Stadt Rottweil: keine Verkehrstoten, kein Unfallschwerpunkt mehr

Ordnungsamt legt Verkehrsbericht 2018 vor

„Nach meinen Recherchen gab es diese Situation in Rottweil noch nicht.“ Fachbereichsleiter Bernd Pfaff gab sich am Mittwoch vor dem Gemeinderat sehr zufrieden, als er den Verkehrsbericht 2018 vorlegte. Denn: 2018 hat sich kein einziger Unfallschwerpunkt heraus gebildet. Auch schön: Es gab im vergangenen Jahr keinen Unfall mit Todesfolge im Stadtgebiet inklusive dem Rottweiler Abschnitt der Autobahn 8 und der Bundesstraßen. Das sei „eine richtungsweisende Zahl.“

Ohnehin hatte Rottweil zuletzt wenige Unfallschwerpunkte aufzuweisen. in den vergangenen Jahren waren sie einstellig. Dennoch wartet die Stadtverwaltung nach Pfaffs Worten „dringend“ auf den Bau etwa eines Kreisverkehrs am Verkehrsknoten B 24 / B 27 in der Nähe des Hornbach-Baumarkts. Auch dieser soll bekanntlich eine eigene Auffahrt erhalten. Die Stadt rechnet mit dem Jahr 2020. 

Der Grund für die Zahl Null: An den Schwerpunkten, etwa der Einmündung Schwenninger- in die Tuttlinger Straße, seien Details verbessert worden. „Bald jeden Monat“, so Pfaff, finde eine Verkehrsschau mit der Polizei statt.

316 Unfälle passierten im vergangenen Jahr in Rottweil. Etwa gleich viele wie in den Jahren zuvor, die Zahlen liegen immer ein wenig über 300. Dabei sind 88 Menschen leicht, 20 schwer verletzt worden. Mit dem Fahrrad verunglückten 25 Personen, sieben verletzten sich schwer.

An Schulwegunfällen gab es im vergangenen Jahr laut Pfaffs Bericht genau einen. Damit einen mehr als im Jahr 2017. Das bei mehreren ein- und auspendelnden Schülern und Lehrern am Tag.

Es seien bei den Unfallzahlen „positive Trends“ festzustellen, so Fachbereichsleiter Pfaff. Diese Trends ließen sich etwa auch kreisweit und in den benachbarten Landkreisen beobachten, so Rottweils  oberster Ordnungshüter.

Die Stadtverwaltung kontrolliert derweil kontinuierlich die gefahrenen Geschwindigkeiten in Rottweil. Im vergangenen Jahr aber etwas weniger als zuvor. Denn ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes war krankheitsbedingt lange ausgefallen. Immer noch aber gab es 36 Messtage, in den Jahren zuvor jeweils zwischen 40 und 50.

Alle Geschwindigkeitsbereiche seien überwacht worden: 80, 70, 50, 30, 20 Stundenkilometer und die sogenannten Verkehrsberuhigten Bereiche, die (an sich) mit nur 7 km/h befahren werden dürfen. Allein in den 30-er-Bereichen seien knapp 13.000 Fahrzeuge gemessen worden. 1600 davon waren zu schnell, eine Beanstandungsquote von gut zwölf Prozent. Die allerdings liege im unteren Bereich, so Pfaff.

Heutzutage werden Blitzerstellen bekanntlich schnell in den sozialen Medien und eigens eingerichteten Chatgruppen gemeldet. Pfaff spricht von „Warnungen in Echtzeit“. Wenn in manchen Messbereichen und an bestimmten Stellen dennoch die Beanstandungsquote über 15 Prozent liege, werde das Ordnungsamt sein Augenmerk auf ebendiese legen. Dort wird nämlich im Klartext eher gerast, halten sich weniger als 85 Prozent der Fahrer an die vorgegebene Geschwindigkeit. Zumal man wissen muss, dass ein Blitzer erst ab neun Stundenkilometern und mehr anschlägt.

Die präventive Wirkung der Kontrollen ist wichtig. Abzocke wäre das falsche Wort. Auch, wenn die Autofahrer mit Apps gewarnt werden, werden sie doch daran erinnert, auf die Geschwindigkeitsbegrenzung zu achten.

Bernd Pfaff

Den Verkehrsberuhigten Geschäftsbereich – die sogenannte 20-er-Zone etwa in der Hochbrücktorstraße, die manche, vor allem junge Autofahrer nervt und zu lautstarken Aktionen verführt – diesen Bereich hält Pfaff nach wie vor für absolut gelungen. Die Unfallzahlen: äußerst gering. Die Messungen zeichnen zudem ein positives Bild. Knapp 80 Prozent der Beanstandungen liegen im Bereich unter zehn Stundenkilometern (nach Abzug der Toleranz).  Das gelte auch für die Waldtor-, die Schlachthaus- und die Neutorstraße.

Dem Posing in der Innenstadt ist schwer beizukommen.

Stadtrat Günter Posselt (CDU)

Auch in den 30-er-Bereichen werde kaum wirklich gerast. Die meisten Autofahrer, die zu schnell waren, waren dies nur um bis zu 15 Stundenkilometer.Also quasi im preiswerten Bereich.

Und was nimmt die Stadt so ein an Buß- und Verwarnungsgeldern aus den Geschwindigkeitskontrollen? 71.235 Euro waren es im vergangenen Jahr. In den Vorjahren im Schnitt 100.000. Zum Vergleich: Die Gesamteinnahmen der Stadt inklusive Zuweisungen und Steuern liegen bei rund 70 Millionen Euro.

Als Einnahmequelle kann daher der Kauf weiterer stationärer Messanlagen im laufenden Jahr nicht geplant sein. 150.000 Euro will die Stadt ausgeben – also doppelt so viel, wie sie 2018 insgesamt aus den Bußgeldern eingenommen hat. Ohnehin verdienten diese Anlagen wenig, so der Bericht des Fachbereichsleiters. „Die Beanstandungsquote liegt im Promillebereich“, sagte er.

Allerdings wünschten sich viele Bürger der Stadt eine solche Messanlage – am besten vor der eigenen Haustür.

Pfaff nannte allerdings die Straßenzüge als vordringlich, auf denen es bald nächtlich geltende Geschwindigkeitsbeschränkungen geben soll. „Meist ist der Fahrmoral der Kraftfahrerinnen und Kraftfahrer nur mit Überwachungseinrichtungen nachzuhelfen.

Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit des Ordnungsamts: eine Aktion gegen sogenannte Elterntaxis an den weiterführenden Schulen. Die Initiative dazu hatte der Gesamtelternbeirat. Ein Projekt, das nicht abgeschlossen ist. Weiter werden die meisten Kinder von ihren Eltern bis direkt vor die jeweilige Schule kutschiert.

Das sind inzwischen rechtsfreie Räume. Wir sollten uns überlegen, ob wir hier nicht ordnungspolitisch einschreiten sollen. Es ist ein Wunder, dass dort nicht mehr passiert.

Stadtrat Dr. Jürgen Mehl (SPD)

 

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