In Dunningen hat am Freitag der Bau eines Ärztehauses begonnen. In dem Wohn- und Geschäftsgebäude an der Dorfbachstraße richten die Regiodocs eine Niederlassung ein – im größten Ortsteil der Gemeinde praktiziert seit Ende 2023 kein Hausarzt mehr. Die Gemeinde nimmt dafür 1,7 Millionen Euro in die Hand.
Dunningen. Drei Jahre nach der Nachricht, die die hausärztliche Versorgung in Dunningen ins Wanken brachte, ist am Freitag der erste Spatenstich für das neue Ärztehaus erfolgt. Auf dem gemeindeeigenen Grundstück an der Dorfbachstraße, neben dem Bauhof, entsteht ein Wohn- und Geschäftsgebäude, in dem die Regiodocs ihre neuen Praxisräume beziehen sollen. Zur Feier im benachbarten Farrenstall kamen unter anderem der Regiodocs-Arzt Gebhard Pfaff, Oliver Müller von Cruu Architecture sowie die Bürgermeisterstellvertreter Markus Hils und Dominik Wilbs und Ortsvorsteher Andreas Kramer.
Von der Praxisschließung zum Bauprojekt
Ausgangspunkt war die Schließung der Hausarztpraxis von Berlind Spengler zum Jahresende 2023. Eine Nachfolge fand sich nicht. Damit stand der Ortsteil mit rund 3.800 Einwohnern ohne eigenen Hausarzt da – die verbliebene Praxis von Dr. Radermacher und Herrn Haas liegt in Seedorf. Die Regiodocs übernahmen die Patientinnen und Patienten und signalisierten früh, auch eine eigene Niederlassung in Dunningen betreiben zu wollen. Voraussetzung: passende Räume von rund 300 Quadratmetern. Die gab es im Bestand nicht.
Im Mai 2024 fiel deshalb die Grundsatzentscheidung im Gemeinderat: Die Gemeinde stellt das 1.908 Quadratmeter große Flurstück 69/3 zur Verfügung und sucht über ein förmliches Auswahlverfahren einen Investor. Aus dem Verfahren ging das Stuttgarter Büro Cruu Architecture als Sieger hervor, das das Projekt gemeinsam mit m.homes entwickelt hat. Anfang dieses Jahres wurde der Bauantrag eingereicht.
Gemeinde zahlt 1,7 Millionen Euro für die Praxisräume
Das Modell: Die Gemeinde verkauft das Grundstück an den Investor, kauft anschließend die fertigen Praxisräume zurück und vermietet sie den Regiodocs zu einer vergünstigten Miete. Nach der Gemeinderatsvorlage vom Mai 2025 stehen Einnahmen von 198.000 Euro aus dem Grundstücksverkauf Ausgaben von rund 1,7 Millionen Euro für den Rückkauf gegenüber. Unter dem Strich bleibt damit ein kommunaler Aufwand von etwa 1,5 Millionen Euro.
Bürgermeister Peter Schumacher bezeichnete die Summe bei der Feier als „zweifelsohne gut investiertes Geld, aber Geld, das zunächst erwirtschaftet werden muss“. Alle Beschlüsse zu dem Projekt seien einstimmig gefallen. Leitgedanke sei von Beginn an gewesen: „Wenn wir etwas bauen, dann etwas Schönes und Rechtes.“
Auch eine Physiotherapie zieht ein
Im Lauf der Planung kam ein weiterer Partner hinzu: PhysioAKTIV Sören Rall erwirbt ebenfalls Flächen in dem Gebäude. Aus der geplanten Hausarztpraxis wird damit ein kleines Gesundheitszentrum, das medizinische und therapeutische Angebote an einem Standort bündelt. Mit dem Neubau ordnet die Gemeinde zugleich das Areal städtebaulich neu – der benachbarte Farrenstall ist bereits saniert.
Ausgeführt wird der Bau von der Firma Bantle aus Schönbronn. Einen Termin für die Fertigstellung nannte Schumacher nicht; er hoffe, „in einigen Monaten“ Einweihung feiern zu können.
Korrektur, 21. September: In einer früheren Fassung hieß es, der Farrenstall stehe zur Sanierung an und PhysioAKTIV miete Flächen im Neubau. Tatsächlich ist der Farrenstall bereits saniert, PhysioAKTIV erwirbt die Flächen.
