Rottweil – Der Bürgerverein Altstadt-Rottweil e.V. hat mit einem festlichen Jubiläumsabend im Gemeindehaus von St. Pelagius in Rottweil sein zehnjähriges Bestehen gefeiert. Was im Frühjahr 2016 als Initiative engagierter Bürger begann, ist nach Darstellung des Vereins heute eine wichtige Säule des Altstädter Vereinslebens.
In seiner Festrede zur Begrüßung blickte Friedrich Firnkes als 1. Sprecher auf die Geburtsstunde des Vereins im März 2016 zurück. Damals stand die Frage im Raum, wie der Stadtteil ohne eigenen Ortschaftsrat gegenüber der Kernstadt eine Stimme erhalten kann. Auch würdigte er den 2018 verstorbenen Gründervater Helmut Spreter, der das Fundament für das heutige „Altstädter Miteinander“ legte.
Die Vereinsarbeit – ohne die engagierte Mitarbeit des übrigen Vorstandes und des Ausschusses undenkbar – ruhte in der vergangenen Dekade auf drei Säulen: Solidarität, Mitgestaltung und Geselligkeit. Direkt im Gründungsjahr organisierte das Team eine große Spendenaktion nach einem Wohnungsbrand. Später folgten in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung Strukturverbesserungen im Rahmen des Projekts „Quartier 2020“: Barrieren wurden abgebaut und Ampelphasen optimiert. Heute bereichern der öffentliche Bücherschrank am Rondell bei St. Pelagius und der Bouleplatz das Quartiersleben.
Den Höhepunkt des Abends markierte laut Bericht der Festvortrag des Volkskundlers Prof. Dr. Werner Mezger. Unter dem Titel „Vom sinnlosen Kampf gegen die Dummheit: Bilder zum Verlust des Verstands“ schlug er eine Brücke von Sebastian Brants historischem „Narrenschiff“ aus dem Jahr 1494 über Erasmus von Rotterdam und Thomas Murner in die Gegenwart. Mezger, der nach Angaben des Berichts maßgeblich an der großen Ausstellung „Figures du fou“ im Pariser Musée du Louvre mitwirkte, verdeutlichte anhand zahlreicher Bildquellen die aktuelle Renaissance der Narrenthematik. Eine Besonderheit war demnach seine fast kriminalistische Entschlüsselung des Ambraser Narrentellers, dessen Bildsprache das Vortragsthema genau auf den Punkt brachte.
Mit viel Humor und Scharfsinn beschrieb Mezger eine aus seiner Sicht beunruhigende Entwicklung: Während die Narren vor 500 Jahren noch fiktionale Wesen zur Deutung der Zeit waren, begegneten sie uns heute als reale Existenzen an den Schalthebeln der Macht. Für diese Analyse der aktuellen Weltpolitik erntete er laut Bericht begeisterten Applaus.
Musikalisch umrahmt und mitgestaltet von einem Bläserquartett des Musikvereins Frohsinn klang der Abend bei Fingerfood und guten Gesprächen aus. Für den Bürgerverein ist das Jubiläum jedoch kein Grund zum Ausruhen. Schon im November stehen die nächsten Aufgaben an: Die Flamme für die Altstadt brennt weiter.