Rottweil – Wo früher die Firma Moker produzierte, entstehen schon bald Wohnungen und Büros. Gute Nachrichten für Rottweil – schlechte für die Aktion Eine Welt: Ihr Möbelverkauf, seit 20 Jahren in der alten Fabrikhalle beheimatet, muss dem Neubau Platz machen. Gesucht wird händeringend ein neues Domizil – in Rottweil, bezahlbar, und groß genug für ein Sortiment, das von der Kristallvase bis zum Heimtrainer reicht. Denn hinter dem bunten Warenangebot steckt mehr als ein Trödelmarkt: ein soziales Projekt, das Menschen mit kleinem Geldbeutel hilft, Ehrenamtliche beschäftigt und den Erlös in Entwicklungsprojekte steckt.
Hier in der alten Fabrikhalle im Mokergelände findet man irgendwie alles. Von Omas Glasvitrine über den klobigen Ledersessel und die Messinglampe oder den Heimtrainer bis hin zum Toaster. Kaffeetassen mit Goldrand, Kristallgläser, Kochtöpfe, Kinderwägen, Korbsessel, Kunst oder Kommoden – kaum etwas, das es hier nicht gibt. Der Möbelverkauf der Aktion Eine Welt ist für jeden was: Für den Sammler von Kuriositäten, für das junge Paar, das sich gerade die erste gemeinsame Wohnung einrichtet, für die Flüchtlingsfamilie, die mit kaum mehr als dem, was sie auf dem Leib trugen, hier angekommen ist. Und auch für denjenigen, der ein besonders originelles Geschenk sucht.
Nun allerdings suchen die Ehrenamtlichen von der Aktion Eine Welt (AEW) selbst was: Eine neue alte Halle. Denn die jetzige, in der die Gebrauchtwaren seit gut 20 Jahren sortiert und verkauft werden, steht auf demselben Gelände, auf dem im kommenden Jahr Wohnungen und Büroflächen entstehen sollen – und muss dafür weichen.
Die Suche ist schwierig, denn die neue Halle muss zwei wichtige Voraussetzungen erfüllen: In Rottweil muss sie stehen, und arg teuer darf sie auch nicht sein. Denn auch wenn der Möbel- und Gebrauchtwarenverkauf wie ein Wirtschaftsunternehmen funktioniert, ist er doch keines, sondern ein großes soziales und ökologisches Projekt. Etwa 35 Ehrenamtliche sind die Woche über damit beschäftigt, die Waren zu sortieren, zu richten, auszuzeichnen, Elektrogeräte zu reparieren – kurz, alles zu tun, damit am Samstag von 9 bis 12 Uhr der Verkauf reibungslos läuft und die Kunden zufrieden sind.
Der Erlös wiederum fließt dann in ausgewählte soziale Projekte in Entwicklungsländern, zusammen mit dem, was der Bücherverkauf im Adolph-Kolping-Gemeindehaus, der Kleiderverkauf im Bischof-Linsenmannhaus, die Altmaterialsammlungen und die Basare einbringen.
Doch nicht nur das: Die AEW hilft auch beim Entrümpeln und sorgt mit ihrem Einsatz dafür, dass Altes nicht auf der Müllhalde landet, sondern weiter genutzt wird, ganz im Sinne der Nachhaltigkeit. Zudem gibt es hier auch Mitarbeiter, die das Jobcenter an die Aktion Eine Welt vermittelt hat, damit sie von hier aus die Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt schaffen. Eine Win-Win-Situation für alle, die aber nur funktioniert, wenn man weiterhin eine kostengünstige Halle hat, in der dies alles möglich ist.
„Wir sind fieberhaft auf der Suche”, sagt Daniela Dom vom ehrenamtlichen Gebrauchtwaren-Team. Das eine oder andere haben sie und ihre Mitstreiter bereits angeschaut, aber bislang war noch nichts dabei, das gepasst hat. Vor allem am Preis hakt es. „Und es hat ja keinen Zweck, dass wir all das machen, wenn der Erlös am Ende gerade reicht, um die Hallenmiete zu zahlen”, ergänzt Alexander Rustler, Mitglied des AEW-Arbeitskreises. Er selbst hält es für ja sinnvoll, dass auf den Brachflächen der früheren Firma Moker jetzt Neues entsteht, Wohnungen und Büroflächen gebaut werden. Doch es brauche eben nicht nur schicken, neuen Wohnraum, sondern auch solche Projekte wie den Möbelverkauf der Aktion Eine Welt, wo es um die Menschen geht, die nur einen kleinen Geldbeutel haben.
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