Coronakrise: Familien-Feriendorf steht für Risikogruppen bereit

Für NRWZ.de+ Abonnenten: 

Das Familienferiendorf in Sulgen der Diözese Rottenburg-Stuttgart steht bereit und könnte Menschen während der Corona-Krise aufnehmen. Das hat der Leiter des Feriendorfs Jasper Schadendort im Gespräch mit der NRWZ bestätigt.

„Wir sind vorbereitet und schauen, welchen Beitrag wir in der Krise für die Gesellschaft leisten können“, so Schadendorf auf Nachfrage. Gabriele Schadendorf ergänzt, ihre Mitarbeiter und sie hätten eine Woche lang die Häuser hergerichtet: „Die Betten sind bezogen, die Häuser gereinigt – und Toilettenpapier ist verteilt.“

Leer stehende Häuser nutzen

„Die Landkreise suchen nach Möglichkeiten, die Bettenkapazitäten der Krankenhäuser zu erweitern oder Flüchtlingszentren wegen der Ansteckungsgefahr des Corona-Virus zu verlagern“, so der Vorstand des Familienerholungswerks der Diözese Rottenburg-Stuttgart Andreas Hase am Mittwoch laut dpa. Er habe Ämtern, Behörden und Krankenhäusern angeboten, die insgesamt 750 Betten in Schramberg, Langenargen und Eglofs im Allgäu zu nutzen.

Haupteingang zum Sulgener Feriendorf. Archiv-Foto: him

In Schramberg gebe es zwar 220 Betten, so Gabriele Schadendorf. Wegen der Hygieneregeln und der Privatsphäre könnten aber bei weitem nicht alle genutzt werden. Sie schätzt, dass sie etwa 80 bis 100 Personen unterbringen könnten.

Vorstand Hase will sich auch an Alten-, Flüchtlings- und Kinderheime, aber auch an Frauenhäuser wenden. Auch Wohnungslose könnten in den drei Dörfern untergebracht werden.

Selbstverpflegung oder Caterer

Für die Verpflegung müssten die Gäste in Sulgen selbst sorgen, so Jasper Schadendorf. Gemeinschaftsverpflegung im Haupthaus gehe aus hygienischen Gründen nicht. „Und für eine Lieferung an die Türe der Ferienhäuschen sind wir technisch nicht ausgerüstet.“ Er könnte sich aber eine Zusammenarbeit mit dem Caterer „Fischer Kantine“ vorstellen. Auch seien alle Häuser mit Küchen ausgestattet und in Sulgen gebe es viele Einkaufsmöglichkeiten.

Jasper Schadendorf. Archivfoto: him

Das Haus sei auf jeden Fall für Gäste in Not bereit: „Ich habe einen kontaktlosen Check-in eingerichtet und in den Häusern sind Notfalltelefone installiert.“

Derzeit  wohnten nur ein paar Dauergäste auf dem Gelände, Monteure, ein Wohnsitzloser und ein griechischer Fernfahrer, der hier gestrandet ist, beispielsweise. Anfragen habe er aber schon von der Lebenshilfe erhalten. Auch Frauenhäuser hätten sich schon gemeldet: „Die häusliche Gewalt wird zunehmen“, fürchtet Schadendorf.

image_pdfPDF öffnenimage_printArtikel ausdrucken
Martin Himmelheber (him)
... begann in den späten 70er Jahren als freier Mitarbeiter unter anderem bei der „Schwäbischen Zeitung“ in Schramberg. Mehr über ihn hier.