Auf Landstraßen sind sie immer häufiger zu sehen: Microcars, auch Mopedautos oder Leichtkraftfahrzeuge genannt. Die Fahrzeuge fahren maximal 45 Kilometer pro Stunde und verbinden Eigenschaften von Pkw und Moped. Sie haben vier Räder, ein Dach, maximal zwei Sitzplätze und bieten Schutz vor Wind und Wetter.
Nach Angaben der HUK-COBURG entscheiden sich immer mehr junge Menschen für ein Microcar statt für ein klassisches Moped. Gerade für Jugendliche auf dem Land könne das eine praktische Lösung sein, wenn der öffentliche Nahverkehr nur eingeschränkt verfügbar sei. Hinzu kämen niedrige Betriebskosten, geringer Verbrauch und die kompakte Bauweise.
Der Versicherer verweist auch auf steigende Vertragszahlen. Michael Müller, Leiter der Abteilung Kraftfahrtversicherung bei der HUK-COBURG, sagte: „Microcars haben sich von einer Nischenlösung zu einem festen Bestandteil im Straßenbild entwickelt. Das spiegelt sich klar in unseren Zahlen wider: Allein im letzten Jahr ist unser Bestand in diesem Segment um fast ein Drittel gestiegen.“
Auch branchenweit zeigt sich der Trend: Laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) waren 2022 knapp 26.000 Microcars versichert, gut drei Jahre später rund 46.000 – ein Plus von fast 80 Prozent.
Wer darf ein Microcar fahren?
Microcars gehören zur EU-Fahrzeugklasse L6e. Gefahren werden dürfen sie bereits ab 15 Jahren mit der Fahrerlaubnis der Klasse AM, die auch für Mopeds gilt. Bis zum 16. Geburtstag gilt diese allerdings nur in Deutschland. Wer einen Pkw-Führerschein der Klasse B hat, darf ohne weiteren Nachweis Microcar fahren. Autobahnen und Kraftfahrstraßen sind wegen der geringen Höchstgeschwindigkeit tabu. Neufahrzeuge gibt es nach Angaben der ARAG ab etwa 10.000 Euro.
Nicht zu verwechseln sind Microcars mit elektrischen Krankenfahrstühlen, die äußerlich ähnlich aussehen können. Diese sind Einsitzer, fahren höchstens 15 Kilometer pro Stunde und unterliegen eigenen Regeln.
Besonderheiten beim Fahren und bei der Sicherheit
Mit der zunehmenden Nutzung auf Überlandstrecken rückt die Verkehrssicherheit stärker in den Fokus. Da Microcars nur 45 km/h schnell fahren, werden sie von anderen Verkehrsteilnehmern nach Darstellung der HUK-COBURG häufig unterschätzt. Riskante Überholmanöver oder zu geringer Abstand könnten die Folge sein.
Hinzu kommt, dass Microcars nicht über dieselben Sicherheitsreserven wie ein Pkw verfügen. Unter anderem fehlt die bei größeren Fahrzeugen übliche Knautschzone. Unfälle können sich deshalb für die Insassen gravierender auswirken als in einem klassischen Auto.
Auch Airbags, ein elektronisches Stabilitätsprogramm oder Fahrerassistenzsysteme sind für Microcars nicht vorgeschrieben. Ein Grund ist laut ARAG die Gewichtsgrenze: Ohne Batterie dürfen die Fahrzeuge höchstens 425 Kilogramm wiegen. Nach GDV-Angaben gibt es pro Jahr rund 50 Schäden je 1.000 versicherte Microcars – ähnlich viele wie bei Pkw. Die Folgen eines Unfalls sind für die Insassen aber oft schwerer.
So läuft die Versicherung
Bei der Versicherung orientieren sich Microcars am Moped. Statt eines klassischen Kfz-Kennzeichens erhalten sie ein Versicherungskennzeichen. Dieses ist direkt bei der Versicherung erhältlich und muss jährlich zum 1. März erneuert werden. Damit ist die gesetzlich vorgeschriebene Kfz-Haftpflicht abgedeckt, also Schäden, die mit dem Microcar bei anderen verursacht werden.
Optional kann eine Teilkaskoversicherung abgeschlossen werden. Sie deckt zusätzlich Schäden am eigenen Microcar ab, etwa bei Diebstahl, Brand oder Hagel.
Wichtig ist aus Sicht des Versicherers auch eine private Unfallversicherung. Die Kfz-Haftpflicht zahlt nur für Schäden, die anderen zugefügt werden, nicht aber für eigene Verletzungen. Wer sich für ein Microcar entscheidet, sollte daher nicht nur im Straßenverkehr, sondern auch beim Versicherungsschutz vorausschauend unterwegs sein.
Aktualisiert am 15. Oktober 2026 mit Angaben des GDV und der ARAG.
