Großeinsatz an der Helios-Klinik Rottweil: In der Klinikapotheke ist am Donnerstagnachmittag ein gefährlicher Stoff entdeckt worden. Wie eine Helios-Sprecherin auf NRWZ-Nachfrage bestätigte, handelte es sich um Pikrinsäure. Offiziell bestätigt ist bislang lediglich der Fund eines Gefahrstoffs. Spezialisten machten ihn am Abend unschädlich. Der Krankenhausbetrieb war nach Angaben der Klinik zu keinem Zeitpunkt beeinträchtigt.
Die Feuerwehr wurde um 15.06 Uhr alarmiert. Gegen 18.25 Uhr kam die erlösende Nachricht: „Die Gefahr ist beseitigt“, erklärte Feuerwehrsprecher Rüdiger Mack. Kurz nach 18.30 Uhr konnten die Einsatzkräfte abrücken.
Helios bestätigt Einsatz
Am Donnerstagabend lag dann eine auf Nachfrage der NRWZ verfasste offizielle Stellungnahme der Helios-Kliniken vor:
Wir können den heutigen Einsatz der Feuerwehr an der Helios Klinik Rottweil aufgrund eines in der Apotheke aufgefundenen Gefahrstoffs bestätigen. Weitere hinzugezogene Experten des Kampfmittelräumdienstes haben den Fund inzwischen bewertet und unschädlich gemacht. Vorsorglich wurden die Apotheke und der umliegende Garten geräumt. Diese Maßnahme ist wieder aufgehoben. Der Krankenhausbetrieb war zu keinem Zeitpunkt beeinträchtigt. Wir danken den Einsatzkräften für ihren besonnenen und schnellen Einsatz vor Ort.“
Sprecherin der Helios-Kliniken
Ergänzend teile Helios am Freitag auf Nachfrage unserer Redaktion mit: „Bei einem Audit in unserer Apotheke wurde ein kleines Fläschchen mit Pikrinsäure, die im trockenen Zustand explosiv sein kann, entdeckt. Die hinzugezogenen Experten des Kampfmittelräumdienstes konnten den Fund zügig bewerten und unschädlich machen.“ Das Gefahrgut sei abschließend über die Klinik entsorgt worden. „Selbstverständlich arbeiten wir solche Vorfälle auf und leiten bei Bedarf auch entsprechende Maßnahmen ab“, sagte eine Sprecherin von Helios der NRWZ.
Großaufgebot vor der Klinik
Am Klinikeingang und auf dem Gelände standen am Donnerstagmittag mehrere Feuerwehrfahrzeuge. Insgesamt wurden neun Fahrzeuge hinzugezogen, 42 Feuerwehrleute waren im Einsatz, wie Feuerwehrsprecher Rüdiger Mack der NRWZ sagte. Auch der Gefahrgut-Großbehälter des Landkreises wurde bereitgestellt. Die Feuerwehr stellte an der Apotheke den Brandschutz sicher und baute eine Wasserversorgung auf. Zudem stand eine Dekontaminationsstation bereit. Die Einsatzkräfte hielten Vollschutzanzüge vor, konnten diese im Laufe des Einsatzes jedoch wieder wegpacken.
Zunächst war offen, ob weitere Teile oder sogar die gesamte Klinik geräumt werden müssten. Nach Informationen von Einsatzkräften überließ die Feuerwehr diese Entscheidung den angeforderten Spezialisten. Gegen 17.30 Uhr trafen zwei Entschärfer ein und erkundeten die Lage.
Eine Helios-Sprecherin erklärte gegenüber der NRWZ, vorsorglich seien der Bereich um die Apotheke sowie Teile des Klinikparks geräumt worden. Eine Räumung des gesamten Krankenhauses sei nicht erforderlich gewesen. Die endgültige Bewertung der Lage oblag den Spezialkräften der Polizei.
Behälter stand offenbar schon länger in der Apotheke
Nach Angaben des Einsatzleiters, Stadtbrandmeister Frank Müller, hatte der Behälter bereits längere Zeit in der Apotheke gestanden. Er durfte keinesfalls unsachgemäß bewegt werden. Die Einsatzkräfte stellten deshalb sicher, dass der Fund bis zum Eintreffen der Spezialisten unberührt blieb. Die Lage sei bereits am Nachmittag „statisch“ gewesen, hieß es.
Nach rund 15 Minuten Erkundung konnten die Entschärfer zunächst noch keine Entwarnung geben. Die Feuerwehr begann jedoch in Absprache mit den LKA-Beamten bereits damit, Teile der Gefahrstoff- und Dekontaminationsausrüstung zurückzubauen. Die Einsatzkräfte blieben zunächst weiterhin in Bereitschaft, auch die Wasserversorgung wurde für den Fall der Fälle aufrechterhalten.
Gegen 18.25 Uhr erklärte Feuerwehrsprecher Mack schließlich: „Die Gefahr ist beseitigt.“ Zu weiteren Angaben sei er als Vertreter der Feuerwehr nicht befugt. Die Helios-Kliniken hatten die weitere Information übernommen und kündigten eine Stellungnahme an.
Auch Rottweils Bürgermeisterin Ines Gaehn machte sich am Nachmittag vor Ort ein Bild von der Lage. Hinzugezogen wurde außerdem der Fachberater Chemie, Dr. Michael Sowa.
Unterdessen war die Feuerwehrabteilung Hausen in Bereitschaft versetzt worden. Die Kräfte besetzten das Rottweiler Gerätehaus, da zunächst von einer längeren Einsatzdauer ausgegangen wurde, wie Feuerwehrsprecher Marius Daute berichtete. Kurz nach 18.30 Uhr konnten die Einsatzkräfte schließlich abrücken.
Nach NRWZ-Informationen handelte es sich um Pikrinsäure
Helios betätigte am Freitag, dass es sich bei dem aufgefundenen Stoff um Pikrinsäure gehandelt habe.
Pikrinsäure, chemisch 2,4,6-Trinitrophenol, ist ein gelber, kristalliner und giftiger Stoff. In feuchtem Zustand gilt sie als vergleichsweise handhabbar. Trocknet sie jedoch aus, kann sie äußerst stoß- und reibungsempfindlich werden. Besonders gefährlich sind Verbindungen mit Metallen, sogenannte Metallpikrate, die hochexplosiv sein können. Schon das Bewegen eines alten Behälters oder das Öffnen eines Verschlusses kann deshalb ein erhebliches Risiko darstellen.
Der Stoff wurde früher unter anderem als Sprengstoff, als Laborreagenz sowie in der Histologie zum Fixieren und Färben von Gewebe verwendet. Heute ist Pikrinsäure wegen ihrer Risiken weitgehend durch sicherere Alternativen ersetzt. Altbestände finden sich gelegentlich noch in älteren Apotheken, Laboren oder Schulchemikaliensammlungen. Solche Funde dürfen keinesfalls berührt, bewegt oder geöffnet und müssen von Spezialisten gesichert werden.
































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