Millionen Vögel ziehen in diesen Wochen über Baden-Württemberg, viele Greifvögel bleiben aber den Winter über hier. Der NABU ruft dazu auf, genauer hinzusehen. Am ersten Oktoberwochenende läuft europaweit die Aktion „Birdwatch“. Im Kreis Rottweil sind dafür bislang keine Termine bekannt. Die nächste Gelegenheit in der Region ist eine Zählung auf der Baar Mitte Oktober.
Wer im Herbst den Himmel beobachtet, sieht zwei Gruppen von Vögeln: solche, die nur auf der Durchreise sind, und solche, die bleiben. Zur zweiten Gruppe gehören viele heimische Greifvögel. Laut Naturschutzbund (NABU) Baden-Württemberg bleiben sie als Standvögel das ganze Jahr in ihrem Brutgebiet.
Bussard, Milan, Kranich
An klaren Tagen ist häufig der Mäusebussard zu sehen. Er jagt über Feldern und Wiesen, teils auch in Ortschaften. Ein Teil der Tiere überwintert im Südwesten. Wespenbussarde brüten laut NABU nur vereinzelt im Land. Für die meisten ist Baden-Württemberg eine Transitstrecke. Wie der Rotmilan nutzen sie die Thermik, um aufzusteigen und dann in großer Höhe weiterzuziehen. Beide Arten sind tagsüber unterwegs. Kraniche erkennt man mit bloßem Auge gut, an ihren Rufen und an der Keilformation. Derzeit sammeln sie sich in Norddeutschland und Osteuropa. Nach Einschätzung des NABU überfliegen sie in den kommenden Wochen vereinzelt auch den Südwesten. Viele kleinere Singvögel ziehen dagegen nur nachts. Je nach Wetter und Bruterfolg kommen außerdem Wintergäste aus Skandinavien, etwa Erlen- und Birkenzeisige.
Stare im Schilf
Auffällig sind die Schwärme der Stare. Im Flug wechseln sie blitzschnell die Richtung, um Greifvögel zu irritieren. Minutenlang fliegen sie in wolkenartigen Formationen, bevor sie sich im Schilf zum Schlafen niederlassen. Solche Schlafplätze gibt es etwa im Wollmatinger Ried am Bodensee und am Federsee, aber auch in kleineren Schilfgebieten. Die Schwärme wachsen bis in den Oktober an und ziehen dann gemeinsam nach Süd- und Westeuropa.
Wo sich das Hinsehen lohnt
Zugvögel stärken sich laut NABU vor allem auf abgeernteten Feldern und Brachflächen, an Feldhecken, an Beerensträuchern in vogelfreundlichen Gärten und an naturnahen Gewässern. Im September rastet hier auch der seltene Mornellregenpfeifer auf seinem Weg vom hohen Norden nach Nordafrika. Am besten beobachtet man ihn auf offenen Ackerflächen.
Mauersegler, Schwalben und Störche sind dagegen größtenteils schon abgeflogen. Das zeigen die Daten von Tieren, die mit Sendern ausgestattet sind.
Nester über den Winter schützen
Die Nester von Schwalben, Mauerseglern und Störchen sollten laut NABU bis zur Rückkehr der Vögel im Frühjahr geschützt werden, weil sie jedes Jahr wieder genutzt werden. „Viele Arten lassen sich nur wirkungsvoll über Landesgrenzen hinweg schützen“, sagt NABU-Ornithologe Stefan Bosch. Eine Schwalbe fliege bis nach Afrika und kehre dann zurück, um hier ihre Jungen aufzuziehen. „Sie sollte alle Hilfe erhalten, die sie braucht.“ Bosch empfiehlt, die Zeit bis zur Brutsaison 2027 zu nutzen: Gärten insekten- und vogelfreundlich anlegen, Schottergärten zurückbauen und mehr Nistplätze für Gebäudebrüter wie Mehlschwalben schaffen. Einordnung: Schottergärten sind in Baden-Württemberg seit 2020 durch das Landesnaturschutzgesetz eingeschränkt.
Birdwatch und Termine in der Region
Die Aktion „Birdwatch“ des Netzwerks BirdLife International findet am 3. und 4. Oktober zum 33. Mal statt. Viele NABU-Gruppen und die NABU-Zentren bieten dazu Beobachtungen an. Im Kreis Rottweil war bis Redaktionsschluss kein Angebot bekannt. Die nächstgelegene Gelegenheit bietet am Samstag, 17. Oktober, die Wasservogelzählung, die auf der Seite des NABU Schwarzwald-Baar angekündigt ist. Treffpunkte sind um 13.30 Uhr die Aral-Tankstelle in Villingen (Dattenbergstraße, Ecke Vöhrenbacher Straße) und um 14 Uhr die Donaubrücke in Pfohren beim Donau-Café. Anfänger sind willkommen. Eine Anmeldung ist erforderlich.
Weitere Termine im Land stehen in der Veranstaltungsdatenbank des NABU unter nabu.de. Sie lässt sich nach Postleitzahl filtern und wird laufend ergänzt.
Leseraufruf
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