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„Ein sehr schlechtes Zeichen“: Altoberbürgermeister Engeser kämpft für den Bürgerempfang

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Bei der Verleihung der Bürgermedaille Rottweil: Gabi Schwarz erhält sie und eine Urkunde hier aus den Händen von Rottweils Oberbürgermeister Dr. Christian Ruf. Foto: Thomas Decker

Thomas J. Engeser stellt sich gegen die Pläne, den Bürgerempfang in der Stadthalle bis 2030 auszusetzen. Er war selbst Oberbürgermeister von Rottweil und hat einst die Bürgermedaille eingeführt. Eine billigere Anstecknadel findet er „unwürdig“. Damit die Goldnadel bleibt, bietet er 100 Euro aus eigener Tasche an.

Rottweil. Die Pläne von Stadtverwaltung und Fraktion SPD+FFR, den Bürgerempfang im Januar vorerst auszusetzen, stoßen auf Widerspruch. Er kommt von einem, der das Amt kennt: Altoberbürgermeister Thomas J. Engeser hat der NRWZ eine ausführliche Stellungnahme geschickt.

Zur Erinnerung: Die Fraktion SPD+FFR hatte beantragt, ganz auf den Empfang zu verzichten. Als Gründe nannte sie die Kosten von rund 10.000 Euro und den harten Sparkurs der Stadt, der auch Vereine und soziale Projekte trifft. Die Verwaltung schlägt vor, den Empfang von 2027 bis 2030 auszusetzen. In dieser Zeit soll die Bürgermedaille im historischen Ratssaal des Alten Rathauses verliehen werden, in kleinem Rahmen mit rund 40 Plätzen. Die Auszeichnung selbst soll günstiger werden: Die Medaille wäre nur noch goldfarben und ohne Edelmetall, die Anstecknadel nicht mehr aus 333er-Gold, sondern aus vergoldetem Silber. Eine Jahresrede des Oberbürgermeisters, auch online, ist nicht vorgesehen. Der Gemeinderat entscheidet am Mittwoch, 7. Oktober. Hier geht es zu unserem Bericht über die Vorlage.

Engeser hält das für den falschen Weg, obwohl der heutige Vorschlag eigentlich seiner eigenen Praxis entspricht. Zu seiner Amtszeit wurde die Bürgermedaille mit Anstecknadel eingeführt und im Alten Rathaus verliehen. Den großen Empfang in der Stadthalle mit Jahresrede gibt es erst seit 2010. Der kleine Kreis erreiche aber nur „engste Freunde und Weggefährten“, schreibt Engeser. Die Stadthalle dagegen biete einem „repräsentativen Querschnitt der Bürgerschaft“ die Gelegenheit, herausragendes Engagement kennenzulernen und sich daran ein Vorbild zu nehmen. Die Rede des Oberbürgermeisters versteht er als „Rechenschaftsbericht“ von OB, Gemeinderat und Verwaltung. Gerade in Zeiten von Des- und Falschinformationen sei sie notwendig.

Wir dokumentieren seine Stellungnahme im Wortlaut.


Die Stellungnahme im Wortlaut

Ich halte die Aussetzung oder gar die Streichung des Bürgerempfangs in der Stadthalle für ein sehr schlechtes Zeichen. Ich bin auch völlig unverdächtig, nicht objektiv zu sein: Es wurde zwar in meiner Zeit die Bürgermedaille mit der Anstecknadel eingeführt, nicht aber der Empfang und die Jahresrede in der Stadthalle. Damals habe ich die Bürgermedaille im Alten Rathaus in einer Feier übergeben, so wie es jetzt für die vier Jahre von der Verwaltung geplant ist.

Dennoch, diese Feier in einem größeren Rahmen und in Verbindung mit einer Bilanz des OB zu machen, halte ich für richtiger!

Im kleinen Kreis im Rathaus kommen und kamen jeweils nur engste Freunde und Weggefährten, die die zu ehrende Person ohnehin kennen. Der große Rahmen in der Stadthalle bietet aber einem repräsentativen Querschnitt der Bürgerschaft Gelegenheit, herausragendes Engagement zur Kenntnis und vielleicht zum Vorbild zu nehmen. Die Veranstaltung wurde immer sehr würdig gestaltet und ist in einer Bürgergesellschaft auch absolut richtig und notwendig.

Dass auch noch die Anstecknadel nun zu einer Blechnadel verkommen soll, ist bei den zu … vernachlässigenden … Kosten für die Anstecknadeln eigentlich unwürdig. Wenn sich weitere Sponsoren finden, würde ich bei Beibehaltung des jetzigen Materials – 333 Gold – 100 Euro spenden.

Auch die Ansprache und Bilanz des OB ist in den heutigen Zeiten mit Des- und Fakeinformationen, auch in Rottweil, richtig und notwendig. Sie ist nämlich keine Bühne für das, was der OB gemacht hat, sondern was OB, Gemeinderat und Verwaltung geleistet haben, und so gesehen ein Rechenschaftsbericht.

Ich würde mir sehr wünschen, dass der Gemeinderat zu einer anderen Entscheidung als dem von der Verwaltung gemachten Vorschlag kommt.

Thomas J. Engeser, Oberbürgermeister a. D.


Zum Hintergrund: Nach der Sitzungsvorlage kostet eine Bürgermedaille aus Feinsilber derzeit 318,92 Euro und eine Anstecknadel aus 333er-Gold 530,74 Euro. Bei drei Ehrungen pro Jahr sind das zusammen rund 2.550 Euro. Künftig soll die Nadel aus vergoldetem Silber sein (133,28 Euro), die Medaille goldfarben ohne Edelmetall (rund 15 Euro).

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