Von links: Dr. Christoph Kalkschmidt, Dr. Joachim Dittrich und Pia Wilmsmann präsentierten den Jahresbericht der Staatsanwaltschaft. Foto: Moni Marcel 

ROTTWEIL – Die Staats­an­walt­schaft Rott­weil hat am Don­ners­tag zum jähr­li­chen Pres­se­ge­spräch gela­den. Und wie­der stei­gen­de Fall­zah­len vor­ge­legt, aller­dings auch gestie­ge­ne Per­so­nal­zah­len. „Wir lie­gen inzwi­schen bei einer Deckung von 90 Pro­zent”, so der lei­ten­de Ober­staats­an­walt Dr. Joa­chim Ditt­rich.

Zusätz­li­ches Per­so­nal war nötig, in den letz­ten Jah­ren lag die Deckung um eini­ges nied­ri­ger. Dass das Poli­zei­prä­si­di­um Tutt­lin­gen zum Jah­res­en­de auf­ge­löst wird, fin­det man bei der Staats­an­walt­schaft weni­ger gut. „Das ist außer­or­dent­lich bedau­er­lich”, so Ditt­rich. Bis­her decken sich die Bezir­ke von Poli­zei und Jus­tiz, ab nächs­tem Jahr ist das Prä­si­di­um in Kon­stanz für die Land­krei­se Rott­weil und Tutt­lin­gen zustän­dig, für Freu­den­stadt wie­der­um das in Pforz­heim. „Die­se Zäsur wird unwei­ger­lich zu spü­ren sein”, so Ditt­rich, der lei­se Zwei­fel dar­an zeig­te, ob das alles gut­ge­hen wer­de, „wenn in der Sil­ves­ter­nacht 19/20 der Schal­ter umge­legt wird.”

Mehr Per­so­nal, dar­un­ter 70 Pro­zent Frau­en und vie­le Teil­zeit­stel­len, das zei­ge, dass die Jus­tiz ein fami­li­en­freund­li­cher Arbeit­ge­ber sei. Eine der Damen ist die Ers­te Staats­an­wäl­tin Pia Wilms­mann, die die Voll­stre­ckungs­ab­tei­lung lei­tet und die einen Teil des Jah­res­be­richts vor­stell­te. Eine Zunah­me an Fäl­len, „das setzt die Ten­denz der Vor­jah­re fort”, so Ditt­rich. 2014 waren am wenigs­ten Straf­ta­ten zu behan­deln, seit­dem steigt die Zahl kon­ti­nu­ier­lich. Im ver­gan­ge­nen Jahr waren es 23.267, im Jahr davor 22.716. Am meis­ten zu tun hat­te man mit Ver­fah­ren gegen bekann­te Täter, das waren 13.496 mit ins­ge­samt 15.646 Beschul­dig­ten.

Die­se „Js-Ver­fah­ren” machen den Staats­an­wäl­ten auch die meis­te Arbeit. Bei den Ver­fah­ren wegen Ver­kehrs­ord­nungs­wid­rig­kei­ten ging die Zahl hin­ge­gen leicht zurück, blieb aber auf hohem Niveau. Schuld dar­an ist die sta­tio­nä­re Geschwin­dig­keits­mess­an­la­ge auf der A 81, für die Rott­weil zustän­dig ist. Nicht zuge­nom­men hat die Zahl der Gewalt­de­lik­te, auch gab es weit weni­ger Tötungs­de­lik­te als 2017. Dafür hat­ten die Staats­an­wäl­te mehr mit Rausch­gift­kri­mi­na­li­tät zu tun. Das sei­en auf­wän­di­ge Ver­fah­ren, bei denen viel ver­deckt und im Aus­land ermit­telt wer­den müs­se, „das ist sehr arbeits­in­ten­siv.”

Zurück­ge­gan­gen ist die Zahl der zu Frei­heits- oder Bewäh­rungs­stra­fen Ver­ur­teil­ten, dafür wer­den inzwi­schen häu­fi­ger Men­schen in die Psych­ia­trie ein­ge­wie­sen. „Wir haben da inzwi­schen eine ande­re Her­an­ge­hens­wei­se”, so Ditt­rich, man prü­fe die Ange­klag­ten inten­si­ver auf ihren psy­chi­schen Zustand. Die her­aus­ra­gends­ten Ver­fah­ren 2018? Ganz klar eines davon der Drei­fach­mord von Vil­lin­gen­dorf. „Solch ein Urteil hab ich bis dato nicht im Gerichts­saal erlebt”, beton­te der Ober­staats­an­walt: Dass sich Gericht, Ankla­ge und Ver­tei­di­gung beim Urteil, näm­lich lebens­läng­lich, einig waren.

Das Gericht habe den Fall inzwi­schen abge­ar­bei­tet, die Betrof­fe­nen aller­dings noch längst nicht. Aber auch der Über­fall auf den Inha­ber der Rott­wei­ler Bas­tel­stu­be und sei­ne Enke­lin sowie der ver­such­te Mord an einem Piz­ze­ria-Besit­zer in Rott­weil, der von einem Mit­ar­bei­ter schwer mit dem Mes­ser ver­letzt wur­de gehör­ten zu den Ver­fah­ren, die hier noch ein­mal Erwäh­nung fan­den.