Die Freiwillige Feuerwehr Dietingen führte am vergangenen Samstag einen umfangreichen Übungsnachmittag in Böhringen und Rotenzimmern durch. Rund 60 Einsatzkräfte aus allen fünf Abteilungen der Gemeindewehr nahmen daran teil.
Anders als beim letztjährigen Übungstag, bei dem ein großes, zusammenhängendes Einsatzszenario bewältigt wurde, standen diesmal mehrere kleinere Übungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten auf dem Programm. An vier Stationen trainierten die Feuerwehrangehörigen unterschiedliche Einsatzsituationen und vertieften dabei ihre praktischen Fähigkeiten.
An jeder Station fanden zwei Übungsdurchgänge statt – um 13 Uhr und um 14.30 Uhr. Häufig waren dabei zwei Abteilungen mit jeweils einem Einsatzfahrzeug beteiligt. Das entspricht einer realistischen Situation, da auch im Ernstfall je nach Einsatzstichwort mehrere Abteilungen gleichzeitig alarmiert werden.
Die einzelnen Übungsszenarien waren im Vorfeld von kleinen Teams aus der Führungsmannschaft ausgearbeitet worden. Die konkreten Einsatzlagen waren den teilnehmenden Kräften vorab nicht bekannt. Wie bei einem tatsächlichen Alarm mussten sie sich zunächst ein Bild der Situation machen und anschließend die erforderlichen Maßnahmen einleiten.

Technische Hilfeleistung bei Verkehrsunfällen
Auf dem Parkplatz bei der Narrenzunft in Böhringen stand die Personenrettung nach Verkehrsunfällen im Mittelpunkt. Dabei ging es insbesondere um die Frage, wie mit den verfügbaren Werkzeugen und Hilfsmitteln eine möglichst wirkungsvolle technische Rettung durchgeführt werden kann.
Nach einer theoretischen Einführung zur Absicherung der Unfallstelle, möglichen Gefahren durch nicht ausgelöste Airbags, der elektrischen Anlage von Fahrzeugen und verschiedenen Rettungsmethoden folgte die praktische Ausbildung an drei bereitgestellten Fahrzeugen.
Die Einsatzkräfte übten zunächst das Sichern und Stabilisieren der Fahrzeuge, beispielsweise durch Unterbauen oder den Einsatz von Leitern. Anschließend trainierten sie verschiedene Möglichkeiten, um Zugang zu verletzten Personen zu schaffen. Dazu gehörten unter anderem das gezielte Öffnen der Fahrzeugverglasung und der Einsatz einer Säbelsäge. Auch die Menschenrettung mit fiktiven Verletzten wurde geübt. Die Rettung erfolgte jeweils mithilfe eines Spineboards – sowohl über die Fahrzeugtüren als auch über den Kofferraum.

Werkstattbrand mit vermissten Personen
Auf dem Gelände der Firma BKF in Böhringen wurde ein Werkstattbrand infolge einer Verpuffung angenommen. Zunächst war unklar, ob und wie viele Personen sich noch im Gebäude befanden.
Dichter Übungsnebel erschwerte den Atemschutztrupps die Orientierung. Zwei Atemschutztrupps aus Böhringen und Irslingen gingen zur Menschenrettung und Brandbekämpfung vor, während ein weiterer Trupp zur Sicherung bereitstand. Im Gebäude mussten zwei verletzte Personen gefunden und gerettet werden, von denen eine nicht mehr ansprechbar war.
Neben der Menschenrettung lag ein weiterer Schwerpunkt auf dem Erkennen möglicher Gefahrenquellen. Verschiedene Behälter und Gefahrstoffkennzeichnungen mussten bei der Erkundung berücksichtigt werden. Gleichzeitig wurde die Wasserversorgung über einen Unterflurhydranten sichergestellt, eine Riegelstellung aufgebaut und ein Rauchvorhang eingesetzt.

Menschenrettung aus einer verrauchten Tiefgarage
In der Knuppertstraße in Böhringen wurde ein Fahrzeugbrand in einer Tiefgarage simuliert. Zwei Personen galten als vermisst und mussten unter schwierigen Bedingungen gefunden und gerettet werden.
Für die Übung wurde die Tiefgarage mit Nebel verraucht. Zusätzlich erschwerten spezielle Übungsvisiere die Sicht der eingesetzten Atemschutzgeräteträger. Eine akustische Alarmanlage sorgte für eine weitere Belastung und erschwerte die Verständigung.
Zwei Atemschutztrupps rückten in die Tiefgarage vor, um die vermissten Personen zu suchen und den angenommenen Fahrzeugbrand zu bekämpfen. Parallel wurde die Löschwasserversorgung über einen Unterflurhydranten aufgebaut.
Nachdem beide Personen gefunden und in Sicherheit gebracht worden waren, konnte die Brandbekämpfung abgeschlossen werden. Parallel wurde die Tiefgarage mithilfe eines Überdrucklüfters rauchfrei gesetzt.

Personenrettung in der Nahwärmeanlage
Bei der Nahwärmeversorgung in Rotenzimmern warteten zwei angenommene Arbeitsunfälle auf die Einsatzkräfte. Im ersten Fall musste eine bewusstlose Person aus dem Führerhaus eines Teleskopladers gerettet werden. Die Einsatzkräfte befreiten die Person aus der Fahrerkabine.
Deutlich aufwendiger gestaltete sich das zweite Szenario im Hackschnitzellager. Ein Arbeiter war beim Versuch, eine Verstopfung an der Förderschnecke zu beseitigen, abgerutscht und mit einem Bein in die Anlage geraten. Die bewusstlose Person lag zwischen den Hackschnitzeln und konnte nicht unmittelbar gerettet werden.
Bei dieser Rettung spielte der Eigenschutz der Einsatzkräfte eine zentrale Rolle. Zunächst musste die Anlage über den Not-Aus stillgesetzt werden, um weitere Gefahren durch die Förderschnecke auszuschließen. Anschließend stabilisierten die Feuerwehrangehörigen den losen Hackschnitzeluntergrund mithilfe von Schalungstafeln, um einen sicheren Arbeitsbereich zu schaffen. Mit Schaufeln legten sie die verschüttete Person vorsichtig frei und retteten sie schließlich mithilfe eines Spineboards.
Im weiteren Verlauf galt es zudem, eine angenommene schwere Amputationsverletzung zu versorgen und die Blutung bis zur Übergabe an den Rettungsdienst einzudämmen. Beide geretteten Personen wurden schließlich dem im Übungsszenario vorgesehenen Rettungsdienst übergeben.
Gegen 16.30 Uhr endete der Übungsnachmittag mit einer gemeinsamen Nachbesprechung. Gesamtkommandant Dominik Weißer, der die Übung gemeinsam mit seinem Stellvertreter Roman Jauch leitete, zog ein positives Fazit. Die gesteckten Übungsziele seien erreicht und die unterschiedlichen Einsatzszenarien insgesamt gut bewältigt worden.
Der Übungsnachmittag verdeutlichte nach Darstellung der Gesamtfeuerwehr die Bedeutung regelmäßiger und praxisnaher Ausbildung. Neben der Vertiefung technischer Fähigkeiten standen insbesondere das koordinierte Handeln und die abteilungsübergreifende Zusammenarbeit im Vordergrund. Auch die Führungskräfte profitierten von den Übungen: Neben erfahrenen Gruppenführern übernahmen zwei junge Gruppenführer erstmals die Leitung einer Gruppe.
