Freitag, 19. April 2024

Zeit für Denunzianten

Für NRWZ.de+ Abonnenten: 

(Meinung). Auch über das vergangene Wochenende haben die Beamtinnen und Beamten des Polizeipräsidiums Konstanz bei ihren Kontrollen mehrere Verstöße gegen die Corona-Verordnung geahndet. So nahmen sie acht Ordnungswidrigkeiten und 23 strafbare Verstöße im Zusammenhang mit der Corona-Verordnung und Paragraf 75 des Infektionsschutzgesetzes auf. Es gibt also immer noch Unvernünftige. Die „braven Bürger“ melden daher jetzt vermehrt angebliche Corona-Partys der Polizei. Es ist die Zeit für Denunzianten. Ein Kommentar.

Ein innerstädtisches Gasthaus, die Vorhänge zugezogen. Dennoch scheint Licht durch. Ein Schuft, wer Böses dabei denkt. Ob da drinnen wohl illegal gewirtet wird? Szenenwechsel: Eine Grünfläche. Mehrere Jugendliche, die in der Sonne chillen. Sie halten Abstand zueinander, gehören aber offenkundig zusammen. Eine Corona-Party? Jedenfalls ein Haufen unbelehrbarer Kids?

Klar: Man kann das zur Anzeige bringen. Die Polizei anrufen und warten, bis eine Streife vorbei kommt. Vielleicht die Szenerie von hinter der nächsten Hausecke beobachten oder von hinter den eigenen Vorhängen aus dem Wohnzimmer heraus.

Ich habe mir statt dessen meinen Teil gedacht und habe mich für „Leben und leben lassen“ entschieden. Denn ich bin kein Denunziant. Aus meiner Sicht gefährden die heimlichen Wirtshausgänger – so es sie tatsächlich gibt – nur sich und ihresgleichen. Wer zu ihnen auf Abstand bleibt, hat nichts zu befürchten.

„Offensichtlich schrecken auch die zu erwartenden hohen und empfindlichen Bußgelder und Geldstrafen einzelne immer noch nicht davor ab – ungeachtet der Tatsache, dass sie durch ihr unvernünftiges Verhalten sich selbst und andere durch die Möglichkeit einer Infektion gefährden -, gegen die geltende Corona-Verordnung zu verstoßen“, schreibt dazu ein Sprecher des Polizeipräsidiums Konstanz. Er muss das enger sehen, er ist Polizist und auf die Einhaltung von Recht und Gesetz geeicht. Und von Verordnungen. Er erzählt weiter, dass die Verstöße in verschiedenen Städten begangen worden seien, darunter Schramberg und Sulz im Landkreis Rottweil. Betroffen gewesen seien vorwiegend größere Tankstellen oder Autobahnraststätten, aber auch Fahrzeuge, in denen sich nicht miteinander verwandte Personen zu dritt oder in größerer Zahl aufhielten und so durch die Städte fuhren.

Das bedeutet doch: Die Polizei hat die Lage gecheckt, ist Streife gefahren und fündig geworden. Alles gut.

Aber es gab auch den privaten Ordnungsdienst, den typisch deutschen, wie ich meine. Überflüssigerweise, übrigens. Denn es stellten sich mehrere am sonnigen Samstagnachmittag angezeigte angebliche „Corona-Partys“ als Fehlmeldungen heraus, berichtet der Konstanzer Beamte weiter. „Jegliche polizeiliche Überprüfungen ergaben Familien, die sich in ihren Gärten aufhielten und somit keinen Verstoß gegen die Cororna-Verordnung begangen hatten“, schreibt er.

Dem Denunzianten eine lange Nase gemacht: Es braucht ihn nicht. Er meldet Mist. Übrigens gerne auch auf Facebook, die Postings beginnen etwa so: „So jetzt möchte ich mal was loswerden …“

So ruft das Polizeipräsidium Konstanz nicht dazu auf, andere, vermeintlich gesetzesuntreue Bürger zu melden. Sondern es appelliert nach wie vor an die Bürgerinnen und Bürger: „Bleiben Sie weiterhin vernünftig und halten Sie sich an die einschränkenden Vorgaben der Corona-Verordnung. Schützen Sie dadurch sich selbst, Ihre Angehörigen und alle anderen.“ Es sei nicht Ziel und Zweck der polizeilichen Kontrollen, Menschen bei einem Verstoß zu ertappen, der mit empfindlichen Strafen geahndet wird. „Ziel und Zweck der Kontrollen und Überprüfungen“, so der Polizeisprecher abschließend, „ist die Einhaltung der Verordnung zum Schutze aller.“

Das Bundes-Gesundheitsministerium schreibt dazu:

Gruppen feiernder Menschen auf öffentlichen Plätzen, in Wohnungen sowie privaten Einrichtungen sind angesichts der ernsten Lage in unserem Land inakzeptabel. Verstöße gegen die Kontakt-Beschränkungen sollen von den Ordnungsbehörden und der Polizei überwacht und bei Zuwiderhandlungen sanktioniert werden.

Will heißen: Der Polizei und den Verantwortlichen wäre es am Liebsten, wir würden drinnen bleiben und uns an die Vorschriften halten. Punkt. Aber die Lage, die haben sie im Griff. Auch ohne Denunzianten.

image_pdfPDF öffnenimage_printArtikel ausdrucken
Peter Arnegger (gg)https://www.nrwz.de
... ist seit gut 25 Jahren Journalist. Mehr über ihn hier.

7 Kommentare

7 Kommentare
Neueste
Älteste Meist bewertet
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen