Kaufland hat seinen Rückruf von Babynahrung in der vergangenen Woche ein zweites Mal ausgeweitet: Betroffen sind nun auch Produkte der Nestlé-Marke Beba, nachdem der Händler zuvor Chargen von Aptamil und Milumil zurückgenommen hatte. Auslöser ist in allen Fällen das Bakteriengift Cereulid. Die Verbraucherzentrale NRW wirft dem Konzern vor, Kundinnen und Kunden unzureichend gewarnt zu haben – zurückgeben lassen sich betroffene Packungen auch in der Rottweiler Filiale in der Saline.
Rückrufe: Kaufland nimmt zusätzlich Beba-Chargen zurück
Am 13. Oktober erweiterte Kaufland seine Kundeninformation um Produkte der Nestlé-Marke Beba. Aufgeführt sind Beba Pre als 800-Gramm-Dose und als 200-Milliliter-Packung, Beba 1 mit 800 Gramm, Beba HA Pre und Beba HA 1 mit jeweils 550 Gramm sowie Beba Comfort+ mit 500 Gramm – mit Mindesthaltbarkeitsdaten von Oktober 2026 bis Dezember 2027. Nestlé hatte diese Chargen nach Angaben des Händlers bereits am 5. Februar 2026 zurückgerufen. Packungen mit betroffenen Daten gelangten danach dennoch in den Verkauf.
Einen Tag zuvor hatte Kaufland Chargen von Aptamil und Milumil des Herstellers Danone zurückgenommen, darunter Aptamil Pronutra Pre, Pronutra 1 bis 3, Profutura Pre, 1 und 2 sowie Milumil Pre. Hinter beiden Rückrufen steht Cereulid, ein Gift des Bakteriums Bacillus cereus, das Erbrechen und Durchfall auslösen kann. Eltern sollten das Mindesthaltbarkeitsdatum auf der Packung prüfen, weil je Produkt mehrere Daten betroffen sind und sich die Rückrufe nicht an einzelnen Produktnamen festmachen lassen. Die Rücknahme ist in jeder Filiale auch ohne Kassenbon möglich, der Kaufpreis wird erstattet; Kaufland nennt die kostenlose Rufnummer 0800 1528352. Die vollständigen Chargenlisten stehen beim Verbraucherportal produktwarnung.eu.
Die Verbraucherzentrale NRW hat den Vorgang am 16. Oktober öffentlich kritisiert. In den in jener Woche besuchten nordrhein-westfälischen Filialen habe sie keine Hinweise an den Regalen gefunden, sondern nur Informationen am Servicepunkt; auch die Kaufland-App habe beim Öffnen keinen Hinweis angezeigt. Die im Februar zurückgerufenen Chargen hätten vernichtet werden müssen. Die Verbraucherzentrale nennt den Vorgang ein „fundamentales Versagen der firmeneigenen Kontrollmechanismen“, das transparent aufgeklärt werden müsse.
Parallel läuft ein Rückruf bei Aldi Süd, allerdings außerhalb des Lebensmittelsortiments: Der Ionen-Haartrockner der Eigenmarke Ambiano mit den Artikelnummern 646043 und 849855 wurde zwischen dem 18. August und dem 17. November 2025 verkauft. Das Netzkabel kann beschädigt sein, das Unternehmen warnt vor Stromschlägen und Bränden und rät, die Geräte nicht weiter zu benutzen. Die Rückgabe ist ohne Kassenbon in den Filialen möglich, der Kaufpreis wird erstattet; für Rückfragen ist die kostenlose Nummer 00800 7877 2368 eingerichtet. Die Ruhr Nachrichten führen den Fall weiter in ihrem Rückruf-Ticker.
Vier weitere Rückrufe der Woche nennen keine der acht großen Ketten als Verkaufsstelle. Die Ulrich Walter GmbH nimmt Lebensbaum Bohnenkraut, gerebelt und getrocknet, in der 25-Gramm-Packung zurück – die Chargen 103150, 104062 und 104731 mit Mindesthaltbarkeit bis 31. August 2028, 31. Dezember 2028 und 31. März 2029. Nachgewiesen wurden Pyrrolizidinalkaloide; vom Verzehr wird dringend abgeraten. Der Dinkelhof ruft Dinkel Sombrelli mit Wildkräutern mit dem Datum 9. Juni 2028 wegen Salmonellen in einer Kräuter-Charge eines Zulieferers zurück. Bei ESN können in Riegeln der Designer-Protein-Linie harte Kunststoffteile stecken. Und die Fleisch- und Wurstwaren Schmalkalden GmbH nimmt Thüringer Landstolz Rindergulasch im Glas, 600 Gramm, mit Haltbarkeit bis 6. April 2028 zurück, weil das Produkt nicht wie vorgesehen erhitzt wurde und die mikrobiologische Sicherheit nicht gewährleistet werden kann. Verkauft wurde es laut der Meldung auf lebensmittelwarnung.de nur in eigenen Filialen in Thüringen – Baden-Württemberg ist nach derzeitigem Stand nicht betroffen.

Was im Kreis Rottweil zählt
Der harte Lokalbezug der Woche ist die Rückgabemöglichkeit beim Babynahrungs-Rückruf: Betroffene Packungen nimmt auch die Kaufland-Filiale in der Rottweiler Saline zurück, Kassenbon nicht erforderlich. Den Fall haben wir am 12. Oktober ausführlich aufgeschrieben.
Neue Standortentscheidungen für den Kreis haben die acht großen Ketten in dieser Woche nicht mitgeteilt. Das größte Einzelhandelsprojekt bleibt der geplante Netto-Markt in Dietingen, zu dem die Zufahrt gebaut wird. Der Rewe-Markt an der Schramberger Straße in Rottweil, seit dem Frühjahr in Betrieb, ist von den Meldungen dieser Woche nicht berührt.
Aldi
Aldi Nord hat am 15. Oktober Preissenkungen bei mehr als 20 Convenience- und Frischeartikeln angekündigt. Billiger werden nach Unternehmensangaben dauerhaft frische Salate, Wraps, Pasta-Spezialitäten, Hummus, Brotaufstriche und Flammkuchenteig, pro Packung um bis zu 50 Cent, in der Spitze um 28 Prozent. Konkrete Vorher-Nachher-Preise nennt die Mitteilung nicht, ebenso nicht, welche Artikel die 28 Prozent erreichen.
Für Leserinnen und Leser im Kreis Rottweil ist eine Einschränkung wichtig: Hier sind ausschließlich Filialen von Aldi Süd vertreten. Ob die angekündigten Senkungen auch dort gelten, lässt die Mitteilung von Aldi Nord offen. Zum Rückruf des Ambiano-Haartrockners bei Aldi Süd siehe oben.
Edeka
Edeka ersetzt seine Eigenmarke Elkos. Die Gesundheitsprodukte der Linie Elkos Vivede – etwa Multivitamin-Brausetabletten, eine Vitamin-B12-Kur und Wundpflaster – laufen künftig unter dem Namen Curafit plus. Die Kosmetik wird zu Jolea, die Damenhygiene zu Sophie, die Babyartikel von Elkos Babyglück zu Hello World, die Fußpflege zu pure & basic. Der Wechsel erfolgt nach Unternehmensangaben schrittweise und betrifft Edeka- und Marktkauf-Märkte ebenso wie Netto Marken-Discount und Budni. Ob sich mit den Namen auch Preise oder Rezepturen ändern, teilte das Unternehmen nicht mit.
Am Dienstag, 20. Oktober, wollen Filialen mehrerer Händler eine stille Stunde anbieten, zum dritten Tag der nicht sichtbaren Behinderung. In dem jeweiligen Zeitfenster bleibt die Hintergrundmusik aus, nicht sicherheitsrelevante Durchsagen werden reduziert, Ware wird nicht eingeräumt, teils wird das Licht gedimmt. Profitieren sollen vor allem Menschen, die auf Lärm und Licht empfindlich reagieren. Genannt werden unter anderem Edeka- und Rewe-Märkte, wie Watson berichtet. Welche Filiale mitmacht, entscheidet jeder Markt selbst; für den Kreis Rottweil liegt keine Ankündigung vor.
Randnotiz aus Baden-Württemberg: Bei der Aufteilung der Tegut-Filialen übernimmt auch Edeka Südwest Standorte, allerdings in Stuttgart und nicht im Kreis Rottweil. Der letzte Verkaufstag der meisten Tegut-Märkte ist Freitag, 30. Oktober. Bis zum 25. Oktober gilt dort ein Abschiedsrabatt von 50 Prozent, ab dem 26. Oktober werden Restbestände um 75 Prozent reduziert – in 27 künftigen Edeka-Märkten in Hessen, Thüringen und Niedersachsen allerdings nicht, wie das Supermarktblog aufgeschlüsselt hat.
Kaufland
Seit dem 12. Oktober beginnt die Werbewoche bei Kaufland montags statt donnerstags. Mehr als 300 Wochenangebote sind damit vom Wochenbeginn an sechs Tage lang verfügbar. Die Woche ist nach Unternehmensangaben dreigeteilt: Von Montag bis Samstag laufen die Wochenangebote, von Donnerstag bis Samstag kommen Aktionsangebote hinzu, von Freitag bis Samstag weitere Angebote für den Groß- und Wochenendeinkauf.
Begründet wird der Schritt nach Angaben von Marketing-Geschäftsführer Michael Lüttgen damit, dass die Handzettel seit Anfang 2026 am Wochenende zugestellt werden, die Angebote aber erst ab Donnerstag erhältlich waren. Die meisten Supermärkte und Discounter starten ihre Werbewoche ohnehin am Montag – das erleichtert den Preisvergleich zwischen den Märkten.
Lidl
Von Lidl gab es in der vergangenen Woche keine bundesweite Mitteilung von Belang; die jüngste eigene Meldung datiert vom 22. September. In den aktuellen Rückrufmeldungen taucht der Discounter nicht auf.
Netto
Netto Marken-Discount meldete am 15. Oktober, dass seine Nachwuchskräfte erneut zu den besten der Branche zählen; Einzelheiten dazu nannte das Unternehmen nicht. Schwerer wiegt die Tegut-Übernahme: 57 Tegut-Märkte werden zu Netto-Filialen. Der letzte Tegut-Verkaufstag ist dort der 30. Oktober, in Thüringen der 29. Oktober, die Netto-Neueröffnungen sind zwischen dem 5. und dem 26. November geplant. Einzelne Standorte bleiben damit bis zu etwa vier Wochen geschlossen. Märkte im Kreis Rottweil sind davon nicht betroffen.
Zusätzlich wirkt die Umstellung der Edeka-Eigenmarken in die Netto-Regale, weil die Kette zum Edeka-Verbund gehört.
Norma
Norma hat am 7. Oktober, kurz nach der vergangenen Ausgabe dieser Übersicht, die zweite Preissenkung des Monats bekannt gegeben: 19 Wurst- und Schinkenartikel der Marken Gut Bartenhof, My Smile, Eberswalder, Goldschmaus, Greisinger, Gut Langenhof, Erzdorfer Hof, Golßener, Metzgerei Reiß und Windau werden dauerhaft billiger, um bis zu 30 Cent je Packung. Die feine Leberwurst von My Smile mit 250 Gramm kostet statt 1,19 nun 0,99 Euro – das sind die genannten 17 Prozent. Die Preise können regional abweichen.
Gegenwind kommt aus der Landwirtschaft. Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband kritisierte am 9. Oktober die dauerhaften Wurst-Preissenkungen von Aldi und Lidl. Präsident Hubertus Beringmeier sprach von „Fassungslosigkeit“ bei den Schweinehaltern und verwies darauf, dass die Zahl der Betriebe um mehr als 40 Prozent zurückgegangen sei. Befristete Aktionen akzeptiere der Verband, dauerhaften Preisdruck auf Fleisch- und Wurstwaren nicht.
Penny
Von Penny liegt für die Woche keine neue Mitteilung vor; die letzte eigene Meldung stammt vom 15. September. In den Rückrufen dieser Woche kommt der Discounter nicht vor.
Rewe
Das Bundeskartellamt hat am 14. Oktober die Übernahme von 38 Tegut-Märkten durch die Rewe Group freigegeben. Angemeldet waren 40 Märkte und zwei Grundstücke. Die Standorte Marburg-Ketzerbach und Schlüchtern darf der Konzern vier Jahre lang nicht erwerben; die Nebenbestimmung gilt für die gesamte Rewe Group und schließt Anschlussmietverträge ein. Die Behörde hatte in Schlüchtern, Marburg-Ketzerbach und Marburg-City eine erhebliche Behinderung des Wettbewerbs gesehen. Weil sich die Einzugsgebiete überlappen, entfallen mit dem Verzicht auf Marburg-Ketzerbach auch die Bedenken für Marburg-City. Die Entscheidung ist nicht rechtskräftig, eine Beschwerde beim Oberlandesgericht Düsseldorf ist möglich.
Intern arbeitet Rewe daran, bis 2035 Marktführer bei der Kundenzufriedenheit zu werden; in den einschlägigen Erhebungen liegt bislang Edeka vorn. Zu der Strategie gehören nach einem Bericht der Fachzeitschrift Lebensmittel Praxis personalisierte Angebote über Rewe Bonus mit mehr als zwölf Millionen registrierten Kunden, Testmärkte mit Selbstbedienungs-Käsesortiment anstelle der bedienten Theke, vor der Anlieferung zugeschnittenes Fleisch und standortabhängige Preise für besonders umsatzstarke Artikel. Ein Rewe-Sprecher bestätigte die Strategie, bezeichnete sie aber als internes Kommunikationsthema.
Für den Kreis Rottweil gab es von Rewe in dieser Woche keine Neuigkeiten.