Peta kritisiert Hähnewettkrähen in Schramberg – Verein hält am Waldfest fest

Die Tierrechtsorganisation bot 500 vegane Würstchen für ein Fest ohne Tiere. Vereinschef Alexander Zinell sieht ein Kulturgut – und hat den Verband hinter sich.

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Zum 49. Mal will der Geflügelzuchtverein Schramberg an diesem Sonntag beim Waldfest im Raustein Hähne um die Wette krähen lassen. Die Tierrechtsorganisation Peta fordert die Absage und bietet 500 vegane Würstchen für ein Fest ohne Tiere an. Der Verein lehnt ab – und bekommt Rückendeckung vom Züchterverband.

Schramberg. Das Waldfest des Geflügelzuchtvereins Schramberg und Umgebung 1895 auf dem Raustein-Waldsportplatz beginnt am Sonntag, 2. August, um 11 Uhr. Kern der Veranstaltung ist das Hähnewettkrähen. Gewertet wird in zwei Durchgängen à 30 Minuten um 12.30 Uhr und gegen 15.30 Uhr, bis zu 30 Rassehähne und Mischlinge können antreten.

Peta: Trennung, Transport, Lärm

Peta hat die Veranstaltung in einer Mitteilung an Redaktionen kritisiert. Die Hähne würden „von ihren gewohnten Gruppen getrennt, transportiert und mit fremden Tieren, Menschen und ungewohnten Geräuschen konfrontiert“, heißt es darin. Auch höhere Temperaturen könnten die Belastung verstärken. Unterzeichnet ist das Schreiben von Lisa Kainz, Agrarwissenschaftlerin und Fachreferentin für Tiere in der Ernährungsindustrie, sowie von Pressereferentin Chiara Reutter.

„Was hier zelebriert und zur Belustigung von Menschen genutzt wird, blendet aus, was die Hähne dabei erleben: Lärm, fremde Umgebung und eine Situation, der sie nicht entkommen können“, wird Kainz zitiert. Bei solchen Veranstaltungen landeten auch häufig Tiere auf dem Grill – aus Sicht der Organisation ein Widerspruch zu der Tierliebe, die viele Vereine für sich beanspruchten.

Nach eigenen Angaben hat Peta den Verein bereits Mitte April angeschrieben und um eine Absage gebeten. Als Alternative schlug die Organisation ein veganes Event ohne Tiere vor – etwa ein Wettkrähen unter Menschen. Dafür bot sie an, 500 vegane Würstchen oder Nuggets bereitzustellen.

Verein: „Das ist unser Hobby und ein Kulturgut“

Über die Reaktion des Vereins berichtete zunächst der Schwarzwälder Bote. Der Vorsitzende Alexander Zinell sagte der Zeitung, man habe das Schreiben zur Kenntnis genommen und intern diskutiert. Eine Absage des Festes sei aber nicht in Frage gekommen.

Die Hähne würden artgerecht gehalten, man achte auf ausreichende Belüftung, so Zinell. Dass die Tiere unter Stress stehen, bestreitet er demnach nicht – das sei aber maximal über fünf Stunden der Fall. Zudem seien die Hähne bei Menschen aufgezogen worden und an diese gewöhnt.

„Das ist unser Hobby und ein Kulturgut, das beibehalten werden soll“, zitiert die Zeitung den Vorsitzenden. Der Verein stehe mit Tierarzt und Veterinäramt im Austausch und bemühe sich um das Bestmögliche für die Tiere. Auch vom Züchterverband erhalte er Rückendeckung. Dass man die Sache anders sehen könne, verstehe er.

Streit über Zucht und Tierheime

Ein zweiter Kritikpunkt von Peta betrifft die Zucht selbst: Sie verschärfe die Lage in den Tierheimen, weil die Nachfrage nach bestimmten Rassen bedient werde. Die Organisation appelliert deshalb, Zucht nicht zu unterstützen und stattdessen Tieren aus dem Heim ein Zuhause zu geben. In Kleintierzuchtvereinen gehörten zudem Qualzuchten und das Töten von Tieren, die nicht den Zuchtstandards entsprächen, zum Alltag.

Zinell hält dagegen: In Tierheimen würden vor allem Katzen und Hunde aufgenommen, nicht aber Tiere, wie sie in Geflügelzuchtvereinen gezüchtet werden. Ein Wettbewerb wie das Wettkrähen werte die Hähne zudem auf. Die Jungtiere seien nun einmal zu 50 Prozent männlich; für die Eierproduktion würden aber Hennen gebraucht, männliche Tiere würden oft geschlachtet.

Zur Einordnung: Das Töten männlicher Küken unmittelbar nach dem Schlüpfen ist in Deutschland seit dem 1. Januar 2022 verboten. Männliche Tiere aus Legelinien werden seither entweder als sogenannte Bruderhähne aufgezogen und später geschlachtet, oder das Geschlecht wird bereits im Ei bestimmt.

Ähnliche Schreiben gingen bundesweit raus

Der Vorstoß in Schramberg ist kein Einzelfall. Peta verschickt nahezu wortgleiche Mitteilungen an Geflügelzuchtvereine in ganz Deutschland, jeweils samt des Angebots von 500 veganen Würstchen. Vergleichbare Aufrufe veröffentlichte die Organisation unter anderem zu Veranstaltungen in Zwönitz (Sachsen), Genthin (Sachsen-Anhalt) und Süderbrarup (Schleswig-Holstein). In Zwönitz hielt der dortige Zuchtverein nach Angaben von Peta ebenfalls an seinem Wettkrähen fest.

Neben dem Wettkrähen stehen beim Schramberger Waldfest nach Angaben des Veranstalters Schnitzel, Gyros, Grillwürste, Pommes frites und Salate auf dem Programm, am Nachmittag Kuchen. Dazu kommen ein Glücksrad und eine Hähnelotterie.

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