Am Sonntag, 14. Juni lädt der Geschichts- und Altertumsverein alle Interessierten und Neugierigen ein zur Juniführung mit dem Thema „Power in der Au – zur Rottweiler Energiegeschichte von Wasser, Gas und Strom“.
Rottweil – In rasantem Tempo mit Zielpunkt 2028 verwandelt sich derzeit die Au zum Nacherholungsgebiet. Bald lockt sie mit Neckarstrand und Naturbühne, Wissen und Weinbergen, Panorama und Promenaden, dazu gibt es neue Radwege, Spielplätze und Gastronomie. Die Au hat‘s in sich. Und hatte es auch früher in ihrer Geschichte als mittelalterliche Ursiedlung am Fluss mit Kirche noch vor der Neustadt, dank Wasserkraft als erstes Rottweiler Gewerbegebiet mit Verarbeitung von Metall, Leder, Tuch und Getreide, mit Münzprägung, Produktion von Mehl, Öl, Gips und Pulver.
Bis dann zwei sinnlose Belagerungen im Dreißigjährigen Kriegsjahr 1643 alles zerstörten. Erst wieder nach gut 200 Jahren war im späten 19. Jahrhundert mit dem Bau von Bahnhof und Eisenbahn, von König Karl Brücke und Viadukt in der Au der Dornröschenschlaf beendet. Aus den Getreidemühlen wurden Kunstmühlen. Dort wurde nun Kohle vergast oder mit Wasserturbinen Strom erzeugt. Anstelle der Lastesel liefen Leitungen mit Gas und Strom hoch zur Stadt, aus I-aaah wurde Stromstärke I und Ampere A. Privatunternehmer Andreas Lang in der Vögelinsmühle und Max v. Duttenhofer in der Katzensteigmühle machten die Au zum Energiezentrum am Neckar und halfen Rottweil beim Sprung ins 20. Jahrhundert, bevor die Stadt die Werke selbst übernahm.
Mit dem seither stetig steigenden Energiebedarf unterlag auch die Au einem kontinuierlichen Wandel. Zum anfangs selbst produzierten Stadtgas kam Ferngas und schließlich Erdgas, ergänzt mit Biogas. Kraftwerksstrom aus Kohle und Atom wurde zugekauft und wird ergänzt durch zum Teil örtliche Wasserkraft, Photovoltaik und Wind.
In der Au dominiert mittlerweile der Rückbau: Die Gaskessel sind verschwunden, Kanäle zugeschüttet, das Flussbetonbett wird entfernt wie die Altlasten im Boden bei der Kokerei. Der Neckar und das Grün der Au sollen nun zurückfinden zur Stadt, so dass in spätestens zwei Jahren im Tal der Vor-Ort steht, wo Rottweils Bürger wieder Energie tanken und Akkus aufladen können.
Die Führung beginnt am kommenden Sonntag um 11 Uhr in der Au Nr. 5 beim ehemaligen Verwaltungsgebäude der ENRW, führt auch querfeldein durch die untere Au bis zur Grillstelle bei den Zwillingsmühlen, wird begleitet von den ENRW Geschäftsführern der ENRW Holger Hüneke und Stefan Kempf unterstützt durch Ausschussmitglied Jürgen Mehl und dauert etwa eine Stunde.
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