Wie entstehen Radikalisierungsprozesse bei jungen Menschen? Woran lassen sich erste Anzeichen erkennen? Und wie können Fachkräfte angemessen reagieren? Mit diesen Fragen beschäftigte sich der Fachtag „Radikalisierung – erkennen, deuten, handeln“, zu dem das Kreisjugendreferat des Landratsamts Rottweil eingeladen hatte.
Rottweil – Gekommen waren zahlreiche Fachkräfte und Netzwerkpartnerinnen und Netzwerkpartner aus der Kinder- und Jugendhilfe sowie angrenzenden Arbeitsfeldern. Ziel der Veranstaltung war es, Fachkräfte für Radikalisierungstendenzen zu sensibilisieren und ihre Handlungssicherheit im Berufsalltag zu stärken. Teilgenommen haben unter anderem Mitarbeitende der Schulsozialarbeit, der Offenen und Mobilen Jugend(sozial)arbeit, des Jugendschutzes, der Präventionsarbeit, der Suchtberatung sowie Vertreterinnen und Vertreter der Polizei und weiterer Netzwerkpartner aus dem Landkreis.
Bereits zur Begrüßung wurde deutlich: Extremistische Inhalte erreichen junge Menschen heute häufig über soziale Medien. Umso wichtiger ist es, Radikalisierung nicht erst dann in den Blick zu nehmen, wenn Positionen bereits verfestigt sind.
Den fachlichen Impuls gestaltete die Fachstelle Extremismusdistanzierung Baden-Württemberg (FEX). Im Mittelpunkt stand die Erkenntnis, dass Radikalisierung kein plötzliches Ereignis, sondern ein individueller Prozess ist, der von unterschiedlichen persönlichen, sozialen und gesellschaftlichen Faktoren beeinflusst wird. Gleichzeitig machten die Referierenden deutlich, dass nicht jede provokante Äußerung bereits Ausdruck einer Radikalisierung ist. Entscheidend sind eine fachlich fundierte Einordnung und eine tragfähige pädagogische Beziehung zu den jungen Menschen.
„Tragfähige Beziehungen sind die wichtigste Grundlage, um Radikalisierungstendenzen früh zu erkennen. Fachkräfte müssen jungen Menschen zuhören, ihre Sorgen und Beweggründe ernst nehmen und gemeinsam mit ihnen Entwicklungen einordnen. Genau diese Handlungssicherheit wollen wir mit dem Fachtag stärken“, betont Kreisjugendreferentin Miriam Engel, die als Moderatorin durch den Fachtag führte.
In einer anschließenden Podiumsdiskussion tauschten sich Vertreterinnen und Vertreter von FEX sowie der verbandlichen und offenen Jugend(sozial)arbeit über Erfahrungen aus der Praxis aus. Deutlich wurde dabei, wie wichtig Prävention, Beziehungsarbeit und eine enge Zusammenarbeit aller beteiligten Institutionen sind.
Am Nachmittag vertieften Workshops unterschiedliche Aspekte des Themas. Dabei ging es unter anderem um den Umgang mit Hate Speech, Fake News und digitaler Hetze sowie um Strategien, demokratiefeindlichen und menschenverachtenden Parolen sicher und argumentationsstark zu begegnen.
Neben der fachlichen Wissensvermittlung bot der Fachtag viel Raum für Austausch und Vernetzung. „Kinder und Jugendliche auf ihrem Weg zu begleiten bedeutet auch, demokratische Werte zu stärken und ihnen Orientierung zu geben. Dafür brauchen Fachkräfte aktuelles Wissen, Austausch und starke Netzwerke. Mit Veranstaltungen wie diesem Fachtag schaffen wir die Grundlage dafür, dass Prävention im Alltag wirksam gelebt werden kann“, sagt Jugendamtsleiterin Stefanie Schmidberger.
Der Fachtag wurde vom Kreisjugendreferat des Jugend- und Versorgungsamts des Landkreises Rottweil organisiert. Die Inhalte und Themen wurden gemeinsam mit der Regionalen Kreisarbeitsgemeinschaft sowie einer eigens eingerichteten Arbeitsgruppe aus den Bedarfen der Praxis entwickelt.
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