Ein dickes Dankeschön: Bernhard Rüth, 33 Jahre lang Rottweils Kreisarchivar, erhielt am Samstag das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik. Landrat Dr. Wolf-Rüdiger Michel überreichte die vom Bundespräsidenten verliehene Auszeichnung im Rahmen einer kleinen Feierstunde im Wasserschloss Glatt.
Glatt – Kein Zufall, denn das Schloss wurde in seiner heutigen Form als Kultur- und Museumszentrum des Kreises maßgeblich von Rüth gestaltet. Oder, wie Landrat Michel in seiner Laudatio ausführte: „Ohne Bernhard Rüth gäbe es kein Kultur- und Museumszentrum Schloss Glatt!“ Unter der Ägide seines Vorgängers Manfred Autenrieth, berichtete Michel, sei Rüth im Mai 1988, noch als Referendar, vom Kreistag zum Kreisarchivar gewählt worden. Sein Amt trat er dann am 1. Mai 1989 an.

Nicht erdienert, sondern verdient
„Für die Kulturarbeit des Landkreises, seiner Kommunen und vieler ehrenamtlicher Einrichtungen erwies sich die Wahl 1988 als Glücksfall“, sagte Michel. „Der Kreis hat mit Bernhard Rüth das große Los gezogen.“ Er hob die vielfältigen Aktivitäten Rüths hervor. Neben dem Schloss Glatt war das nicht zuletzt die Gründung des Fördervereins für die Jugendkunstschule. Die vielfältigen Engagements nicht nur für die Galerie Wilhelm Kimmich. Die inzwischen 1200 Werke umfassende Kunstsammlung des Landkreises. Das Engagement in der OEW. Die Opernfestspiele in Glatt. Auch Rüths Veröffentlichungen hob Michel hervor. Die Kreisbeschreibung („Nach wie vor ein Standardwerk“). Das Krippenbuch, den Dialekt-Atlas. Vieles habe Rüth auch nach Feierabend und im Urlaub gemacht, also in seiner Freizeit. Dies verleitete Michel zu der scherzhaften Aussage : „Sie waren ein begnadeter Schwarzarbeiter.“ Alles in allem meinte er mit Bezug auf ein Zitat das Reichskanzlers Otto von Bismarck: „Sie haben diese Ehrung nicht erdiniert oder erdienert, sondern verdient!“
Dankesrede
Diese Laudatio „erfüllt mich mit Stolz und Befangenheit“, sagte der so Gelobte in seiner Dankesrede. Als württembergischer Protestant halte er es eher mit dem „schwäbischen Understatement: Nicht geschimpft ist genug gelobt.“
Seinen Beruf habe er „stets als Berufung verstanden.“ Kulturarbeit erfordere persönlichen Einsatz, auch außerhalb der regulären Dienstzeiten. „Dabei kam mir zugute, dass ich einer Generation angehöre, der das Modewort Work-Life-Balance fremd war und ist“, sagte er.
In seiner beruflichen Laufbahn habe er das Vertrauen der Behördenleiter genossen, „die mir großen Handlungsspielraum einräumten.“ Er hob auch die „Grundsolidarität des Kreistags“ hervor – aus dem Gremium waren Berthold Kammerer (SPD), Dieter Kleinmann (FDP) und Jens Keucher (FWV) bei der Feierstunde. Sein Amt als Kulturreferent, sein Nebenamt als Kunstbeauftragter der OEW und seine „Ehrenämter in Vereinen, Verbänden und Stiftungen habe ich stets als gesamthafte berufliche Herausforderung verstanden“, sagte er. Hieraus seien auch „vielfältige Synergieeffekte“ entstanden. Seine beruflichen Leistungen seien aber nicht ohne familiären Rückhalt zu erbringen gewesen. So dankte er seiner Gattin Inge und seinen Töchtern Christine und Sophie. Und auch den Vertretern verschiedener Organisationen und Institutionen, die im Schloss erschienen waren.
Die Anregung zur Ordensverleihung kam, wie er mitteilte, von Roland Baumgardt, der unter dem Namen „Rogardt“ den Wikipedia-Artikel über Rüth verfasst hat.

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