Helmut Bergthal, fast ein halbes Jahrhundert Wirt in Schramberg-Sulgen und Inhaber des Night-Clubs „Klein Paris“, ist im Alter von 73 Jahren gestorben. Schrambergs Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr würdigt ihn auf Anfrage der NRWZ mit deutlichen Worten. Sie nennt ihn eine „sehr anerkannte und beliebte Persönlichkeit“ – trotz seiner Branche.
Schramberg-Sulgen. Helmut Bergthal ist tot. Der Inhaber des Night-Clubs „Klein Paris“ an der Moritz-Meyer-Straße starb nach Angaben des Nachrichtenportals Buntspecht am Samstagmorgen im Alter von 73 Jahren. Zuerst berichtet hatte am Sonntag der Schwarzwälder Bote. Ein Kalenderdatum nennt bislang keine der beiden Quellen. Nach Darstellung des Schramberger Buntspechts hatte Bergthal in den vergangenen Jahren mehrfach mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen; den Betrieb führte er bis zuletzt selbst.
Interessant ist, wer ihn nun würdigt. Auf Anfrage der NRWZ hat Schrambergs Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr über Bergthal geschrieben – und dabei ausgesprochen, was den Fall besonders macht. Sie habe zunächst überrascht reagiert, dann aber schnell verstanden, „dass er trotz seiner etwas ungewöhnlichen Branche in Schramberg und in Sulgen eine sehr anerkannte und beliebte Persönlichkeit war“. Kennengelernt habe sie ihn schon in ihrem Wahlkampf 2019: Bergthal sei einer der ersten Menschen gewesen, die ihr „mit großer Herzlichkeit“ begegnet seien.
Der Nachtclub als Notquartier der Fasnet
Eisenlohr nennt zwei Belege dafür, dass Bergthal in Schramberg nicht am Rand stand. Er habe viele Vereine unterstützt und sei mit dem „Klein Paris“ sogar beim Jobkarten-Projekt des Schramberger Handels- und Gewerbevereins dabei gewesen. Und sie erinnert an eine Hauptversammlung der Narrenvereinigung Mittlerer Schwarzwald, die während der Corona-Zeit in dem Biergarten stattfand, den Bergthal dafür eigens eingerichtet hatte.
Die organisierte Fasnet und der Nachtclub – das gehörte in Sulgen offenbar länger zusammen. Die Stuttgarter Zeitung, die Bergthal 2015 ausführlich porträtiert hat, beschrieb Zunftmeisterempfänge im „Klein Paris“ und berichtete, die Narrenzunft Sulgen habe ihr Fördermitglied zum 60. Geburtstag zum Obernarr gemacht. Das letzte Bild, das der Schwarzwälder Bote von ihm veröffentlichte, zeigt ihn 2025 bei der Seniorenfasnet.
Vom Heizungsmonteur zum Wirt
Angefangen hatte Bergthal nicht im Nachtgeschäft. Er war gelernter Installateur und Heizungsmonteur, legte am Wochenende an DJ-Pulten auf und übernahm mit 24 Jahren die Sulgener Gaststätte „Festung“ – nach Angaben der Stuttgarter Zeitung im Jahr 1976. Aus dem Landgasthaus machte er einen Pub nach englischem Vorbild, bekannt wurde das Haus für sein Brathähnchen.
Anfang der 1980er-Jahre kam das „Klein Paris“ dazu. Die Website des Betriebs nennt 1980 als Gründungsjahr, die Stuttgarter Zeitung datierte die Übernahme der damaligen Tabledance-Bar auf 1981. Nach Schilderung des Blattes hatte der Vorbesitzer sich mit der falschen Klientel eingelassen und Bergthal um Hilfe gebeten. Rund zehn Jahre verpachtete er das Lokal später, bezeichnete das gegenüber der Zeitung aber als Fehler und führte es seit Ende der 1990er-Jahre wieder selbst. Seine Frau Gudrun gehört nach Angaben der Website seit 1997 fest zum Haus. 2016 übernahm Bergthal zusätzlich den Sulgener „Hasen“, was nach Angaben des Buntspechts nicht funktionierte.
Dass ein Nachtclub in einem Schramberger Stadtteil über Jahrzehnte unbeanstandet lief, war schon 2015 eine eigene Geschichte. Zimmer, in die sich Gäste zurückziehen konnten, gab es nach Darstellung der Stuttgarter Zeitung nicht; für erlaubte Prostitution ist Schramberg nach der Sperrgebietsverordnung des Landes zu klein. Der damalige Schramberger Revierleiter Erich Moosmann sagte der Zeitung, seit Bergthal dort sei, habe es keine Vorkommnisse gegeben. Bergthal selbst formulierte seinen Anspruch damals knapp: „Der Landkreis muss sauber bleiben.“
Ein Abend Mitte August
Zuletzt erlebte Eisenlohr ihn Mitte August bei einem Biergartenkonzert in Donaueschingen, zu dem Bergthal mit einer Runde aus dem „Klein Paris“ gekommen war. (Transparenzhinweis: Der Autor dieses Textes stand an diesem Abend als Sänger der Band auf der Bühne.) Über diesen Abend schreibt die Oberbürgermeisterin: „Helmut Bergthal liebte das Leben. Dazu gehörten Essen und Trinken genauso wie Geselligkeit, Musik und Tanz. Stets war es ihm wichtig, für Gemeinschaft zu sorgen und andere dazu zu motivieren, mit ihm zu feiern.“
Ähnlich klingt der Unternehmer und Autor Peter Renz, ein langjähriger Bekannter, den der Schwarzwälder Bote zitiert: Bergthal sei in seiner schillernden Branche eine „solide, bodenständige Person“ gewesen.
Wie es mit dem „Klein Paris“ weitergeht, ist offen. Die Website des Betriebs führt Helmut Bergthal weiterhin als Inhaber; einen Hinweis auf eine Nachfolge oder eine Schließung gibt es dort nicht. Eisenlohr beendet ihre Zeilen mit einem Satz: „Wir werden ihn vermissen.“
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