Ein Heizkörper, der nur zur Hälfte warm wird, ist kein seltenes Winterphänomen. Oft steckt keine nennenswerte Störung dahinter, sondern ein vergleichsweise simples Problem im Heizsystem. Die gute Nachricht: Vieles lässt sich mit etwas Vorsicht selbst prüfen – manchmal ist aber auch Fachhilfe nötig.
Erst schauen, wo es kalt bleibt
Die Stelle, an der der Heizkörper kalt ist, liefert meist schon den entscheidenden Hinweis auf die Ursache.
Oben kalt, unten warm
Das ist der Klassiker. In den meisten Fällen steckt Luft im Heizkörper. Sie sammelt sich am höchsten Punkt und blockiert den Durchfluss des warmen Wassers.
Unten kalt, oben warm
Hier sind häufig Ablagerungen oder sogenannte Verschlammungen im Spiel. Schmutzpartikel setzen sich über Jahre am Boden ab und behindern den Rücklauf.
Der ganze Heizkörper nur lauwarm
Oft klemmt das Thermostatventil. Nach der Sommerpause kann der kleine Stift im Ventil festsitzen und nicht mehr richtig öffnen.
Komplett kalt
Dann kann es an der Umwälzpumpe, am Druck im System oder an einer größeren Störung liegen – hier ist meist ein Fachbetrieb gefragt.
Schnelle Übersicht
| Symptom | Mögliche Ursache | Selbst machbar? |
|---|---|---|
| Oben kalt, unten warm | Luft im Heizkörper | Ja |
| Unten kalt, oben warm | Ablagerungen/Verschlammung | Eher nein |
| Komplett lauwarm | Thermostatventil klemmt | Oft ja |
| Komplett kalt | Pumpe oder Druckproblem | Fachbetrieb |
| Einzelne Räume bleiben kalt | Hydraulischer Abgleich fehlt | Fachbetrieb |
Häufiges Problem in älteren Gebäuden
Dass Heizkörper ungleichmäßig warm werden, kommt besonders in älteren Häusern vor. Viele Heizungsanlagen in Deutschland sind deutlich über 15 Jahre alt. Mit zunehmendem Alter nehmen Ablagerungen, Luftprobleme und schlecht eingestellte Systeme zu. Auch in vielen Bestandsgebäuden der Region ist das ein bekanntes Thema für Handwerksbetriebe.
Wenn Luft im Heizkörper steckt: richtig entlüften
Ist der Heizkörper oben kalt und gluckert vielleicht sogar, steckt fast immer Luft im System. Das Entlüften ist eine typische Heimwerker-Aufgabe.
Das wird gebraucht
- Entlüftungsschlüssel (gibt es günstig im Baumarkt)
- Lappen oder Handtuch
- Kleiner Becher oder Schüssel
Schritt für Schritt
- Heizung kurz laufen lassen und das Thermostat am Heizkörper voll aufdrehen. So sammelt sich die Luft oben.
- Umwälzpumpe ausschalten (falls zugänglich), damit sich die Luft beruhigt.
- Entlüftungsventil öffnen – langsam gegen den Uhrzeigersinn drehen.
- Zischen abwarten – es entweicht Luft.
- Sobald Wasser gleichmäßig austritt, Ventil wieder schließen (nur handfest).
- Heizungsdruck prüfen: Am Manometer sollte der Druck meist zwischen 1,5 und 2,0 bar liegen. Ist er zu niedrig, muss Wasser nachgefüllt werden.
Tritt das Problem häufig erneut auf, sollte ein Fachbetrieb prüfen, ob ständig Luft ins System gelangt.
Klemmt das Thermostatventil?
Bleibt der Heizkörper trotz Entlüften lauwarm, kann das Thermostatventil festhängen.
So lässt sich das prüfen
- Thermostat auf höchste Stufe drehen.
- Schraubring am Thermostatkopf lösen und Kopf abziehen.
- Sichtbar wird ein kleiner Metallstift.
- Lässt er sich leicht hineindrücken und kommt von selbst zurück? → Alles in Ordnung.
- Sitzt er fest, vorsichtig mehrmals bewegen. Ein Tropfen Kriechöl kann helfen.
Wichtig: Mit Gefühl arbeiten. Bricht der Stift ab oder wird das Ventil undicht, muss ein Fachbetrieb ran.
Wenn mehrere Heizkörper Probleme verursachen
Werden manche Räume warm und andere bleiben kühl, kann ein fehlender hydraulischer Abgleich die Ursache sein. Dabei wird das Heizsystem so eingestellt, dass jeder Heizkörper genau die richtige Wassermenge bekommt. Ohne diesen Abgleich nehmen nahe Heizkörper „zu viel“, weiter entfernte zu wenig.
Anzeichen dafür:
- Deutliche Temperaturunterschiede zwischen Räumen
- Strömungsgeräusche in Rohren
- Pumpe läuft ständig auf hoher Stufe
Ein hydraulischer Abgleich kann nicht nur Komfortprobleme lösen, sondern auch Energie sparen – er gehört in die Hände eines Fachbetriebs.
Wann besser Profis helfen lassen
| Problem | Selbst versuchen | Fachbetrieb rufen, wenn … |
|---|---|---|
| Luft im Heizkörper | Entlüften | Luft ständig zurückkommt |
| Thermostat klemmt | Stift vorsichtig bewegen | Stift sich nicht löst oder Ventil undicht wird |
| Ungleiche Wärme im Haus | – | Mehrere Heizkörper betroffen |
| Laute Geräusche | – | Pfeifen, Klopfen oder starkes Rauschen auftreten |
| Druck fällt ständig ab | Wasser nachfüllen | Druck schnell wieder sinkt (Verdacht auf Leck) |
Vorbeugen hilft
Ein paar einfache Gewohnheiten können viele Probleme verhindern:
- Thermostate im Sommer alle paar Wochen bewegen (ganz auf und zu), damit Ventile nicht festklemmen.
- Heizkörper freihalten – Möbel oder lange Vorhänge behindern die Wärmeabgabe.
- Jährliche Wartung durch einen Fachbetrieb: Dabei werden Brenner, Wärmetauscher, Druck, Sicherheitseinrichtungen und Einstellungen geprüft.
Häufige Fragen
Warum ist der Heizkörper oben kalt und unten warm?
Fast immer Luft im Heizkörper.
Muss nach dem Entlüften Wasser nachgefüllt werden?
Oft ja. Der Druck sollte anschließend kontrolliert werden.
Kann ich jeden Heizkörper selbst entlüften?
Moderne Heizkörper meist ja. Bei sehr alten Modellen oder festsitzenden Ventilen lieber Fachleute holen.
Ein halbwarmer Heizkörper ist also meist kein Grund zur Panik – aber ein Signal, genauer hinzusehen. Wer einfache Ursachen ausschließt und bei komplexeren Problemen rechtzeitig Fachbetriebe einbindet, sorgt nicht nur für warme Räume, sondern oft auch für niedrigere Heizkosten.
Am Ende unseres Ratgebers zu ungleich warmen Heizkörpern bieten wir Ihnen weitere Artikel rund ums Heizen, Energiesparen und Wohnkomfort:
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