Sonntag, 21. April 2024

Gegen Kappung der Gäubahn: CDU und Bürgerinitiative wehren sich

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Rottweil. Mit einem konkreten Forderungskatalog wendet sich die CDU im Kreis Rottweil an die Verantwortlichen von Bund und Land, bei der Bahnstrecke Stuttgart – Singen, der sogenannten Gäubahn. Man solle „endlich ins Machen kommen“, fordert die Partei. Zugleich ist in Rottweil eine Bürgerinitiative ins Leben gerufen worden.

Michael Leibrecht, Dieter Weitz, Margit Gärtner, Thomas Lippert und Herbert Gilly haben sich entschieden: Die Kappung der Gäubahn ab 2025 muss verhindert werden. Wie sie mitteilen, wollen die Rottweiler Bürger gemeinsam mit weiteren Mitstreitern und unterstützt von Organisationen Kommunalpolitiker aufrütteln, die Bürger informieren und sich für eine konkrete Lösung starkmachen. „Wir wollen zum Hauptbahnhof“, fordert die neu gegründete Bürgerinitiative, sieht sich im Sinne von mehreren Tausend Pendlern täglich handeln, die auf der Strecke Singen-Stuttgart am Hauptbahnhof ankommen und gegebenenfalls umsteigen wollen. Viele von diesen müssten dann aufs Auto umsteigen, um eine Verlängerung der Fahrtzeit von einer Stunde im Vergleich zu heute zu vermeiden.

Daher fordert die Initiative, bis zur Fertigstellung des Direktanschlusses der Gäubahn an den Hauptbahnhof als Übergangslösung den Anschluss über Vaihingen und die Panoramastrecke zu erhalten. Das unterstützen nach Angaben der Initiative die AGENDA-Rottweil, BUND, Bürgerinitiative für eine Welt ohne atomare Bedrohung, LBV, NABU, Schwäbischer Albverein Ortsgruppe Rottweil und der VCD. 

Lippert & Co laden überdies zu einem Informations- und Diskussionsabend ein am Freitag, 5. Mai, von 19 bis 22 Uhr. Er findet im Alten Gymnasium in Rottweil statt. Als Referenten sind Roland Morlock, Landesvorsitzender des Deutschen Bahnkunden-Verbands (DBV) und Wolfgang Grohe, Projektingenieur Anlagenbau, angekündigt.

Die Initiative hat ihren Brief an den Gemeinderat und an den Kreistag geschickt. Namentlich auch an Oberbürgermeister Dr. Christian Ruf.

Eine konkrete Forderung, wie sie nun auch die Kreis-CDU – just am selben Tag – formuliert. In deren Erklärung heißt es, „nur mit einer attraktiven Gäubahn können Autopendler für die Bahn zurückgewonnen werden“. Und so hat die CDU eine Erklärung vorgelegt, in der sie sich ebenfalls dagegen wendet, die Gäubahn vom Hauptbahnhof Stuttgart abzuhängen. Weiterhin hänge deren Attraktivität „auch von funktionsfähigem Wagenmaterial von leistungsfähigeren Rahmenbedingungen ab.“

Die CDU will wiederum erreichen: „Die Bundesregierung wird aufgefordert, den Bundesverkehrswegeplan 2030 für die gesamte Gäubahnstrecke umgehend umzusetzen.“ Ferner fordert der CDU-Kreisverband Rottweil die Landesregierung von Baden-Württemberg auf, noch in diesem Jahr gemeinsam mit allen Beteiligten ein tragfähiges Konzept zu erarbeiten, wie eine umsteigefreie Verbindung von Singen bis zum Hauptbahnhof Stuttgart gelingen kann. Dabei sei primär eine Realisierung der Variante „S-Bahn“ als umsteigefreie Verbindung von Singen bis zum Stuttgarter Hauptbahnhof zu prüfen.

Vor allem solle dabei sichergestellt werden, dass die Stadt Rottweil anlässlich der Landesgartenschau im Jahr 2028 vom Fernbahnverkehr und der Landeshauptstadt Stuttgart nicht abgekoppelt ist.

Die CDU im Kreis zieht zudem die Schlussfolgerung, dass durch die Akteure und die „zum Teil gegenteiligen Interessen“ keine wertvolle Zeit verloren gehen darf, um die Gäubahn und die Anbindungen insgesamt zu stärken. Kritisch gesehen wird die Absicht, dass mit der Stilllegung der so genannten Panoramabahn und der dann noch nicht fertig gebauten Anbindung an den neuen Hauptbahnhof Bahnreisende vom Süden in Vaihingen in die S-Bahn umsteigen müssen, um den Hauptbahnhof Stuttgart zu erreichen.

Die CDU im Kreis Rottweil fordert mit ihrer Resolution „Bei der Gäubahn endlich ins Machen kommen!“ Bund, Land, Region Stuttgart, Landeshauptstadt Stuttgart und Deutsche Bahn AG dringend dazu auf, tätig zu werden und zur Umsetzung des tragfähigen Konzepts zu kommen. 

Die Resolution der CDU im Wortlaut:

Bei der Gäubahn endlich ins Machen kommen!

Bei seiner Sitzung am 24. April 2023 beschließt der Kreisvorstand der CDU Rottweil:

Zur Verbesserung der Bahnstrecke Stuttgart-Singen („Gäubahn“) setzt sich der CDU-Kreisverband Rottweil insbesondere für folgende Kernforderungen ein:

  1. Die Gäubahn darf nicht vom Hauptbahnhof Stuttgart abgehängt werden.
  2. Die Attraktivität der Gäubahn hängt auch von funktionsfähigem Wagenmaterial und leistungsfähigeren Rahmenbedingungen ab. 
  3. Der Gäubahn-Ausbau muss Richtung Süden endlich umgesetzt werden. 
  4. Nur mit einer attraktiven Gäubahn können Autopendler für die Bahn zurückgewonnen werden.

Die CDU unterstützt die durch den Kreistag des Landkreises Rottweil einstimmig beschlossene Resolution vom 13. März 2023. Für den Kreisverband ist die Variante „S-Bahn“ als umsteigefreie Verbindung von Singen bis zum Stuttgarter Hauptbahnhof jedoch nicht die beste Lösung. Gleichwohl muss jede Möglichkeit – auch wenn sie nicht die bestmögliche darstellt – genutzt werden, damit Bahnreisende aus dem Süden des Landes Baden-Württemberg die Landeshauptstadt Stuttgart bis zur Fertigstellung des so genannten Pfaffensteigtunnels ohne Umstieg erreichen. 

Der Kreisverband Rottweil fordert vor diesem Hintergrund die Bundesregierung auf, 

  1. die Vorschläge der Beschleunigungskommission Schiene umgehend umzusetzen, das parlamentarische Verfahren entsprechend einzuleiten und dies zum Anlass zu nehmen, die Handlungsempfehlungen und -optionen beim Bau des Pfaffensteigtunnels anzuwenden, um das Infrastrukturvorhaben möglichst schnell, im besten Fall deutlich unter sieben Jahren, fertigstellen zu können sowie
  2. den Bundesverkehrswegeplan 2030 (BVWP 2030) für die gesamte Gäubahnstrecke umgehend umzusetzen.

Darüber hinaus fordert der CDU Kreisverband Rottweil die Landesregierung von Baden-Württemberg auf,

  1. gemeinsam mit der Bundesregierung, der Region Stuttgart, der Landeshauptstadt Stuttgart und der Deutschen Bahn AG noch in diesem Jahr ein tragfähiges Konzept zu erarbeiten, wie eine umsteigefreie Verbindung von Singen bis zum Stuttgarter Hauptbahnhof gelingen kann und dabei insbesondere eine Realisierung der Variante „S-Bahn“ als umsteigefreie Verbindung von Singen bis zum Stuttgarter Hauptbahnhof – wie es anlässlich dem Faktencheck des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg, der Deutschen Bahn AG, des Verbandes Region Stuttgart, der Landeshauptstadt Stuttgart und des Interessenverbandes Gäu-Neckar-Bodenseebahn (IV GNBB) erörtert wurde – umgehend zu prüfen sowie
  2. sicherzustellen, dass die Stadt Rottweil anlässlich der Landesgartenschau im Jahr 2028 vom Fernbahnverkehr und der Landeshauptstadt Stuttgart nicht abgekoppelt ist.

Der CDU Kreisverband Rottweil fordert alle Beteiligten auf, den Gäubahn-Anliegern umgehend ein Konzept vorzulegen, das für die Bürgerinnen und Bürger im Süden von Stuttgart tragbar ist. Für die Bevölkerung im Einzugsgebiet der Gäubahn war zentraler Bestandteil der Volksabstimmung über Stuttgart 21, dass – neben der Verbindung an den Stuttgarter Flughafen – die Bahnstrecke insgesamt ertüchtigt und Verbindungen verbessert werden. Wir fordern deshalb alle Beteiligten auf, bei der Gäubahn ins Machen zu kommen und dabei die Interessen der Gäubahn-Anlieger umfassend zu berücksichtigen. Dabei gilt insbesondere auch, dass die Landeshauptstadt Stuttgart bereit sein muss, Pendlerinnen und Pendler aus dem südlichen Teil von Baden-Württemberg eine umsteigefreie Bahnanbindung zu ermöglichen, solange auf dem Areal des Hauptbahnhofes noch keine Wohnungen erstellt werden können. Es darf durch die Akteure und die zum Teil gegenteiligen Interessen keine wertvolle Zeit verloren gehen, um die Gäubahn und die Anbindungen insgesamt zu stärken.

Hintergrund:

Mit Eröffnung des neuen Hauptbahnhofs in Stuttgart Ende 2025 soll die bisherige auch von der Gäubahn genutzte Trasseneinfahrt in den Bahnhof Stuttgart, die sogenannte Panoramabahn, stillgelegt werden. Da die künftige Anbindung der Gäubahn an den neuen Hauptbahnhof über den Flughafen Stuttgart zu diesem Zeitpunkt noch nicht fertig ist, ist vorgesehen, dass Bahnreisende vom Süden in Vaihingen in die S-Bahn umsteigen müssen, um den Hauptbahnhof Stuttgart zu erreichen. Eine solche Kappung lehnt der CDU Kreisverband Rottweil  ab.

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NRWZ-Redaktion
Unter dem Label NRWZ-Redaktion beziehungsweise NRWZ-Redaktion Schramberg veröffentlichen wir Beiträge aus der Feder eines der Redakteure der NRWZ. Sie sind von allgemeiner, nachrichtlicher Natur und keine Autorenbeiträge im eigentlichen Sinne. Die Redaktion erreichen Sie unter [email protected] beziehungsweise [email protected]

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