Dienstag, 23. April 2024

2020 ohne Jazzfest Rottweil?

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Eine Veranstaltung nach der anderen wird abgesagt, auch hier im Kreis Rottweil. Wir haben nachgefragt, was beispielsweise die Betroffenen von Veranstalterseite dazu sagen. Und von Seiten der Technik, die jetzt ebenfalls nicht mehr gebraucht wird. Von heute auf morgen.

„Wir rätseln, was wir machen sollen“, sagt Reiner Aulich von Power4Events. „Gestern war die letzte große Veranstaltung.“ Er habe zwar noch einige kleinere Installationen, aber mehr nicht. Nun stehen sie plötzlich vor dem Nichts, die Dienstleister im Vorfeld und während großer Veranstaltungen:  Veranstaltungsausfälle dieser Dimension gab es seit dem letzten Weltkrieg noch nie.

Für nicht eingelöste Tickets und nicht benötigte Licht- und Tontechnik zahlt keine Versicherung, und kleine Firmen haben von heute auf morgen keine Arbeit mehr.

Auch SoundVision-Chef Benjamin  Bühl geht es so: Er sei als Freelancer in Rottweil und auch in Stuttgart unterwegs, und bis Ende Juni sei alles abgesagt. „Das wird bei uns in der Branche einige Leute den Kopf kosten.“

Er, Bühl, habe es noch gut, denn er könne in einer Zimmerei mitarbeiten – andere stünden vor dem Nichts. Zum Zeitpunkt des Interviews (Freitagnachmittag) freute sich Bühl noch über das einzige Konzert, das in naher Zukunft noch stattfinden sollte: Tomi Salesvuo EASTFUNK ATTACKs featuring Riku Rajamaa, Gitarrist der Band Sunrise Avenue am 21. März.

2020 ohne Jazzfest?

„Nach derzeitigem Stand findet das Jazzfest statt“, sagt Claus Gams, Geschäftsführer des Jazzfestvereins Rottweil. Er sei in engem Kontakt mit Veranstaltern, Künstlern und Agenturen, und zum Glück sei das erst im Mai. „Vor gut zwei Wochen war jeder noch glückselig hier, jetzt warten wir erst mal ab und sind optimistisch.“

Derweil geht in der Rottweiler Innenstadt und in der Saline das Leben scheinbar ohne Unterschied weiter: Einkäufe werden getätigt, E-Bikes getestet, und unter allen Shoppern ist genau einer mit Atemschutzmaske.

Wenige Minuten später im Gespräch mit Jens von Stamm ist der Markthalle-Chef vorsichtig: Das Konzert mit den Finnen, mit East Funk Attack und dem Gitarristen von Sunrise Avenue, es sei noch nicht sicher, meint er. In die Markthalle passen 200 – 250 Gäste, alles sei on hold.

Was mit der Band sei, wenn denen die Gigs platzen: „Denen bricht alles weg.“ Genauso die Veranstalter, Agenturen, Beleuchter und Tontechniker: „Kleine Einzelkämpfer stehen ganz alleine da. Ich weiß nicht, ob die das überleben.“

Auch das neu eröffnete Café in der Markthalle habe alle begeistert, sei jetzt aber schlecht besucht. Zum Glück seien die Verluste für ihn nicht existentiell, so von Stamm, da die Markthalle nur ein Standbein sei.

Angelo Castrogiovanni hängt ein Plakat an die Tür der Traditionskneipe „Alte Post“: „Ab sofort haben wir bis auf weiteres geschlossen“, sagt er. „Es geht erst mal um die eigene Gesundheit und um die Gesundheit der Gäste!“

Ein bisschen anders ist die Lage im Design Studio von Robert Hak. „Hier ist alles ein bisschen entschleunigt, das ist gar nicht schlecht“, meint er. „Wir haben mehr Zeit für Projekte.“ Und sollte es hart auf hart kommen, dann sei alles vorbereitet, dann könnten die Mitarbeiter auch im Homeoffice arbeiten.

Spätnachmitags in der Markthalle ist auch das East Funk Attack-Event passé: „Wir müssen es absagen“, so Jens von Stamm. Aber: Es werde nachgeholt, ziemlich genau ein Jahr später: am 20. März 2021.

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