SCHRAMBERG – Es ist die Frage, die im Tal seit zweieinhalb Wochen nicht verstummt: Wie konnte das Feuer am Tösberg entstehen? Eine Antwort gibt es weiterhin nicht. Die Ermittlungen zur Brandursache dauerten an, teilt ein Sprecher des Polizeipräsidiums Konstanz auf Anfrage mit. Ein Ergebnis ist offen – und es ist gut möglich, dass es nie eines geben wird.
Was der Revierleiter schon am Brandabend sagte
Diese Einschätzung ist keine neue. Bereits am Abend des 16. August, als die Flammen noch den Steilhang hinaufliefen, dämpfte der Chef des örtlichen Reviers die Erwartungen: Wie der Leiter des Polizeireviers Schramberg, Jürgen Lederer, der NRWZ sagte, werde es nach diesem Brand wohl keine Spurenlage mehr geben. Zwar gebe es namentlich bekannte Zeugen, die noch einvernommen würden – jene Menschen, die den Brand als erste gemeldet hatten –, doch wenn etwa eine unachtsam weggeworfene Zigarettenkippe schuld sei, wäre das nicht mehr festzustellen.

Genau diese Linie bestätigt nun das Präsidium in Konstanz. Bei einem Feuer verbrenne schlicht sehr viel, erklärt der Sprecher. Im Fall Schramberg komme hinzu, dass ein großer Teil des Waldes zerstört und das Erdreich durch den massiven Löschwassereinsatz beeinträchtigt worden sei. Eine objektive Spurensicherung werde dadurch „deutlich schwerer“.
20 Hektar Suchfläche – durchtränkt und verkohlt
Die Dimension macht die Arbeit der Ermittler nicht leichter. Betroffen sind rund 20 Hektar Wald, im Einsatz waren bis zu 400 Kräfte und Helfer, 28 Wasserabwürfe erfolgten aus der Luft, den Schaden beziffert die Polizei auf etwa 400.000 Euro. Umgerechnet entspricht die Brandfläche etwa 28 Fußballfeldern.
Dazu kommen die Wassermengen, die in den Hang gepumpt wurden. Der Brand war am Sonntag, 16. August, gegen 17.30 Uhr westlich des Junghansareals ausgebrochen; Trockenheit, Wind und Steillage ließen das Feuer rasch wachsen, ehe am Montag 28 Wasserabwürfe zwei kaum erreichbare Hotspots unter Kontrolle brachten. Ein erster 30.000-Liter-Behälter war rasch leer, ein Hochleistungs-Fördersystem aus Reutlingen lieferte anschließend 3000 bis 5000 Liter pro Minute. Wo derart viel Wasser den Boden auswäscht, bleibt für die Kriminaltechnik wenig übrig.
Brandstiftung nicht ausgeschlossen – aber auch nicht belegt
Vorsätzliche Brandstiftung, eine Glasscherbe als Brennglas, eine Zigarettenkippe, Funkenflug oder ein technischer Defekt an einem vorbeifahrenden Fahrzeug: Ausschließen lässt sich derzeit nichts. Der Sprecher des Präsidiums schließt eine – fahrlässige oder absichtliche – Brandstiftung ausdrücklich nicht aus. Belege dafür gibt es allerdings weiterhin nicht: Das Polizeirevier Schramberg hat die Ermittlungen zur Brandursache aufgenommen; Hinweise auf eine vorsätzliche Brandstiftung ergaben sich bislang nicht, hieß es bereits in der ersten Bilanz der Polizei.
Ermittelt wird deshalb breit: Soweit möglich seien objektive Spuren gesichert worden, zudem seien Zeugen befragt und Fotos sowie Videos ausgewertet worden, so das Präsidium. Der mutmaßliche Entstehungsbereich liegt nach früheren Angaben der Einsatzleitung an der Landstraße zwischen Schramberg und Lauterbach – ein Umstand, der die Theorie vom achtlos weggeworfenen Glimmstängel nährt, sie aber eben auch nicht beweist. Schon am Brandabend hieß es aus Einsatzkreisen, das Feuer sei mutmaßlich nahe der Straße zwischen Lauterbach und Schramberg ausgebrochen, eine weggeworfene Zigarettenkippe könne die Ursache sein – Ermittlungen der Polizei müssten aber abgewartet werden.
Der Hang kam nicht zur Ruhe
Dass die Spurensuche zusätzlich unter Zeitdruck stand, hat auch mit der Nachgeschichte des Einsatzes zu tun. Mit dem Ende der Nachlöscharbeiten war der Einsatz nicht abgeschlossen: In der Nacht und in den Folgetagen waren weitere Kontrollen des Brandgebiets vorgesehen, um erneut aufflammende Glutnester früh zu entdecken. Am 22. August stieg im oberen Teil des Gebiets erneut Rauch auf, die Feuerwehr rückte wieder aus.
Und der Hang bleibt gefährlich: Fels, Geröll und brandgeschädigte Bäume sind teilweise instabil, die L 108 zwischen Schramberg und Lauterbach ist deshalb weiter gesperrt, auch Wanderwege im Brandbereich dürfen nicht betreten werden.
Was bleibt
Für die Region ist der Fall damit vor allem eines: ein Lehrstück darüber, wie schwierig die Aufklärung nach einem Großbrand im Steilhang ist. Sollte die Ursache tatsächlich ungeklärt bleiben, dürfte der Blick umso stärker auf die Konsequenzen fallen – bessere Waldzugänge, mehr geländegängige Spezialfahrzeuge, Wasserrückhalt und gemeinsame Übungen von Feuerwehr und Forst stehen nach dem Brand zur Debatte.
Quellen: eigene Recherche, Polizeipräsidium Konstanz, Polizeirevier Schramberg, Einsatzleitung, NRWZ-Dossier „Das Feuer am Tösberg“
