Benachrichtigung

Fast die Hälfte der Landesstraßen im Kreis Rottweil liegt über dem Warnwert

Neun Millionen Euro für zehn Straßenabschnitte, aber kein Zeitplan – und vier Problembrücken an der B 462 bei Schiltach.

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Die Landesstraßen im Landkreis Rottweil sind schlechter geworden. Knapp 30 Prozent der erfassten Strecken liegen inzwischen über dem Schwellenwert, ab dem gebaut oder der Verkehr beschränkt werden soll. Das geht aus der Antwort des Verkehrsministeriums auf eine Anfrage des CDU-Landtagsabgeordneten Stefan Teufel hervor. Bei den Brücken fällt die Bilanz günstiger aus.

Kreis Rottweil. Das Land lässt den Zustand seiner Landesstraßen alle vier Jahre erfassen. Bewertet wird auf einer Skala von 1 (neuwertig) bis 5. Ab 3,5 gilt der Warnwert als überschritten, ab 4,5 der Schwellenwert. Dann sollen bauliche oder verkehrsbeschränkende Maßnahmen folgen.

Für den Landkreis Rottweil hat sich der Gesamtwert verschlechtert: von 3,1 bei der Erhebung 2020 auf 3,3 im Jahr 2024. Der Anteil der Strecken über dem Schwellenwert stieg von 23,1 auf 29,4 Prozent. Zählt man die Abschnitte über dem Warnwert hinzu, sind es 49,7 Prozent. 2020 lag dieser Wert noch bei 42,7 Prozent.

Im neuwertigen bis guten Bereich liegt nur noch gut ein Drittel des Netzes, nämlich 35,7 Prozent. 2020 waren es 41,8 Prozent.

Ganz deckungsgleich sind die beiden Erhebungen allerdings nicht. 2020 wurden rund 323 Kilometer in beiden Fahrtrichtungen ausgewertet, 2024 waren es 182 Kilometer in einer Fahrtrichtung.

Zehn Abschnitte, gut neun Millionen Euro

Welche Strecken zuerst saniert werden, legt das Land im „Erhaltungsmanagement Landesstraßen 2026–2029“ fest. Landesweit stehen darin 340 Abschnitte mit zusammen 739 Kilometern. Zehn davon liegen ganz oder teilweise im Kreis Rottweil. Das Ministerium schätzt die Kosten auf rund 9,2 Millionen Euro.

Den größten Anteil hat der Raum Sulz. Zwei Abschnitte der L 409 und einer der L 410 Richtung Empfingen kommen zusammen auf rund 3,5 Millionen Euro. Weitere Abschnitte liegen an der L 108 bei Lauterbach, an der L 415 bei Oberndorf und Fluorn-Winzeln, an der L 422 bei Dunningen und Waldmössingen sowie an der L 423 in Rottweil.

Wann die einzelnen Straßen an die Reihe kommen, sagt das Ministerium nicht. Teufel hatte ausdrücklich nach Zeitpunkten für Planung, Baubeginn und Fertigstellung gefragt. Die Antwort beschränkt sich auf die Aussage, die Abschnitte würden nach Priorität, Personal und verfügbaren Haushaltsmitteln nach und nach bis 2029 abgearbeitet. Zustandswerte für die einzelnen Abschnitte nennt das Ministerium ebenfalls nicht.

Auffällig ist: Bis auf eine Ausnahme sind die Kosten offenbar pauschal hochgerechnet, jeweils mit rund 455 Euro pro Meter. Es handelt sich also um grobe Schätzungen, nicht um Zahlen aus konkreten Planungen.

Eine Sanierung wurde verschoben

Ein Projekt hat sich bereits verzögert: die L 422 zwischen Aichhalden, Fluorn-Winzeln und Rötenberg. Die Sanierung war für 2025 vorgesehen. Weil nicht genug Haushaltsmittel zur Verfügung standen, wurde sie auf 2026 verschoben. Laut Ministerium ist die Strecke inzwischen im Bau, das Bauende ist für Oktober 2026 angegeben. Es ist der einzige Fall, den das Ministerium auf die Frage nach zurückgestellten Sanierungen seit 2020 nennt.

Brücken: leichte Verbesserung

Bei den Brücken ergibt sich ein anderes Bild. Ihre Noten reichen von 1,0 (sehr gut) bis 4,0 (ungenügend).

An Landesstraßen gibt es im Kreis 87 Brücken. Ihre Durchschnittsnote liegt bei 2,5, also „ausreichend“. Mit 3,0 oder schlechter waren 2020 noch 18 Brücken bewertet, heute sind es zehn. Im sehr guten Bereich liegt allerdings keine einzige mehr, 2020 waren es zwei.

An Bundesstraßen zählt der Kreis 92 Brücken mit einer Durchschnittsnote von 2,3. Hier sank die Zahl der Bauwerke im Bereich 3,0 bis 3,4 von acht auf sechs. Die Zahl der guten und sehr guten Brücken stieg von drei auf neun.

Das Ministerium betont, dass die Note nur ein Indiz ist. Schon ein erneuerter Korrosionsschutz am Geländer könne sie deutlich verbessern. Über die Tragfähigkeit einer Brücke sage sie nichts aus.

Schwerpunkt B 462 bei Schiltach

Von den zehn Brücken mit dem größten Handlungsbedarf liegen vier an der B 462 im Schiltacher Ortsteil Lehengericht. Die schlechteste Note im Kreis hat jedoch die Brücke über den Kirnbach an der L 175 in Schramberg. Sie ist mit 3,5 als „ungenügend“ bewertet. Die Kienbachbrücke in Hinterlehengericht folgt mit 3,3.

Mit 3,0 bewertet sind unter anderem die Kinzigbrücke in Schenkenzell, die Heimbachbrücke in Leinstetten, die Neckarbrücke Rottenmünster und die beiden Brücken der B 27 bei Deißlingen. Vorgesehen ist dort jeweils eine Instandsetzung.

Neu gebaut werden zwei Bauwerke an der B 462. Die Hinterhofbrücke über die Schiltach ist bereits in Arbeit. Die zweite ist eine Feldwegüberführung bei Lehengericht/Welschdorf. Dort gilt eine Gewichtsgrenze von sechs Tonnen. Laut Ministerium ist sie die einzige Brücke im Kreis mit einer verkehrlichen Einschränkung.

Was die Brücken insgesamt kosten werden, kann das Ministerium nach eigenen Angaben derzeit nicht beziffern. Dafür fehlten bei mehreren Bauwerken noch die nötigen Planungen.

Teufel fordert Geld und Planungskapazitäten

Teufel, stellvertretender Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion, hält die Priorisierung grundsätzlich für richtig. „Entscheidend ist aber, dass aus diesen Prioritäten auch konkrete Maßnahmen werden“, erklärt er. Die Menschen vor Ort bräuchten nachvollziehbare Perspektiven, wann die Straßen saniert werden. Die Landesregierung müsse dafür die nötigen Mittel und Planungskapazitäten bereitstellen.

Die verschobene Sanierung der L 422 zeige, wie wichtig eine verlässliche Finanzierung sei, so Teufel. Jeder Aufschub müsse darauf geprüft werden, ob dadurch später höhere Kosten entstehen. Er fordert außerdem, Kommunen und Öffentlichkeit frühzeitig über geplante Maßnahmen und Zeitabläufe zu informieren.

Das Verkehrsministerium wird seit Mai 2026 von Nicole Razavi geführt, die wie Teufel der CDU angehört. Die Verschiebung der L 422 von 2025 auf 2026 fiel noch in die Amtszeit ihres Vorgängers Winfried Hermann (Grüne).

Die Übersicht

Landesstraßen (Nummern auf der Karte)

  1. L 108 Lauterbach, 1,2 km: 537.000 Euro
  2. L 108 Lauterbach–Hornberg, 2,8 km im Kreis: 1,27 Millionen Euro
  3. L 423 Rottweil, 0,8 km: 381.000 Euro
  4. L 415 Oberndorf, 1,2 km: 568.000 Euro
  5. L 422 Aichhalden–Fluorn-Winzeln–Rötenberg, 4,5 km: 1,4 Millionen Euro (im Bau)
  6. L 415 Fluorn-Winzeln, 2,4 km: 1,09 Millionen Euro
  7. L 422 Dunningen/Waldmössingen, 0,9 km: 392.000 Euro
  8. L 410 Sulz–Empfingen, 2,6 km: 1,19 Millionen Euro
  9. L 409 Sulz, 2,3 km: 1,05 Millionen Euro
  10. L 409 Sulz, 2,8 km: 1,29 Millionen Euro

Brücken mit dem größten Handlungsbedarf (Buchstaben auf der Karte)

  • A – B 294, Kinzigbrücke Schenkenzell: Note 3,0, Instandsetzung
  • B – L 409, Heimbachbrücke Leinstetten: Note 3,0, Instandsetzung
  • C – B 462, Kienbachbrücke Hinterlehengericht: Note 3,3, Instandsetzung
  • D – B 462, Schiltachbrücke Hinterlehengericht: Note 3,0, Instandsetzung
  • E – L 175, Kirnbachbrücke Schramberg: Note 3,5 („ungenügend“), Instandsetzung
  • F – B 14, Neckarbrücke Rottenmünster bei Bühlingen: Note 3,0, Instandsetzung
  • G – B 27 bei Deißlingen, zwei Richtungsbrücken über Trossinger Bahn und K 5559: je Note 3,0, Instandsetzung
  • H – B 462, Feldwegüberführung Lehengericht/Welschdorf: Note 2,5, Ersatzneubau, höchstens 6 Tonnen
  • I – B 462, Hinterhofbrücke Hinterlehengericht: Note 2,8, Ersatzneubau läuft

Quelle: Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg, Antwort auf die Kleine Anfrage Drucksache 18/495 vom 14. Oktober 2026.

Autor / Quelle:NRWZ-Redaktion
Unter dem Label NRWZ-Redaktion beziehungsweise NRWZ-Redaktion Schramberg veröffentlichen wir Beiträge aus der Feder eines der Redakteure der NRWZ. Sie sind von allgemeiner, nachrichtlicher Natur und keine Autorenbeiträge im eigentlichen Sinne. Die Redaktion erreichen Sie unter redaktion@NRWZ.de beziehungsweise schramberg@NRWZ.de

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