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Landrat Christoph Keckeisen – hier bei einem früheren Termin – legt dem Jugendhilfeausschuss Kürzungen bei den freiwilligen Leistungen vor. Foto: Peter Arnegger

Kreis streicht Zuschüsse für Jugend und Familien – und spart damit fast nichts

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Der Jugendhilfeausschuss berät am Montag über Kürzungen bei den freiwilligen Leistungen. Der größte Posten ist die Folge eines Skandals, der Rest ist Kleingeld – gemessen an einem Sozialetat, der allein 2027 um knapp sechs Millionen Euro wächst.

KREIS ROTTWEIL. „Angespannt und zunehmend prekär“ – so beschreibt das Amt für Finanzen die Haushaltslage des Landkreises in der Vorlage, mit der es dem Jugendhilfeausschuss am Montag die „Kürzung der Freiwilligkeitsleistungen“ vorlegt. Zuschusskürzungen seien „ein notwendiger Bestandteil der Haushaltskonsolidierung“, heißt es darin. Wer die Anlage zur Vorlage liest, stellt allerdings fest: Beschlossen werden muss am Montag nicht mehr viel.

4907 Euro bleiben zur Abstimmung

Die Liste umfasst neun Positionen und summiert sich auf rund 269.000 Euro. Davon sind 264.330 Euro aber bereits im Haushaltsentwurf 2027 „eingepreist“, wie es in der Tabelle heißt – Streichungen also, die die Verwaltung längst vollzogen hat. Was der Ausschuss als „mögliche weitere Kürzungen“ tatsächlich neu zu entscheiden hat, sind 4907 Euro: Die Zuschüsse für Jugendfreizeiten der Verbände sollen um zehn Prozent auf 29.205 Euro sinken, der verbleibende Zuschuss an den Kreisjugendring ebenfalls um zehn Prozent auf 14.958 Euro.

Die großen Beträge haben eine andere Geschichte. Mit 176.200 Euro entfällt der gesamte Zuschuss an den Tagesmütter- und Elternverein Landkreis Rottweil – „nach Kündigung der Kooperationsvereinbarung mit dem Verein“, wie die Vorlage knapp vermerkt. Dahinter steht die Affäre vom Sommer, es gab schwere Vorwürfe in Schramberg: Mutmaßlich verschwundenes Geld, eine Strafanzeige und ein Verein ohne Führung. Seit dem 1. Juli ist der Tagesmütter- und Elternverein nicht mehr im Auftrag des Landkreises Rottweil tätig. Der Kreis plant stattdessen 50.000 Euro für die Qualifizierung neuer und die Fortbildung bereits tätiger Kindertagespflegepersonen ein. Wer künftig die Vermittlung von Tagesmüttern und die Beratung der Eltern übernimmt, geht aus den Unterlagen nicht hervor.

Zweitgrößter Posten: Beim Kreisjugendring fallen 64.680 Euro für eine Bildungsreferentenstelle weg – weil diese, so die Begründung, „bisher nicht besetzt werden konnte“. Von ursprünglich 81.300 Euro bleiben dem KJR nach der zusätzlichen Zehn-Prozent-Kürzung noch 14.958 Euro.

Förderschul-Betreuung läuft aus

Mit 16.900 Euro weniger müssen die familienunterstützenden Maßnahmen auskommen, weil zwei Projekte die Fördervoraussetzungen nicht mehr erfüllen. Für die verbleibenden fünf – die Nachmittagsbetreuungen an der Ivo-Frueth-Schule Oberndorf, der Achert-Schule Rottweil und der Peter-Meyer-Schule Schramberg sowie die Familiennetze Hegneberg und Schramberg – stehen 2027 noch 90.900 Euro bereit. Danach ist Schluss: In einer eigenen Vorlage schlägt das Jugendamt vor, die Förderung nach den seit 2020 geltenden Grundsätzen zum 31. Dezember 2027 zu beenden. Eine Überarbeitung einzelner Fördervoraussetzungen sei „weder ausreichend noch zielführend“, vielmehr sei eine „grundsätzliche Überprüfung der Bedarfe“ nötig. Ein neues Konzept soll im Herbst 2027 vorliegen – rechtzeitig für den Haushalt 2028. Da die Standortgemeinden die Projekte mindestens in gleicher Höhe mitfinanzieren, betrifft die Entscheidung auch die Stadthaushalte von Oberndorf, Rottweil und Schramberg.

Komplett gestrichen werden daneben die gedruckten Elternbriefe (3000 Euro, ersetzt durch die Familien-App), das Projekt „Jugendschutz – Na klar“ (2000 Euro), ein seit 2024 nicht mehr abgerufener Ansatz für Kindererholungen der Wohlfahrtsverbände (1200 Euro) und ein Zuschuss an die Sportjugend Schiltach/Schenkenzell (350 Euro).

Kürzungen im Überblick

Empfängerbisher2027Begründung laut Vorlage
Tagesmütter- und Elternverein176.200 €0 €Kooperationsvereinbarung gekündigt
Kreisjugendring (Bildungsreferent)64.680 €0 €Stelle nie besetzt
Familienunterstützende Maßnahmen107.800 €90.900 €zwei Projekte ohne Fördervoraussetzung
Jugendfreizeiten der Verbände32.450 €29.205 €pauschal –10 %
Kreisjugendring (Jugendpflegemittel)16.620 €14.958 €pauschal –10 %
Elternbriefe3.000 €0 €ersetzt durch Familien-App
Projekt „Jugendschutz – Na klar“2.000 €0 €eingestellt
Wohlfahrtsverbände, Kindererholung1.200 €0 €seit 2024 nicht abgerufen
Sportjugend Schiltach/Schenkenzell350 €0 €gestrichen

Sechs Millionen mehr – trotz allem

Wie klein die Beträge sind, zeigt der Blick in den Teilhaushalt 4, der Soziales, Jugend und Versorgung umfasst und ebenfalls am Montag vorberaten wird. Der Nettoressourcenbedarf – vereinfacht: das, was der Kreis am Ende aus eigenen Mitteln zuschießen muss – steigt von 96,2 Millionen Euro im laufenden Jahr auf 102,1 Millionen Euro 2027. Bis 2030 sieht die Finanzplanung 108,6 Millionen vor. Die Transferaufwendungen, also die eigentlichen Sozialleistungen, wachsen in einem Jahr um 7,5 Millionen auf 121,3 Millionen Euro. Die gesamte Kürzungsliste des Jugendhilfeausschusses entspricht etwa viereinhalb Prozent dieses Zuwachses.

Allein für die gesetzlichen Einzelfallhilfen nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz – Hilfen zur Erziehung, Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder, Inobhutnahmen – rechnet das Jugendamt 2027 mit gut 20 Millionen Euro Aufwand und einem Zuschussbedarf von 13,5 Millionen. Hinzu kommen Kooperationsverträge, an die der Kreis gebunden ist: 979.900 Euro für die sozialpädagogischen Intensivhilfen in Oberndorf, Rottweil und Schramberg, 630.000 Euro für die „Schulen des Lebens“ des Trägers Mutpol, 536.000 Euro für die Schulsozialarbeit an den Beruflichen Schulen, 401.500 Euro für die Erziehungsberatungsstelle der Caritas. Und die Schulsozialarbeit sowie die Offene Jugendarbeit in den Gemeinden fördert der Kreis auf Beschluss des Kreistags vom Juli mit 350.000 beziehungsweise 250.000 Euro – diese Beträge stehen nicht zur Disposition.

Das Grundproblem ist bekannt: Der Landkreis kann 2027 weder seine Abschreibungen noch seine Kredittilgung aus den laufenden Einnahmen bezahlen. Auch der laufende Haushalt steht unter Druck: Der Landkreis Rottweil wird das Jahr 2026 voraussichtlich um fast zwei Millionen schlechter abschließen als im Haushalt geplant. Der Jugendhilfeausschuss kann daran wenig ändern. Er gibt am Montag lediglich Empfehlungen an den Kreistag, der den Haushalt 2027 im Dezember verabschiedet.


INFO: Der Jugendhilfeausschuss tagt am Montag, 9. November, um 14 Uhr im Dietrich-Bonhoeffer-Saal des Evangelischen Gemeindehauses, Johanniterstraße 30, Rottweil. Die Sitzung ist öffentlich. Auf der Tagesordnung stehen außerdem die neuen Fördergrundsätze für Schulsozialarbeit und Offene Jugendarbeit (Kenntnisnahme).


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