Das kleine Bähnle zwischen Testturm und Innenstadt sollte Besucher der Hängebrücke NECKARLINE bequem in die Innenstadt bringen. Doch oft sitzt kaum jemand drin. Die NRWZ hat bei der Stadt und beim Betreiber nachgefragt – und Antworten bekommen, die zeigen: Ein Motorschaden gleich zu Betriebsbeginn, eine restriktive Genehmigung und eine „gewisse Anlaufphase“ bremsen das Angebot bislang aus.
Ein Bähnle mit Anspruch
Der „Neckarliner“ pendelt seit der Eröffnung der Fußgänger-Hängebrücke NECKARLINE im April 2026 zwischen der Haltestelle „Testturm“ auf dem Berner Feld über den Parkplatz Neckarline und die Haltestelle „Seehof“ bis in die Untere Hauptstraße in der historischen Innenstadt – und zurück. Die Fahrt zwischen Testturm und dem Brücken-Parkplatz ist kostenlos, ab „Seehof“ werden 5 Euro für Erwachsene und 4 Euro für Kinder (6–14 Jahre) fällig.
Schon der Start verlief holprig: Beim Brückenfest zur Eröffnung musste das Bähnle wegen eines Getriebeschadens bei seiner allerersten Fahrt vorübergehend durch einen größeren Bus ersetzt werden.
Stadt verweist an die Betreiber
Auf NRWZ-Anfrage zu Fahrgastzahlen, Auslastung und Betriebskosten des Neckarliners konnte die städtische Tourismusabteilung keine Auskunft geben. „Die entsprechenden Informationen, insbesondere zu Fahrgastzahlen, Auslastung, Betriebskosten sowie zur weiteren Ausgestaltung des Angebots, liegen bei den Betreibern“, teilte Ines Maier, Leiterin Tourismus und Stadtmarketing, mit. Sie verwies auf Frank Wiest von der Stadtbus Rottweil GmbH und auf Günter Eberhardt, den Betreiber der Neckarline, als zuständige Ansprechpartner.
Betreiber: Motorschaden und späte Genehmigung bremsten den Start
Frank Wiest, Geschäftsführer der Stadtbus Rottweil GmbH, bestätigte auf Anfrage, dass sein Unternehmen den Neckarliner betreibt, „in engem Austausch mit dem Betreiber der Neckarline“. Nach dem Motorschaden zur Eröffnung sei das Fahrzeug „erst seit ein paar Wochen im Einsatz“.
Wiest erklärte die schwache Auslastung auch mit einer typischen Anlaufphase: „Solche Verkehre – dies kennen wir vom ‚normalen‘ Linienverkehr – benötigen immer eine gewisse Anlaufphase und dadurch auch einen etwas längeren finanziellen Atem. So ist es in der Tat auch beim ‚Neckarliner‘.“
Ein weiterer Grund für das eingeschränkte Angebot: Die ursprüngliche Planung sah einen durchgehenden Einsatz von Montag bis Sonntag im Sommer vor. Das Regierungspräsidium habe die Genehmigung jedoch nur für Wochenenden und Feiertage erteilt, so Wiest.
Eine Einstellung des Angebots aus wirtschaftlichen Gründen schließt der Geschäftsführer nicht aus: „Eine Einstellung aus wirtschaftlichen Gründen würden wir bedauern, ist aber auch nicht ausgeschlossen, wenn die Fahrgastzahlen dauerhaft hinter den Erwartungen zurückbleiben.“
Ausblick: Bahnhof jetzt eingebunden
Immerhin gibt es aus Sicht des Betreibers auch positive Signale: Seit kurzem ist der Bahnhof in die Streckenführung eingebunden, die bediente Strecke wurde damit ausgebaut. „Dadurch erwarten wir einen weiteren Zuwachs an Fahrgästen“, so Wiest. Ob diese Erwartung sich erfüllt, wird sich zeigen müssen. Aktuell bleibt der Eindruck aus der Bevölkerung: Der Neckarliner fährt – aber meist leer.
Für diesen Artikel angefragt: Ines Maier (Tourismus und Stadtmarketing, Stadt Rottweil), Frank Wiest (Geschäftsführer, Stadtbus Rottweil GmbH) und Roland Haag (Projektleiter Eberhardt Bewehrungsbau, zuständig für die Neckarline-Fußgängerbrücke. Herr Haag hat bislang nicht geantwortet.
„So kommen Besucher zur Neckarline: Shuttle, „Bähnle“ und Rufbus im Einsatz„
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