Ein Schild im Eschachtal bei Zimmern-Horgen warnt vor Hundekot auf landwirtschaftlichen Flächen. Doch tierische Ausscheidungen werden auch als Dünger ausgebracht. Ein Widerspruch? Fachquellen zeigen: Die Warnung hat einen berechtigten Kern, manche Zusammenhänge sind allerdings komplizierter, als das Schild vermuten lässt.
Ein durchgestrichener Hund, darunter ein Appell an die „lieben Hundebesitzer“: Das Schild am Weg im Eschachtal bei Zimmern-Horgen ist verblasst, die Botschaft bleibt deutlich. Auf diesen Wiesen und Feldern würden Nahrungsmittel produziert. Hundekot könne die Ernte verschmutzen und Krankheiten übertragen. Verunreinigtes Erntegut sei für Mensch und Tier unappetitlich, ungenießbar und gefährde die Gesundheit. Unterzeichnet ist der Appell mit „Ihre Bauern“, darunter steht das Logo des Landesbauernverbands in Baden-Württemberg.
Liebe Hundebesitzer,
Schild im Eschachtal
auf diesen Wiesen und Feldern wachsen hochwertige Nahrungs- und Futtermittel. Hundekot kann jedoch die Ernte verschmutzen und Krankheiten übertragen. Verunreinigtes Erntegut ist für Mensch und Tier unappetitlich, ungenießbar und gefährdet die Gesundheit.
Bitte sorgen Sie deshalb dafür, dass Ihr Hund unsere landwirtschaftlich genutzten Flächen nicht als Hundeklo benutzt und unterstützen Sie uns durch Ihr Verhalten in der Produktion gesunder und hochwertiger Lebensmittel.
Vielen Dank!
Ihre Bauern
Links des anschließenden Weges liegen Futterwiesen, rechts wechseln sich Wald, Bach und Wiese ab. Das Schild wirft eine Frage auf, die über diesen Standort hinausgeht: Warum sind die Ausscheidungen von Hunden auf landwirtschaftlichen Flächen unerwünscht, während die von Rindern oder Schweinen als Dünger ausgebracht werden?
Nicht jeder Kot bringt dieselben Risiken mit
Die kurze Antwort: Entscheidend sind mögliche Krankheitserreger und die Frage, wie sie ins spätere Futter gelangen. Gülle ist keineswegs automatisch hygienisch unbedenklich. Hundekot kann wiederum Parasiten enthalten, bei deren Verbreitung Hunde eine besondere Rolle spielen.
Ein häufig genanntes Beispiel ist der Einzeller Neospora caninum. Er zählt weltweit zu den bedeutenden Ursachen von Fehlgeburten bei Rindern. Hunde können als sogenannte Endwirte Übertragungsstadien des Parasiten mit dem Kot ausscheiden. Gelangen diese in Futter oder Trinkwasser, können sich Rinder infizieren.
Damit ist ein möglicher Infektionsweg beschrieben. Wie häufig ausgerechnet die Hinterlassenschaften vorbeigeführter Hunde zu Erkrankungen führen, ist jedoch eine andere Frage.
Was mit dem Gras im Futtertrog landen kann
Hunde können sich infizieren, wenn sie erregerhaltiges Gewebe fressen, beispielsweise Nachgeburtsmaterial infizierter Rinder. Anschließend können sie zeitweise sogenannte Oozysten ausscheiden. Über verunreinigtes Futter oder Wasser gelangen diese zurück zum Rind. Eine Infektion kann Fehlgeburten, Totgeburten oder die Geburt lebensschwacher Kälber zur Folge haben.
Für die Bewertung der Warnschilder ist eine Unterscheidung wichtig: Neospora hat nach den Empfehlungen der veterinärparasitologischen Fachorganisation ESCCAP keine zoonotische Bedeutung – gilt also nicht als Erreger einer vom Tier auf den Menschen übertragbaren Krankheit. Mit diesem Parasiten allein lässt sich eine Gesundheitsgefahr für Menschen nicht begründen. Andere Parasiten im Hundekot sind davon getrennt zu betrachten.
Dazu gehören beispielsweise Hundespulwürmer. Deren Eier können die Umwelt verunreinigen und von Menschen etwa über verschmutzte Hände aufgenommen werden. Dass Neospora keine entsprechende Gefahr begründet, bedeutet deshalb nicht, dass Hundekot für Menschen grundsätzlich unbedenklich wäre.
Eine Infektion beweist noch nicht ihre Herkunft
Bei Neospora spielt neben der Aufnahme über Futter oder Wasser ein weiterer Weg eine wichtige Rolle: Eine infizierte Kuh kann den Parasiten während der Trächtigkeit an ihr Kalb weitergeben. Dadurch können einmal infizierte Rinderlinien über mehrere Generationen betroffen bleiben. Ein positiver Befund allein belegt deshalb nicht, dass die Infektion von einem Hundehaufen auf der Wiese stammt.
Forscher des Friedrich-Loeffler-Instituts, des Bundesforschungsinstituts für Tiergesundheit, äußerten sich bereits 2004 zurückhaltend zur Wirkung entsprechender Kampagnen. Gereon Schares und Franz-Josef Conraths hielten Aktionen gegen Hundekot auf Weiden und Futterflächen für „wenig geeignet“, Neospora-Infektionen und damit verbundene Fehlgeburten in Rinderbeständen zu verhindern. Hofhunde im Stallbereich spielten bei der Übertragung eine wesentlich wichtigere Rolle, schrieben sie.
Diese Einschätzung ist mehr als 20 Jahre alt und keine neu eingeholte Stellungnahme. Sie zeigt aber, dass schon damals zwischen dem grundsätzlich möglichen Infektionsweg und seiner Bedeutung im Betriebsalltag unterschieden wurde. Auch ein vom Land Baden-Württemberg finanziertes Forschungsprojekt der Jahre 2005 und 2006 hob die Rolle betriebseigener Hofhunde gegenüber den zuvor häufig diskutierten Stadthunden hervor.
Der Zugang zu infiziertem Gewebe, Futterlagern und Tränken ist deshalb ein wichtiger Bestandteil der Vorbeugung. Die Frage lautet nicht allein, ob ein Hund auf einer Wiese Kot absetzt, sondern auch, wie sich der Hund infizieren und wo er anschließend Übertragungsstadien hinterlassen kann.
Aus den älteren Befunden lässt sich weder eine Entwarnung für jede Verunreinigung noch die Behauptung ableiten, Spazierhunde seien die Hauptursache von Neospora-bedingten Fehlgeburten.
Auch Dünger ist nicht automatisch hygienisch unbedenklich
Der Einwand mit der Gülle trifft einen wichtigen Punkt: Auch landwirtschaftliche Düngung kann unerwünschte Mikroorganismen ins Futter eintragen.
Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft beschreibt das in einem Fachbeitrag zur Futterhygiene ausdrücklich. Unter ungünstigen Bedingungen könnten Güllerückstände zu einem Eintrag von Bakterien führen. Als Beispiele nennen die Autoren eine zu späte Düngung, eine ungünstige Konsistenz und fehlenden Niederschlag. Wie viele und welche Bakterien Wirtschaftsdünger enthalten, hängt unter anderem von Tierart, Fütterung und Krankheitsgeschehen ab.
Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung weist darauf hin, dass Bakterien aus Tierhaltungen mit Dung und Gülle in die Umwelt gelangen und Feldfrüchte durch Düngung verunreinigt werden können. Daraus folgt allerdings nicht automatisch eine Erkrankung von Menschen. Unter anderem beeinflussen Verdünnung und Konkurrenz durch andere Mikroorganismen, was mit den Bakterien in der Umwelt geschieht.
Die Gegenüberstellung „Gülle ist sauber, Hundekot ist gefährlich“ wäre deshalb ebenso verkürzt wie der umgekehrte Schluss: Wo ohnehin Gülle ausgebracht werde, könne zusätzlicher Hundekot kein Problem sein. Unterschiedliche Ausscheidungen können unterschiedliche Erreger mitbringen. Ein bereits vorhandener Eintragsweg macht einen weiteren nicht unbedenklich.
Der Unterschied liegt auch in der Planbarkeit
Gülle dient der Nährstoffversorgung landwirtschaftlicher Flächen. Bei fachgerechter Düngung sollen Ausbringung und spätere Nutzung aufeinander abgestimmt werden. Geeignete Zeitpunkte, passende Technik und eine saubere Ernte sollen verhindern, dass Dünger am Erntegut haftet. Die Landesanstalt für Landwirtschaft formuliert den Zusammenhang so: „Je weniger die Gülle an Erntematerial anhaftet, umso geringer ist das Risiko.“
Für während der Vegetationsperiode beweidete Flächen empfiehlt sie Gülle nur in Ausnahmefällen. Auch daran zeigt sich: Die hygienischen Anforderungen gelten nicht nur für Hundehalter, sondern ebenso für die landwirtschaftliche Bewirtschaftung.
Der Unterschied liegt somit auch in der Risikosteuerung. Düngung lässt sich im Rahmen der Bewirtschaftung planen. Zusätzlicher Hundekot gehört nicht zu diesem Ablauf. Die Möglichkeit, Risiken zu begrenzen, bedeutet allerdings nicht, dass Gülle dadurch keimfrei würde oder Fehler bei der Ausbringung folgenlos blieben.
Eine allgemeine Rangliste, welche Ausscheidung „gefährlicher“ ist, ergibt sich aus diesen Fachquellen nicht. Dafür müssten unter anderem die jeweiligen Erreger, ihre Menge, der Kontakt mit dem Futter und dessen weitere Behandlung miteinander verglichen werden.
Ein verständlicher Appell, eine verkürzte Erklärung
Zurück zum Schild im Eschachtal: Es verbindet mehrere Aussagen, die getrennt betrachtet werden müssen. Hundekot kann Erntegut verschmutzen und Krankheitserreger verbreiten. Daraus folgt aber nicht, dass jeder Hundehaufen eine konkrete Erkrankung auslöst oder jede Verunreinigung dieselbe Gefahr birgt. Art und Ausmaß der Verschmutzung sowie die vorhandenen Erreger sind entscheidend.
Am weitesten reicht die pauschale Warnung vor einer Gesundheitsgefahr für Mensch und Tier. Welche Erreger gemeint sind und unter welchen Bedingungen eine Gefahr besteht, erläutert das Schild nicht. Der häufig angeführte Parasit Neospora erklärt jedenfalls keine unmittelbare Gefahr für Menschen. Andere Erreger können eine solche Gefahr begründen, müssen aber gesondert betrachtet werden.
Dass der Landesbauernverband vor Hundekot auf Futterflächen warnt, ist keine Besonderheit dieses Standorts. In einer Mitteilung von 2018 bat der Verband darum, landwirtschaftliche Flächen von Hundekot und Müll freizuhalten. Bei Rindern verwies er ausdrücklich auf mögliche Fehlgeburten nach der Aufnahme verunreinigten Futters. Das beschreibt eine mögliche Folge, beziffert aber nicht den tatsächlichen Anteil von Spazierhunden am Infektionsgeschehen.
Die Antwort auf die Ausgangsfrage ist deshalb kein einfaches Entweder-oder: Hundekot kann zusätzliche und andere Risiken ins Futter bringen. Gülle erfüllt einen Zweck als Dünger, stellt aber ebenfalls Anforderungen an die Hygiene. Die Erlaubnis zu düngen ist kein Nachweis von Harmlosigkeit – und die begrenzte Aussagekraft pauschaler Warnungen kein Argument dafür, Hundekot auf Futterwiesen liegen zu lassen.