitig Hilfe suchen. Die Energieberatung der Verbraucherzentrale unterstützt dabei, Abrechnungen zu prüfen, Einsparmöglichkeiten zu finden und gemeinsam mit Versorgern Lösungen wie Ratenzahlungen zu verhandeln. Parallel gibt es bundesweite Initiativen wie den „Stromspar-Check“, bei denen einkommensarme Haushalte kostenlos beraten und oft auch mit einfachen Energiesparhilfen wie LED-Lampen oder schaltbaren Steckdosen ausgestattet werden.

Rechtlich gelten für Stromsperren strenge Vorgaben: Eine Unterbrechung der Versorgung ist nur bei bestimmten Mindest-Rückständen und nach mehreren Mahnungen und Ankündigungen zulässig. Betroffene haben die Möglichkeit, Härtefälle geltend zu machen und Zahlungsvereinbarungen zu treffen, um die Versorgung aufrechtzuerhalten. Sozialämter, Schuldnerberatungen und Jobcenter können in Einzelfällen ebenfalls unterstützen, etwa durch Übernahme von Energieschulden oder ergänzende Leistungen.

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