Schiltach muss sich auf eine lange Durststrecke einstellen: Für die Modernisierung von Kirchberg- und Schlossbergtunnel an der B 294 werden beide Röhren nacheinander voll gesperrt – der Kirchbergtunnel voraussichtlich von Mai 2028 bis Juli 2029, der Schlossbergtunnel bis März 2030. Der Verkehr läuft dann durch die Stadt. Das Regierungspräsidium Freiburg rechnet zum Start mit einer „Chaosphase“.

Rund 200 Menschen kamen nach Angaben des Regierungspräsidiums (RP) Freiburg Ende Oktober zur Informationsveranstaltung in die Friedrich-Grohe-Halle. Neben Anwohnerinnen und Anwohnern waren Vertreter örtlicher Firmen, der Rettungsdienste und Einwohner aus Nachbargemeinden dabei. Eingeladen hatten das RP als zuständige Behörde und die Stadt Schiltach.
Erst die Rettungsstollen, dann die Sperrungen
Los geht es Anfang 2027 mit dem Ausbau beziehungsweise Neubau der Rettungsstollen an beiden Tunneln. Der Verkehr auf der Bundesstraße ist davon laut RP noch nicht betroffen.
Anders ab 2028: Dann werden beide Tunnel bis auf den Rohbau entkernt und neu ausgestattet. Das geht nach Angaben des RP nur unter Vollsperrung. Weil die Technik beider Tunnel in einem gemeinsamen Betriebsgebäude zusammenläuft, werden die Arbeiten gebündelt. Mehrmonatige Sperrungen seien trotzdem unvermeidbar, man habe bei der Planung alle Optimierungsmöglichkeiten ausgeschöpft, so die Behörde.
Warum die Tunnel saniert werden
Der 1840 Meter lange Kirchbergtunnel und der 844 Meter lange Schlossbergtunnel sind seit 1991 in Betrieb. Sie führen die B 294 und die B 462 um die Ortsdurchfahrt herum. Nach Darstellung des RP entsprechen beide Röhren nicht mehr den heutigen Sicherheitsstandards.
Erneuert werden unter anderem Notrufanlagen, Videotechnik, Tunnelfunk, Beleuchtung, Lüftung, Brandmelde- und Löschtechnik sowie die Verkehrstechnik mit Sperrschranken. Hinzu kommen Notausgänge in die neuen Rettungsstollen, 13 Nischen für begehbare Notrufstellen, zwei Auffangbecken für Tunnelwasser und ein neuer Straßenbelag. Die Kosten schätzt das RP auf 77,7 Millionen Euro – allerdings auf dem Preisstand von 2023. Bauherr ist der Bund.
Umleitung durch die Stadt
Während der Sperrungen wird der Durchgangsverkehr weiträumig über andere Landes- und Bundesstraßen umgeleitet. Welche Strecken das konkret sind, steht in der Mitteilung nicht. Wer trotzdem nach Schiltach muss oder dort wohnt, fährt durch die Ortsdurchfahrt – das RP räumt selbst ein, dass dort eine erhöhte Belastung entstehen wird.
Projektleiter Daniel Heilig appellierte an die Schiltacher, während der Sperrungen möglichst aufs Auto in der Innenstadt zu verzichten. Die Zeit werde allen „eine Teamleistung abverlangen“, sagte er – Bürgerschaft, Stadt, Betrieben, Baufirmen und dem RP. Ziel sei am Ende wieder eine zuverlässige, sichere Bundesstraße, die auch die Umfahrung Schiltachs sichert.
Beschönigen wollte Heilig nichts: In den ersten Wochen werde nicht alles glatt laufen. Erfahrungsgemäß gebe es immer eine Chaosphase, bis sich der Verkehr eingespielt habe.
Für das innerörtliche Umleitungskonzept ist ein Fachbüro eingebunden. Die Hinweise aus der Bürgerschaft sollen geprüft und eingearbeitet werden. 2027 ist eine weitere Informationsveranstaltung geplant. Bürgermeister Thomas Haas begrüßte, dass so früh informiert werde. Ingo Hugle, Leiter des zuständigen Baureferats Nord des RP in Offenburg, ging ebenfalls auf das Projekt ein.
Auf einen Blick: der Zeitplan
- Januar 2027: Baubeginn Rettungsstollen – noch ohne Sperrung
- Mai 2028 bis Juli 2029 (voraussichtlich): Vollsperrung Kirchbergtunnel
- September 2029 bis März 2030 (voraussichtlich): Vollsperrung Schlossbergtunnel
- Frühjahr 2030: angestrebtes Bauende
Informationen und Kontakt
Details, die Präsentation des Infoabends und die Kontaktdaten der Projektleitung stehen auf der Projektseite des Regierungspräsidiums Freiburg. Hinweise und Anregungen nimmt das RP unter Tunnelsanierung-Schiltach@rpf.bwl.de entgegen.
Mehr zum Thema: Tunnelmodernisierung in Schiltach: Infoabend am 28. Oktober