Er machte den Palmbühl bei Schömberg zu einem spirituellen Magnet in der Region. Tausende strömten zu den Messfeiern, Segnungen und Andachten am Wallfahrtsort im oberen Schlichemtal: Pater Kunibert. Im Alter von 89 Jahren ist der Franziskaner nun gestorben.
Das wurde bei der Sonntagsmesse gestern auf dem Palmbühl mitgeteilt. Gestorben ist Pater Kunibert Jendroszek, wie er mit vollem Namen hieß, bereits am 25. September in Fulda. Dass nicht früher darüber informiert wurde, geht offenbar auf einen persönlichen Wunsch Pater Kuniberts zurück.
Das passt zum franziskanischen Ideal von Armut und Bescheidenheit, das Pater Kunibert zeitlebens verkörperte – bis hin zu den Sandalen an den sockenlosen Füßen. Mit dieser aus einem tiefen Glauben gespeisten Haltung hat Pater Kunibert den Palmbühl geprägt.
Bis zu seinem Weggang im Oktober 2006 war er dort fast drei Jahrzehnte als Seelsorger tätig. Viele Palmbühl-Pilger ließen den gemütvollen Franziskaner mit seiner sonoren Stimme und barocken Erscheinung damals nur ungern ziehen.
Pater Kunibert war einem sinnlich-anschaulichen Katholizismus treu geblieben. Bewusst hatte er örtliche Traditionen und altes Liedgut gepflegt. So endet kaum eine Messfeier oder Andacht auf dem Palmbühl ohne ein Marienlied. Damit gab Pater Kunibert einer Volksfrömmigkeit Raum, die vielerorts Rückzugsgefechten ausgesetzt ist. Überfüllte Gottesdienste und der Andrang bei großen Festen im Palmbühl-Jahr wiesen dies jedoch als Erfolgsrezept aus.
Zu den Höhepunkten gehörte etwa die Tiersegnung mit Leonhards-Ritt Ende September. Das Fest hat historisch tiefe Wurzeln, wird doch bereits für das Jahr 1464 erstmals eine Kirche auf dem Palmbühl erwähnt, die dem heiligen Leonhard geweiht war.
Der Brauch, an diesem Tag Tiere zu segnen, ergänzte sich zudem ideal mit Traditionen des Ordens. „Es ist typisch franziskanisch, die Schöpfung in das Lob Gottes mit einzubeziehen“, erläuterte Pater Kunibert bei einem Gespräch mit der NRWZ 2006.
Der am 20. März 1937 in Nidda geborene und auf den Namen Helmut getaufte Franziskaner trat 1966 in seinen Orden ein. Von 1967 bis 1972 studierte er Theologie und Philosophie in Fulda, Münster und München. 1972 wurde er zum Priester geweiht. Danach lebte und arbeitete er ein Jahr lang in einem ökumenischen Lebenszentrum auf Schloss Craheim bei Schweinfurt. Nach einem Pastoralstudium in St. Peter im Schwarzwald war er drei Jahre in einer klösterlichen Begegnungsstätte in Wangen tätig. Anfang Oktober 1977 schließlich wurde Pater Kunibert Nachfolger der Patres Renatus Roth, Florentin Eisele und Manfred Bleuel auf den Palmbühl.
2006 ging er ins damalige Franziskaner-Konvent Weggental ,wo er ebenfalls in der Wallfahrtsseelsorge mitarbeitete, bevor er 2012 ins Kloster Frauenberg wechselte. 2016 wurde er nach Füssen versetzt und war dann ab 2018 als Hausgeistlicher bei den Franziskanerinnen im Kloster Bonlanden tätig. Im Herbst 2023 zog er um in die Seniorenkommunität im Theresienheim in Fulda, wo er ziemlich genau drei Jahre später „im Beisein lieber Menschen“, wie es in einer Mitteilung des Ordens heißt, verstarb.