Rottweil – Seit einem guten halben Jahr reckt sich am Rottweiler Ortseingang ein neuer Supermarkt, wo früher die BayWa stand. Inhaber Sinan Yilmaz ist seit seiner Ausbildung 2012 Teil der Rewe-Familie, und der Laden läuft nach seinen Worten prima. Schmerzt das den B2 Biomarkt im Milchwerk und den Neukauf Maier Culinara in der historischen Innenstadt? Weit weniger als gedacht.
Stefan Schopf vom B2 nimmt sich extra Zeit für ein Gespräch. Schon die „Leidringer Marktweible“ seien dereinst nach Rottweil auf den Markt gezogen, weiß er zu berichten, und in jüngerer Vergangenheit, vor rund dreißig Jahren, sei auch seine Fischermühle hier präsent gewesen, habe dann aber mit dem Demeter-Stand aus Moos getauscht und dafür einen Marktstand in Balingen übernommen.

In Rottweil und Balingen stehen heute auch die beiden großen Biomärkte von B2, neben Catering und Direktverkauf wichtige Standbeine der Gärtnerei, die zu guten Teilen ihre eigenen Gewächse an Mann und Frau bringen. Rund 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind für B2 zugange, allein 35 davon im Rottweiler Markt.
Einbußen durch den neuen Rewe-Markt spürt Schopf keine – zu schaffen machen ihm eher Bio-Supermarktketten, die global oder zumindest europaweit einkauften und dank besserer Konditionen die Preise drückten. Zudem verwässere der konventionelle Lebensmittelhandel, und das trifft dann doch Rewe wie Edeka, den Biogedanken immer stärker. Punkten könne B2 dank der eigenen Kombination aus Bio, Regio und hohen eigenen Standards, der Umsatz bewege sich inzwischen wieder auf Vor-Corona-Niveau.
Dennoch ist der neue Markt an Rottweils Eingangstor aus Zimmerner Richtung „mir als Geschäftsführer nicht egal, denn eine Stadt trägt schon Verantwortung für die Existenzfähigkeit ihrer Betriebe“ – und da nimmt Schopf die Neuansiedlung eher als Beitrag zum Sterben des Handels in der historischen Innenstadt wahr.
Culinara-Inhaber Detlev Maier, seit vielen Jahren auch im Gewerbe- und Handelsverein der Stadt aktiv, gibt sich am Telefon eher schmallippig. Ob ihn der Rewe-Markt Umsätze koste, ließe sich anhand der Zahlenlage schwerlich feststellen – zumal der gesperrte Friedrichsplatz ein weitaus größeres und auch spürbares Ärgernis darstelle. Für einen Liter Milch fahre da ja wohl niemand große Umwege…
2021 klang das noch deutlich anders, damals zeigte sich der Marktbetreiber deutlich ungehalten über den künftigen Wettbewerber, wie die NRWZ berichtete.
Und Markt-Betreiber Sinan Yilmaz, der den neuen Rewe in der Schramberger Straße mit seiner Ehefrau betreibt? Strahlt wie ein Schneekönig, dass nach Monaten der Vorbereitung und zähen Anlaufschwierigkeiten mit Geruchsbelästigung und dauerklingelnder Alarmanlage endlich der Arbeitsalltag eingekehrt sei.
32 Mitarbeiter beschäftigt sein Markt, die voll gefordert seien, „wir haben nicht mit einem solchen Ansturm am Anfang gerechnet.“ Den gelte es, dauerhaft zu binden, denn „für uns ist das Wichtigste, Stammkunden zu generieren.“ Da kommt die anfangs unerwartete Schülerwelle gerade recht, die sich inzwischen verlässlich mittags ihren Weg Richtung Rewe bahnt. Weiterer Pluspunkt: Etliche vegane Produkte und das eigene umfangreiche Balkan-Sortiment, das sogar Kunden aus Villingen-Schwenningen und Tuttlingen nach Rottweil ziehe. Für Yilmaz, der zuletzt eine Reutlinger Rewe-Filiale leitete, bestätigt das deutlich seine Grundüberzeugung: „Jeder Standort ist anders“. Und vielleicht ist ja unter den Schülerinnen und Schülern der eine oder die andere ein „Rewe-Kind“ von morgen …