Ehrung für U 20-Weltmeisterin Julia Ehrle

Mentale Stärke und Disziplin / Berglauf-WM in den Pyrenäen

Autor / Quelle: Martin Himmelheber (him)
Lesezeit 5 Min.
Fürs Familienalbum ein Schnappschuss. Julia Ehrle trägt sich ins "Goldene Buch" der Stadt ein. Dahinter von links: Gertrud Nöhre, Tobias Maurer, Peter Kapitza, Susanne Gwosch, Sumi Neudeck und Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr. Foto: him

Die Stadt Schramberg, der Stadtverband für Sport Schramberg und die SG Schramberg haben eine junge Frau geehrt, die eigentlich eine Villingerin ist. Julia Ehrle ist im vergangenen September U 20-Welmeisterin im Berglauf geworden. Weil sie in der Laufgruppe von Peter Kapitza der SG Schramberg trainiert und für die SG auch startet, bekam sie einen eigenen Empfang im Schramberger Rathaus.

Schramberg. Im kleinen Sitzungssaal trafen sich Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr und Fachbereichsleiterin Susanne Gwosch mit Julia Ehrle, ihrer Mutter und ihrem Bruder zu dieser Einzelsportlerehrung. Gekommen war auch ihr Trainer Kapitza, der stellvertretende Vorsitzende des Stadtverbands für Sport Tobias Maurer und die Vorsitzende der SG Schramberg Sumi Neudeck und ihre Vorstandskollegin Gertrud Nöhre.

„Ich hab‘ das erst gar nicht glauben mögen – ein Weltmeisterin aus unserer SG“, bekannte Neudeck. Doch so war es, die 18-Jährige wurde U20-Weltmeisterin 2025 im Berglauf.

Sport und Schule

Eisenlohr würdigte die junge Läuferin, die „international Maßstäbe gesetzt“ habe. In Canfranc in den spanischen Pyrenäen habe sie Ende September die 7,8 Kilometer lange Strecke mit 400 Höhenmetern als schnellste geschafft. Und das mi einem Vorsprung von 30 Sekunden. Dazu bedürfe es taktischer Klugheit und mentaler Stärke, so Eisenlohr. Auch bei den Europameisterschaften habe Ehrle Bronze geholt. Bei deutschen Meisterschaften stehe sie praktisch immer auf dem Podest.

„All das machen Sie neben der Schule“, hob Eisenlohr hervor. In diesem Jahr stehe für Ehrle das Abitur an. Sie müsse immer entscheiden, was Priorität habe, der Sport oder die Schule. Es sei für Schramberg eine Ehre, dass sie in der SG-Läufergruppe trainiere und hier Trainingspartnerinnen und -partner habe.

Sie habe gehört, dass Olympia das große Ziel für Ehrle sei. Deshalb dürfe sie sich heute schon ins „Goldene Buch“ eintragen. „Dann haben wir das schon mal“, scherzte Eisenlohr.

Mentale Stärke

In Vertretung von Ralf Rückert hob Maurer hervor, dass Schramberg als sportliche Heimat stolz auf seine Weltmeisterin sei. Er dehnte die Glückwünsche auch auf Ehrles Umfeld mit Familie und Trainer aus.

Ehrle berichtete über das Rennen, die Uganda-Mädels seien gleich schnell losgerannt. „Ich habe sie sogar aus den Augen verloren.“ Doch bergauf habe sie sich dann wieder vorgearbeitet und am Gipfel eingeholt. „Bergab habe ich sie überholt und die Goldmedaille gewonnen.“

Ehrlers mentale Stärke sei „etwas ganz Besonderes“, lobte ihr Trainer Kapitza. Am Berg aufzuholen und dann noch zu gewinnen, ist etwas außergewöhnliches.“

Maurer fand dies ebenfalls beeindruckend und wünschte viel Erfolg beim Abitur und der Olympiaqualifikation in ein paar Jahren. Das sei noch ein langer Weg, meinte Ehrle, aber jeder Leistungssportler träume davon.

Urkunden und Geschenke

Maurer hatte gleich zwei Urkunden und einen Gutschein des Stadtverbands für Sport dabei, die er Ehre überreichte. Auch von der Stadt gab es eine Urkunde und einen Gutschein.

Tobias Maurer mit den Urkunden des Stadtverbands für Julia Ehrle. Foto: him

Eisenlohr erkundigte sich, weshalb Ehrle in Schramberg trainiere. Das habe mit der Läufergruppe zu tun, so Ehrle. Die besteht seit gut 20 Jahren, berichtete Kapitza. Es sei sehr wichtig, nicht immer nur alleine zu trainieren. Härtere Tempo-Läufe seien in der Gruppe einfacher zu schaffen.

Neudeck lobte die Läufergruppe, die einerseits sehr erfolgreich sei, andererseits „völlig genügsam“ und nur selten einen Wunsch an die SG herantrage. Peter Kapitza leite die Gruppe mit enormem Engagement und Herzblut.

3000 bis 4000 Kilometer pro Jahr

Neben dem wöchentlichen Training in Schramberg trainiere sie auch für sich. Sie nutze keine Laufuhr, habe aber ein Bauchgefühl entwickelt, auf das sie sich verlassen könne. Kapitza schätzt, dass sie 3000 bis 4000 Kilometer pro Jahr laufe.

Im kommenden Jahr komme ein großer Schritt, denn dann werde sie im Berglauf bei den Erwachsenen starten. Gefragt, ob sie von ihrem Sport leben könne, meinte Ehrle, das schafften bei den Läufern nur wenige. „Wenn man gute Sponsoren hat, kann man davon leben.“ Sie immerhin bekommt die Sportkleidung gestellt. Nach dem Abitur möchte sie einen Beruf erlernen, das sei ihr wichtig.

Sumi Neudeck dankte Ehrle schließlich, dass sie dem „Kleckerlesverein“ SG Schramberg die Treue halte. Im Vergleich zu anderen Vereinen, für die andere Läuferinnen und Laufer starteten, sei die SG ja wirklich klein. Das ist für uns eine große Ehre und es macht uns stolz, eine Weltmeisterin in unseren Reihen zu haben.

Nach dem Eintrag ins „Goldee Buch“ standen die Sportlerinnen und Sportler noch lange zusammen und plauderten über ihre Erfahrungen.

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