Benachrichtigung

30 Jahre Kunststiftung Erich Hauser: Werkstattpreis für Wagehe Raufi

Mit der Installation „Origin of a Box“ setzt sich die Berliner Künstlerin Wagehe Raufi in Rottweil mit Edelstahl, Klang und virtuellen Räumen auseinander. Die Kunststiftung Erich Hauser feiert zugleich ihr 30-jähriges Bestehen.

Autor / Quelle:
Lesezeit 4 Min.
„Origin of a Box“ von der Berliner Künstlerin Wagehe Raufi. Foto: pm

Rottweil. Ein doppelter Anlass zum Feiern in der Kunststiftung Erich Hauser: Seit 30 Jahren bewahrt die Stiftung das Werk des Rottweiler Edelstahlbildhauers und macht es der Öffentlichkeit zugänglich. Zum 29. Mal wurde zudem der Werkstattpreis vergeben. Die diesjährige Auszeichnung ging an die 1990 geborene, in Berlin lebende Künstlerin Wagehe Raufi. Mit ihrer Installation „Origin of a Box“ knüpft sie an Hausers Werkstoff Stahl an und eröffnet zugleich neue Perspektiven auf das Material.

Zahlreiche Gäste kamen zur Jubiläumsveranstaltung in die ehemalige große Werkhalle des Bildhauers auf dem Areal Saline. Vorstandssprecher Christoph Ranzinger erinnerte bei seiner Begrüßung an den doppelten Auftrag der Stiftung: Sie soll nicht nur das künstlerische Erbe Hausers bewahren, sondern auch die Auseinandersetzung zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler mit seinem Werk ermöglichen.

Seit 1997, ein Jahr nach der Gründung der Stiftung, bietet der Werkstattpreis dafür eine Plattform. Er steht für den Anspruch, Kunst und Öffentlichkeit miteinander zu verbinden und den Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart lebendig zu halten.

Erich Hausers Vermächtnis bleibt in Bewegung

Dass es Erich Hauser nicht allein um die Bewahrung seiner Arbeiten ging, betonte Geschäftsführerin Juliane Flittner. Der Bildhauer habe nicht nur etwas hinterlassen, sondern etwas in Bewegung setzen wollen. Die Stiftung solle deshalb ein offener Ort für Experimente und zeitgenössische Kunst bleiben.

Flittner freute sich über den großen Zuspruch zur Jubiläumsfeier. Die Entwicklung der Stiftung verglich sie mit einem jungen Baum, der nun erste Früchte trage. Zugleich dankte sie den Förderern, Spendern und Sponsoren, die den Erhalt des Stiftungsgedankens und die Öffnung des Geländes ermöglichten.

Auch der diesjährigen Preisträgerin galt ihr Dank. Dass Raufi ausgerechnet Edelstahl neu befrage, jenes Material, mit dem Hausers künstlerisches Schaffen auf dem Gelände bis heute verbunden ist, schlage eine besondere Brücke zwischen dem Erbe des Bildhauers und der Gegenwart.

Edelstahlkisten werden zu Klangkörpern

Die stellvertretende Museumsleiterin des Kunstmuseums Singen, Viktoria W. Tiedeke, würdigte die Arbeit „Origin of a Box“. Der Titel lässt sich mit „Ursprung einer Box“ übersetzen. Zugleich greift die Installation die Idee eines Raums auf, der seine eigene Geschichte in sich trägt – ein Gedanke, der sich auch auf die historische Werkhalle übertragen lässt.

Raufi verteilt geöffnete Edelstahlkisten in der Halle. Hinzu kommen zwei querformatige Edelstahlplatten, die von der Decke hängen. Der Stahl dient dabei nicht allein als skulpturales Material: Mithilfe elektronischer Technik erzeugt die Künstlerin Klangschwingungen und erweitert die Objekte damit um eine akustische Ebene.

Den streng geometrischen Formen stellt Raufi zwei weitere skulpturale Arbeiten gegenüber. Eine davon erinnert an eine überdimensionierte Auster. Anders als die widerstandsfähigen Edelstahlobjekte bestehen diese organisch wirkenden Formen aus Materialien wie Textilien, Granulaten und Pigmenten.

In ihrer Würdigung hob Tiedeke den Kontrast zwischen den Materialien hervor. Während der Stahl Festigkeit und Widerstandskraft ausstrahle, wirkten die weicheren Formen verletzlich und organisch. So entsteht ein Spannungsverhältnis, das die unterschiedlichen Eigenschaften der Materialien ebenso sichtbar macht wie ihre Wirkung im Raum.

Zwischen materieller Wirklichkeit und virtuellen Räumen

Mit ihrer Installation führt Raufi ihre künstlerische Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von materieller Wirklichkeit und digital konstruierten, virtuellen Räumen fort. Die Verbindung aus Stahl, elektronisch erzeugten Klängen und organischen Formen erweitert dabei die traditionelle Vorstellung von Skulptur.

Damit knüpft die Preisträgerin an den Gründungsgedanken der Kunststiftung an: Erich Hausers Werk soll nicht nur erhalten bleiben, sondern auch Ausgangspunkt für neue künstlerische Fragestellungen sein. Das 30-jährige Bestehen der Stiftung und die mittlerweile 29. Vergabe des Werkstattpreises stehen somit für ein Vermächtnis, das sich durch die Arbeit nachfolgender Künstlergenerationen weiterentwickelt.

Die Ausstellung ist vom 18.Oktober bis 21. November 2026 jeden Samstag und Sonntag von 15 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt zur Ausstellung ist kostenlos.

Autor / Quelle:Pressemitteilung (pm)
Mit "Pressemitteilung" gekennzeichnete Artikel sind meist 1:1 übernommene, uns zugesandte Beiträge. Sie entsprechen nicht unbedingt redaktionellen Standards in Bezug auf Unabhängigkeit, sondern können gegebenenfalls eine Position einseitig einnehmen. Dennoch informieren die Beiträge über einen Sachverhalt. Andernfalls würden wir sie nicht veröffentlichen. Pressemitteilungen werden uns zumeist von Personen und Institutionen zugesandt, die Wert darauf legen, dass über den Sachverhalt berichtet wird, den die Artikel zum Gegenstand haben.

Danke, dass Sie die NRWZ lesen.

NRWZ.de ist kostenlos. Damit das so bleibt, brauchen wir Werbeeinnahmen — die funktionieren besser mit Ihrer Einwilligung. Nutzen Sie NRWZ kostenlos mit Werbung oder unterstützen Sie unsere Redaktion mit einer Steady-Mitgliedschaft und lesen dafür werbefrei.

Kostenlos mit Werbung

Der kostenlose Zugang wird durch Werbung finanziert. Dafür bitten wir um Ihre Einwilligung in die dafür notwendigen Cookies und Dienste.

Bereits Mitglied? Dann können Sie sich direkt einloggen:

Werbefrei mit Steady

Mit Steady unterstützen Sie unabhängigen Lokaljournalismus aus der Region und lesen NRWZ ohne Werbung*.

*Frei von Werbung über die externen Anbieter Google und Taboola. Lokale Werbung zeigen wir im Interesse unserer Direktkunden weiterhin an.

Mehr Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung und im Impressum.