Eine NRWZ-Leserin hat zwischen Rottweil und Neufra ein bemerkenswertes Bild eingefangen: Dutzende Weißstörche stehen auf einer frisch gemähten Wiese beim Umspannwerk. „Man bekommt gar nicht alle auf ein Foto”, schreibt sie. Was aussieht wie ein Zufall, hat einen handfesten Grund – und einen Termin im Kalender.
Wer dieser Tage zwischen Rottweil und Neufra unterwegs ist, sollte den Blick über die Wiesen schweifen lassen. Auf den Aufnahmen unserer Leserin verteilen sich die schwarz-weißen Vögel über die gesamte Fläche, einige stochern im Gras, andere stehen einfach da. Im Hintergrund die Masten des Umspannwerks, daneben ein reifes Getreidefeld.
Update, wir haben den Storchenbeauftragten Hartmut Polet um eine Stellungnahme gebeten. Hier ist sie:
Die meisten Störche sind schon flügge. Es gibt aber auch noch Störche, die noch im Nest sitzen. Das sind so genannte Spätbrüter. Es kann sich auf dem Bild um eine Storchenkolonie handeln, die einfach umherzieht und auf Futtersuche ist. Es ist aber auch möglich, dass es Jungstörche sind. Normalerweise ziehen die Jungstörche im August. In Mühlheim sind die Jungstörche abends noch im Nest. Allgemein ist es so, dass wir im Landkreis immer mehr Störche sichten, auch im Zollernalbkreis. Aktuell bauen die Störche im Landkreis gerne auf Strommasten innerorts. Deißlingen, Dunningen, Seedorf und Waldmössingen, Bochingen, Wittershausen (neu). Ich rechne 2027 mit neuen Storchennestern im Landkreis Rottweil und Zollern-Alb-Kreis. Letztes Jahr hatten wir in Mühlheim 43 Störche auf einer Wiese neben der A81. Die Störche werden sich abends auf Dächern ihr Nachtquartier suchen. Für uns Storchenbetreuer ist es immer von Interesse, wenn solche Beobachtungen gemeldet werden. Immer mehr Störche überwintern. Man darf gespannt sein. Welche Auswirkungen der Klimawandel auf das Verhalten der Störche hat?
Zurück zu der Versammlung bei Rottweil – warum gerade jetzt – und warum hier? Zwei Dinge kommen zusammen. Erstens die Mahd: Sobald eine Wiese gemäht ist, liegen Mäuse, Insekten, Larven und Regenwürmer frei. Für Störche ist das ein gedeckter Tisch, und sie fliegen dafür weite Strecken. Frisch gemähte Flächen ziehen die Vögel oft binnen Stunden an.
Zweitens die Jahreszeit. Ab Ende Juli lösen sich die Brutreviere auf. Die Jungvögel sind flügge, die Altvögel nicht mehr ans Nest gebunden – die Tiere sammeln sich in größeren Trupps, bevor es Richtung Süden geht. Ornithologen sprechen von Ansammlungen vor dem Wegzug. Ein Teil der süddeutschen Störche zieht über Frankreich und Spanien nach Afrika, andere bleiben inzwischen ganz in Europa.
Ein gutes Zeichen für die Region Dass solche Trupps im Landkreis Rottweil überhaupt möglich sind, war lange nicht selbstverständlich.
Wenn Sie hinfahren: Bitte Abstand halten. Störche wirken zutraulich, sind es aber nicht. Wer nah heranläuft, treibt den Trupp auf – und kostet die Vögel Energie, die sie für den Zug brauchen. Fotos gelingen vom Feldweg aus mit Teleobjektiv genauso gut.
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