Testturm rauf, Hängebrücke rüber, Eis in der historischen Innenstadt – das Standardprogramm für Sommergäste in Rottweil ist schnell erzählt. Wer aber selbst hier wohnt, hat das längst abgehakt und sucht etwas anderes. Wir haben zehn Ziele in Rottweil und dem Landkreis zusammengetragen, die auch Einheimische überraschen: Klammen, Burgruinen, ein Wasserschloss, ein Museum voller Wirtschaftswunder – und ein geologisches Kuriosum vor der Haustür. Zwei der zehn Tipps sind Anzeigen unserer Partner; sie sind als solche gekennzeichnet.
1. Wo das Wirtschaftswunder wieder anspringt: ErfinderZeiten in Schramberg
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Es riecht nach altem Lack und Bohnerwachs, und irgendwo tickt es. Im Auto- und Uhrenmuseum ErfinderZeiten in Schramberg erwacht die Vergangenheit auf fünf Ebenen zum Leben – vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis in die 1970er-Jahre.
Besucher schlendern durch einen originalgetreu eingerichteten Tante-Emma-Laden, werfen einen Blick in historische Wohn- und Küchenwelten und erleben den Charme vergangener Jahrzehnte. Liebevoll gestaltete Szenen wecken Erinnerungen bei den Großen und lassen die Kleinen eine längst vergangene Zeit mit allen Sinnen entdecken.
Dazu kommen die Fahrzeuge: rund 100 Autos und etwa 150 Zweiräder, darunter Unikate und Kuriositäten wie die BMW Isetta oder der Messerschmitt-Kabinenroller. Der Schwerpunkt liegt auf den Kleinwagen – der Motorisierung des kleinen Mannes zwischen 1945 und 1970. Eine weitere Etage erzählt die Geschichte der Schwarzwälder Uhrenindustrie, von der Uhrmacherwerkstatt um 1800 bis zur industriellen Großproduktion bei H.A.U. und Junghans, die Schramberg zeitweise zum Weltzentrum der Uhrenfabrikation machte.
Auch junge Entdecker kommen auf ihre Kosten: Ein Agentenrätsel führt Kinder spielerisch durchs Haus. Wer den geheimen Auftrag löst, darf sich am Ende auf eine kleine Überraschung aus dem Tresor freuen. Bis zum 18. Oktober läuft zudem die Sonderausstellung zur Ariston-Lochscheibe – Ernst Paul Ehrlichs Patent von 1882, der Urknall der digitalen Musik.
Ein Museum, das Geschichte nicht nur erzählt, sondern erlebbar macht.
Info: Auto- und Uhrenmuseum ErfinderZeiten, Gewerbepark H.A.U. 3/5, 78713 Schramberg. Geöffnet 15. März bis 31. Oktober, Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen 10 bis 18 Uhr, letzter Einlass 17 Uhr; montags geschlossen (außer an bundesweiten Feiertagen). Eintritt: Erwachsene 8 Euro, Schüler ab 6 Jahren 5,50 Euro, Kinder bis 5 Jahre frei, Familienkarte 19,50 Euro. Kombikarte für zwei Museen der Auto- und Uhrenwelt 14 Euro, für alle vier Häuser 20 Euro. Kostenfreie Parkplätze am Haus. Telefon 07422 29300, www.erfinderzeiten.de

2. Die Klamm, die kaum jemand kennt: Schlichemklamm bei Epfendorf
Zwölf Kilometer von Rottweil entfernt zwängt sich die Schlichem durch eine enge, feuchte Felsschlucht – und es wird spürbar kühler. Die Paradiestour Schlichemklamm führt über Stege und Pfade durch das Naturschutzgebiet, vorbei an den Resten der Burgruinen Waseneck und Schenkenburg. An heißen Tagen ist das der beste Ort im Landkreis, weil er einer der wenigen ist, an dem man nicht schwitzt.
Gut zu wissen: festes Schuhwerk, nach Starkregen können Abschnitte rutschig oder gesperrt sein.
Weitere Infos hier.
3. Wacholderheide über der Neckarschleife: Naturschutzgebiet Neckarburg
Zwischen Villingendorf und Dietingen macht der Neckar eine Schleife um einen langgestreckten Umlaufberg – ein Lehrbuchstück Erdgeschichte. Auf dem Rücken liegt die Neckarburg, die älteste Burganlage des Landkreises. Rundherum: 64 Hektar Wacholderheide, seit 1988 Naturschutzgebiet und dank jahrhundertelanger Schafbeweidung eine der wertvollsten außerhalb der Schwäbischen Alb. Neuntöter, Elfenstendel und ein Blick, für den man sonst weit fahren würde.
Gut zu wissen: Das Hofgut ist Privatbesitz. Auf den Wegen bleiben, Schafe nicht stören.

4. Renaissance im Glatttal: Wasserschloss Glatt
Ein Wassergraben, vier runde Ecktürme, dahinter vier Museen – und das mitten in einem 900-Seelen-Dorf bei Sulz. Zwischen 1533 und 1547 ließ Reinhard von Neuneck die spätmittelalterliche Wasserburg zu einem der frühesten Renaissanceschlösser Deutschlands umbauen. Heute vereint das Kultur- und Museumszentrum Adelsmuseum mit Rüstkammer, Schlossmuseum, die Kreis-Galerie und in der Zehntscheuer das Bauernmuseum. Für Kinder gibt es einen eigenen Rundgang.
Info: 1. April bis 31. Oktober, Dienstag bis Freitag 14 bis 17 Uhr, Samstag, Sonntag und feiertags 11 bis 18 Uhr. Kostenfreie Parkplätze. Bis 20. September läuft die Ausstellung „Christa Schmid. Gerd Hartmann – Zweifach”. Mehr unter www.schloss-glatt.de
5. Drei Burgen an einem Tag: Schramberger Burgenpfad
Zwölf Kilometer, rund 700 Höhenmeter, drei Ruinen: Der Premiumwanderweg startet am Rathausplatz, führt durch den Park der Zeiten und über den Dreiburgenblick zur Falkensteiner Kapelle mit ihrer Beweinungsgruppe von etwa 1515. Weiter geht es zur Ruine Falkenstein – sie gilt als älteste Burg des Schwarzwalds – und schließlich hinauf zur Hohenschramberg, ab 1457 erbaut und einst eine der größten Burganlagen der Region. Auf dem Rückweg lockt der Berneckstrand mit Liegewiese an der Schiltach.
Gut zu wissen: anspruchsvoll, unterwegs gibt es keine Einkehr. Nach rund 4,5 Kilometern steht eine Getränkestation. Rucksackvesper einpacken.
6. 855 Meter über allem: Burg Hohenzollern
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Weithin sichtbar thront die Burg Hohenzollern zwischen Stuttgart und Bodensee über der Zollernalb – und bietet eine Rundumsicht, die bei klarer Luft bis zu 100 Kilometer weit reicht. Sie ist das Stammhaus der Hohenzollern-Dynastie, aus der in den vergangenen 1000 Jahren schwäbische Grafen, preußische Könige und die deutschen Kaiser hervorgingen.
Die heutige Anlage ist bereits die dritte auf dem Zollerberg; nach Zerstörung und Verfall der beiden Vorgängerinnen wurde sie zwischen 1850 und 1867 wiedererrichtet. Bis heute ist sie in Privatbesitz der Familie.
Ob bei Sonne oder Regen – die Burg ist allzeit eine Reise wert. Täglich öffnet sie ihre Tore für Besucher aus aller Welt und gewährt Einblicke in die majestätischen Gemächer, etwa in den Grafensaal oder in die Schatzkammer mit der preußischen Königskrone. Die Gäste flanieren selbstständig im eigenen Tempo durch das Museum; Informationen gibt es durch hilfsbereites Personal und über die kostenlose Burg-App.
Das Burg-Restaurant wartet mit regionalen Spezialitäten und vegetarischen Gerichten auf – je nach Wetterlage auch im Burggarten, einem der schönsten Biergärten der Region. Für einen Burgbesuch sollten mindestens zwei bis drei Stunden eingeplant werden.
Von Rottweil aus ist man in gut 40 Minuten dort. Und ein Tipp für Fotografen: Der schönste Blick auf die Burg selbst bietet sich vom Zeller Horn aus, rund 20 Minuten zu Fuß vom Parkplatz Zollersteighof bei Albstadt-Onstmettingen.
Info: Burg Hohenzollern, 72379 Burg Hohenzollern. Sommersaison bis 1. November 2026 täglich geöffnet: Burganlage 10 bis 18.30 Uhr, letzter Einlass zur Anlage 17 Uhr, zu den Schauräumen 17.30 Uhr. Eintritt online 26 Euro für Erwachsene, an der Kasse vor Ort 29 Euro; ermäßigt 16 beziehungsweise 19 Euro; Kinder von 4 bis 11 Jahren 6 beziehungsweise 9 Euro. Parkplatz und Pendelbus sind im Ticketpreis enthalten. Telefon 07471 2428, www.burg-hohenzollern.com
7. Mit Volldampf durchs Wutachtal: Die Sauschwänzlebahn
25 Kilometer, vier Brücken, sechs Tunnel – und ein Kehrtunnel, dessen Verlauf an ein geringeltes Schweineschwänzchen erinnert. Daher der Name. Die historische Museumsbahn zwischen Blumberg-Zollhaus und Weizen ist ein Meisterwerk der Ingenieursbaukunst des 19. Jahrhunderts und funktioniert bei Kindern zuverlässig besser als jedes Freizeitparkkarussell. Am Bahnhof Blumberg-Zollhaus lohnt zusätzlich das Eisenbahnmuseum.
Info: Saison bis Ende Oktober, gefahren wird an Samstagen, Sonn- und Feiertagen, von Juni bis September zusätzlich donnerstags und freitags. Die Bahn fährt nicht täglich – vorher den Fahrplan prüfen. Nicht jede Fahrt ist eine Dampffahrt. Rund 50 Minuten ab Rottweil. Mehr unter https://sauschwaenzlebahn.de/startseite
8. Das römische Rottweil – ohne Turm
Rottweil ist die älteste Stadt Baden-Württembergs, und das lässt sich an einem Nachmittag begehen: Arae Flaviae war die einzige Stadt im deutschen Südwesten mit römischem Stadtrecht. Das Orpheus-Mosaik im Dominikanermuseum gehört zu den bedeutendsten römischen Bodenmosaiken nördlich der Alpen; dazu kommen die Reste des Römerbads und die Spuren der Kastelle. Wer die Stadt nur vom Testturm aus kennt, kennt sie eigentlich nicht.
Gut zu wissen: aktuelle Öffnungszeiten des Dominikanermuseums vorher prüfen. Mehr unter www.dominikanermuseum.de
9. Industriekultur am Neckar: die dritte Etappe des Neckarwegs
Von Rottweil neckarabwärts nach Epfendorf, rund 18 Kilometer. Der Weg führt vorbei am ehemaligen Pulverfabrik-Gelände, wo Max Duttenhofer ab 1872 einen der bedeutendsten Rüstungsstandorte des Kaiserreichs aufbaute – und an dem markanten Kraftwerksbau, den Paul Bonatz entworfen hat, derselbe Architekt, der auch den Stuttgarter Hauptbahnhof verantwortete. Dahinter wird das Tal wieder wild. Ein Kontrastprogramm aus Beton und Wasseramsel.
Gut zu wissen: Rückfahrt bequem mit der Bahn ab Epfendorf.
10. Wenn der Donau das Wasser ausgeht: die Donauversickerung bei Immendingen
Rund 35 Kilometer südlich von Rottweil passiert etwas, das man gesehen haben muss: Die Donau verschwindet im Karstuntergrund. An etwa 150 Tagen im Jahr – meist im Sommer und Herbst – fällt das Flussbett zwischen Immendingen und Fridingen vollständig trocken. Man steht dann im Kies eines Flusses, der eigentlich Richtung Schwarzes Meer unterwegs sein sollte. Das Wasser taucht 12 Kilometer weiter im Aachtopf wieder auf und fließt in den Rhein. Kostenlos, kurios, und in zehn Minuten Fußweg erreichbar.
Gut zu wissen: Ob die Donau gerade trocken liegt, ist wetterabhängig. Nach nassen Wochen kann sie durchaus Wasser führen.
Alle Angaben ohne Gewähr – Öffnungszeiten und Preise können sich ändern. Ein kurzer Blick auf die jeweilige Website vor der Abfahrt spart Ärger.


