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30 Jahre Vertrag von Lugano: Bündnis fordert zweites Gleis zwischen Horb und Tuttlingen

Die Schweiz baute den Gotthard-Basistunnel – das zweite Gleis nach Tuttlingen fehlt seit 1946. Nun verweist das Bündnis auf das Sondervermögen des Bundes.

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Die Gäubahn von der Neckaline aus gesehen. Foto: pm

Vor 30 Jahren, am 6. September 1996, unterzeichneten Deutschland und die Schweiz den Staatsvertrag von Lugano. Er sollte den grenzüberschreitenden Eisenbahnverkehr verbessern und die Verbindung Stuttgart–Zürich als Nordzulauf zur neuen Alpentransversale (NEAT) beschleunigen. Zum Jahrestag fordert das Pro Gäubahn Landesbündnis, das 2024 in Rottweil gegründet wurde, die möglichst vollständige Wiederherstellung der Zweigleisigkeit zwischen Horb und Tuttlingen. Aus Sicht des Bündnisses hat die Schweiz ihren Teil erfüllt, Deutschland nicht.

Gotthard fertig, Gäubahn nicht

Die Schweiz hat die NEAT realisiert, den Gotthard-Basistunnel gebaut und unter anderem die Strecke zwischen Zürich und Schaffhausen ausgebaut. Auf deutscher Seite ist die Gäubahn zwischen Stuttgart und der Schweizer Grenze dagegen bis heute über weite Abschnitte eingleisig – und damit in ihrer Leistungsfähigkeit begrenzt.

Das Landesbündnis verweist zum Vergleich auf die Bauzeiten der Vergangenheit: 1927 vereinbarte der Volksstaat Württemberg mit der Deutschen Reichsbahn den Ausbau der Strecke, 1928 begannen die Arbeiten. Bis 1934 war die Gäubahn zwischen Stuttgart und Tuttlingen weitgehend zweigleisig. In dieser Zeit entstanden auch die Neubaustrecke Tuttlingen–Hattingen sowie neue Bahnhöfe in Tuttlingen und Eutingen.

1946 demontiert – bis heute nicht ersetzt

1946 baute die französische Besatzungsmacht das zweite Gleis zwischen Horb und Tuttlingen ab. Das Material wurde nach Darstellung des Bündnisses für die Wiederherstellung der Strecke zwischen Belfort und Besançon verwendet, deren zweites Gleis zuvor die deutsche Wehrmacht demontiert hatte. Die damals verlorene Kapazität ist bis heute nicht ersetzt. Erst 2023/2024 wurde ein 5,8 Kilometer langer Abschnitt zwischen dem Bahnhof Horb und dem Stadtteil Neckarhausen wieder zweigleisig hergerichtet.

„Es ist bemerkenswert, dass vor fast 100 Jahren innerhalb von sieben Jahren eine weitgehende Zweigleisigkeit zwischen Stuttgart und Tuttlingen geschaffen werden konnte, während wir heute 30 Jahre nach dem Vertrag von Lugano noch immer auf den Ausbau warten“, sagt Hans-Jörg Jäkel vom Gäubahnkomitee Stuttgart.

Bündnis stellt Kosten dem Pfaffensteigtunnel gegenüber

Das Bündnis argumentiert, ein zweites Gleis wäre im Vergleich zu anderen geplanten Maßnahmen günstig zu haben. Hendrik Auhagen von Pro Gäubahn Konstanz nennt den geplanten Pfaffensteigtunnel, über den die Gäubahn künftig an den Flughafen und den neuen Tiefbahnhof angebunden werden soll. Dieser werde „am Ende voraussichtlich 3,5 Milliarden Euro kosten“, während sich mit einem Bruchteil dieser Summe die bestehende Strecke zwischen Horb und Tuttlingen erheblich leistungsfähiger machen ließe. Der Tunnel bringe der Gäubahn keine zusätzliche Kapazität, bedeute aber eine jahrelange Unterbrechung.

Diese Bewertung ist die Position des Bündnisses. Bahn und Bund begründen den Tunnel damit, dass er die Gäubahn dauerhaft an den Fernverkehrsknoten Stuttgart anbindet. Belastbare Endkosten liegen für das Projekt bislang nicht vor.

Auhagen verweist zudem auf das Sondervermögen Infrastruktur des Bundes: Zumindest ein kleiner Teil dieser Mittel solle in den Ausbau der Gäubahn fließen. Damit liefere Deutschland auch die Infrastruktur, die im Vertrag von Lugano gegenüber der Schweiz zugesagt worden sei.

Forderung auch aus Rottweil

„30 Jahre nach dem Vertrag von Lugano muss Schluss sein mit immer weiteren Verschiebungen des Gäubahn-Ausbaus“, erklärt Michael Leibrecht von Pro Gäubahn Rottweil. Die Strecke müsse als internationale Fernverkehrsverbindung zwischen Stuttgart, Zürich und Norditalien wieder zweigleisig werden.

Für den Landkreis Rottweil ist die Gäubahn die wichtigste Schienenverbindung nach Norden und Süden. Die Zweigleisigkeit gilt als Voraussetzung dafür, dass sich Fern- und Regionalverkehr auf der Strecke zuverlässig überholen und begegnen können.

Das Pro Gäubahn Landesbündnis

Das Bündnis wurde am 9. März 2024 in Rottweil gegründet. Es vertritt die Interessen der Bahnstrecke Stuttgart–Böblingen–Horb–Rottweil–Tuttlingen–Singen mit den Weiterführungen nach Zürich und Konstanz. Zu den Mitgliedern zählen die örtlichen Pro-Gäubahn-Initiativen in Rottweil, Freudenstadt, Singen, Tuttlingen und Konstanz, das Gäubahnkomitee Stuttgart, Deutsche Umwelthilfe, BUND-Landesverband Baden-Württemberg, VCD-Landesverband und Kreisverband Konstanz, die Mobilitätswendeallianz Baden-Württemberg, die Naturfreunde Württemberg und die Schutzgemeinschaft Filder. Hinzu kommen parteipolitische Mitglieder: der Bundestagsabgeordnete Matthias Gastel (Grüne), Grünen-Kreisverbände aus Rottweil, Tuttlingen, Schwarzwald-Baar und Konstanz, SPD-Kreisverbände aus Rottweil, Tuttlingen und Freudenstadt, die Linke im Kreis Konstanz sowie die Fraktion Linke/SÖS im Stuttgarter Gemeinderat. Mehr unter https://pro-gaeubahn.de/

Autor / Quelle:NRWZ-Redaktion
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