Der Landkreis Rottweil führt die Ehrenamtskarte nicht ein und begründet das mit Kosten und Verwaltungsaufwand. Der frühere FDP-Landtagsabgeordnete Daniel Karrais kommt zum selben Ergebnis – aber aus einem anderen Grund. Er hält die Karte grundsätzlich für das falsche Instrument.
Kreis Rottweil. Die Entscheidung des Landkreises Rottweil gegen die Ehrenamtskarte bekommt Zuspruch aus der Landespolitik – allerdings mit einer Begründung, die das Landratsamt so nicht angeführt hat.
Auf den NRWZ-Bericht, wonach der Kreis trotz erhöhter Landesförderung bei seinem Nein bleibt, reagierte Daniel Karrais auf Facebook. Der FDP-Politiker, der den Kreis Rottweil bis zur vergangenen Landtagswahl im Stuttgarter Landtag vertrat, schrieb: „Ehrenamtliche brauchen keine günstigen Freibadeintritte, sondern Entlastung von bürokratischem Irrsinn. Niemand macht ein Ehrenamt wegen der Ehrenamtskarte. Aber viele machen kein Ehrenamt mehr wegen der Bürokratie.”
Zwei Ablehnungen, zwei Begründungen
Damit verschiebt Karrais die Debatte. Das Landratsamt hatte seine Absage vor allem finanziell und organisatorisch begründet: Der Landeszuschuss von zuletzt 46.600 Euro sei an die Einstellung zusätzlichen Personals gebunden, die Karte bedeute dauerhaften Verwaltungsaufwand, und Kommunen mit touristischen oder kulturellen Einrichtungen müssten Einnahmeausfälle selbst tragen. Als Beispiel nannte der Kreis ausdrücklich die Landesgartenschau 2028 in Rottweil.
Karrais argumentiert dagegen nicht über den Kreishaushalt, sondern über den Nutzen für die Ehrenamtlichen selbst. Seine Kritik richtet sich damit weniger an das Landratsamt als an das Sozialministerium, das die Karte als „Erfolgsmodell” bewirbt.
Dieselbe Position wie vor einem Jahr
Neu ist der Einwand nicht. Bereits im September 2025 hatte Karrais – damals noch als Abgeordneter – nach einem Gespräch mit VSAN-Narrenpräsident Roland Haag erklärt, das Land solle eine Pauschale mit der GEMA vereinbaren und so die Vereine entlasten. Das helfe „wirksam dem Ehrenamt und bringt mehr als irgendwelche Ehrenamtskarten mit vergünstigten Eintrittsgeldern”.
Haag hatte damals geschildert, dass die Vorbereitung von Narrentreffen und Umzügen wegen Sicherheitsauflagen, Versicherungsfragen und Verkehrsanordnungen ehrenamtlich kaum noch zu leisten sei. Der Befund deckt sich mit dem, was Vereine im Landkreis seit Jahren berichten.
Was das Land anbietet
Das Sozialministerium hat seit dem Start 2025 nach eigenen Angaben mehr als 25.000 Karten ausgegeben. Inhaber können rund 300 Angebote aus Bildung, Kultur und Sport nutzen, darunter freien Eintritt im Haus der Geschichte in Stuttgart. Von den 35 Landkreisen im Land beteiligen sich bislang vier: Böblingen, Calw, Esslingen und der Ostalbkreis.
Ob der Landkreis Rottweil seine Haltung noch einmal überprüft, lässt das Landratsamt offen. Eine Antwort auf die Frage, die Karrais aufwirft – wie sich Vereine und Ehrenamtliche von Vorschriften entlasten lassen –, würde ohnehin nicht im Kreistag fallen, sondern in Stuttgart und Berlin.