Rottweil gießt mit Trinkwasser: 28 Euro kostet ein Baum pro Gießgang

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Nicht robust genug für diesen Sommer: eine Wiunterlinde "Rancho" in der Rottweiler Innenstadt. Foto: privat

ROTTWEIL. Es war eine Frage aus der Leserschaft, die den Anstoß gab. Unter dem NRWZ-Bericht zur neuen Neckar-Flussschleife hatte ein Kommentator die Vermutung geäußert, das Wasserentnahmeverbot werde von Stadt und Landesgartenschau „aktuell auch nicht beachtet“ – mit ausdrücklichem Verweis auf den Stadtgraben. Ein anderer Leser fragte, was aus der Gartenschau werden solle, wenn es 2028 so trocken bleibe wie in diesem Sommer, und ob die Stadt überhaupt aus dem Neckar entnehmen dürfe, wo es Landwirten untersagt sei.

Die NRWZ hat diese Fragen der Stadtverwaltung gestellt. Die Antwort von Bürgermeisterin Ines Gaehn fällt in diesem Punkt eindeutig aus: Seit Inkrafttreten des Verbots am 25. Juni entnehme die Stadt für Bewässerungszwecke kein Wasser aus oberirdischen Gewässern. Das gelte auch für die von der Stadt beauftragten Unternehmen, die entsprechend angewiesen worden seien. Eine wasserrechtliche Erlaubnis, die von dem Verbot unberührt bliebe, besitzt die Stadt für die Bewässerung ihrer Grünflächen nach eigenen Angaben nicht.

Was ein Gießgang kostet

Gegossen wird trotzdem – nur eben aus der Leitung. Wo neu gepflanzte Bäume und Pflanzflächen in der Anwachsphase Wasser brauchen, kommt es aus dem Trinkwassernetz oder, wo entsprechende Systeme vorhanden sind, aus gespeichertem Niederschlagswasser.

Die Stadt beziffert den Aufwand konkret. In ausgeprägten Hitze- und Trockenperioden werden Jungbäume in der Regel wöchentlich bewässert, bei normaler Witterung in größeren Abständen. Einschließlich Personal-, Fahrzeug- und Bewässerungsaufwand liegen die Kosten durchschnittlich bei rund 28 Euro netto je Baum und Gießgang. Zwei bis drei Mitarbeiter sind in intensiven Trockenphasen dauerhaft mit der Bewässerung beschäftigt.

Auch die jungen Reben am Schwarzen Felsen hängen derzeit am Trinkwasser. Vor Ort stehen IBC-Behälter, die der Betriebshof bei Bedarf auffüllt. Das Gießen selbst übernehmen ehrenamtliche Helfer von Civitas e.V., pflanzenbezogen und von Hand. Sobald die Reben etabliert sind, soll zusätzliches Wasser nur noch in Ausnahmefällen nötig sein.

Ähnlich äußert sich das Regierungspräsidium Freiburg, dessen Landesbetrieb Gewässer die Neckar-Revitalisierung umsetzt. Auch für den zweiten Bauabschnitt werde kein Wasser aus dem Neckar entnommen. Die Baufirma habe beim örtlichen Wasserversorger ein Hydrantenstandrohr angemietet und versorge damit ihre Baustelleneinrichtung. Die frisch gepflanzten Gehölze im bereits fertigen ersten Bauabschnitt würden seit dem Verbot ausschließlich mit Leitungswasser gegossen.

Gartenschau ohne Neckarwasser

Für das Gartenschaugelände im Neckartal gibt es bislang kein fertiges Bewässerungskonzept. Ein detailliertes Gieß- und Bewässerungskonzept werde im Zuge der weiteren Ausführungs- und Betriebsplanung erstellt, teilt die Stadt mit. Die Richtung stehe aber fest: Niederschlagswasser möglichst vor Ort zurückhalten, speichern und nutzen.

Dahinter stecken bauliche Entscheidungen, die schon jetzt getroffen werden. Baumquartiere und Rigolensysteme nach dem Stockholmer Modell leiten Regenwasser von Straßen und befestigten Flächen in den Untergrund, wo es den Wurzeln länger zur Verfügung steht. Dazu kommen Zisternen, wasserspeichernde Substrate, Gießmulden und auf geeigneten Flächen Bodenfeuchtesensoren, die nur dann Bewässerung auslösen, wenn tatsächlich Bedarf besteht.

Eine Entnahme aus dem Neckar sei für die Landesgartenschau nicht vorgesehen, heißt es aus dem Rathaus. Eine wasserrechtliche Erlaubnis dafür wurde deshalb auch nicht beantragt.

Wie viel Wasser die Schau im Ausstellungsjahr brauchen und was das kosten wird, kann die Stadt derzeit nicht sagen. Eine belastbare Prognose liege beim jetzigen Planungsstand nicht vor. Der Bedarf hänge von der Witterung 2028 ab, von der endgültigen Größe der Pflanz- und Ausstellungsflächen und vom Veranstaltungsbetrieb – hinzu komme der betriebliche Bedarf für Gastronomie, Besuchertoiletten und Trinkwasserstellen.

Der Fall eines zweiten Trockensommers

Sollte 2028 erneut ein Entnahmeverbot gelten, würde das die Systematik des Konzepts nach Darstellung der Stadt nicht infrage stellen – die Planung sei von vornherein darauf ausgelegt, ohne Oberflächenwasser auszukommen. Bei länger anhaltender Trockenheit würden allerdings Prioritäten gesetzt: Jungbäume und neu angelegte, noch nicht etablierte Pflanzungen zuerst.

Bei der Pflanzenauswahl setzt die Stadt verstärkt auf trockenheits- und hitzeverträgliche Arten sowie tiefwurzelnde Gehölze, Grundlage sind fachliche Empfehlungen zu sogenannten Zukunftsbäumen. Auch die Staudenplanung wurde überarbeitet, unter anderem am Friedrichsplatz. Dauerhaft angelegte Flächen sollen nach der Etablierung deutlich weniger Wasser brauchen. Temporäre gärtnerische Ausstellungsflächen gehören zum Charakter einer Gartenschau und werden in das Bewässerungskonzept einbezogen.

Die Bürgermeisterin verweist zugleich darauf, dass auch Trink- und Grundwasser keine unbegrenzt verfügbaren Ressourcen seien. Wassersparen sei ein wesentlicher Bestandteil der Planung.

Damit ist die im Leserkommentar aufgeworfene Frage in einem Punkt beantwortet, in einem anderen verschiebt sie sich. Wasser aus dem Neckar nimmt die Stadt nicht. Wasser nimmt sie trotzdem – aus dem Netz. Wie sehr die Trockenheit inzwischen auch die Landwirtschaft trifft, zeigte sich zuletzt beim knappen Futter für die Rinderhalter im Kreis. Offen bleibt, wie das Landratsamt als untere Wasserbehörde die Einhaltung des Verbots kontrolliert und welche Ausnahmen die Allgemeinverfügung vorsieht.

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