Starb den Hitzetod: Baum wird abtransportiert. Foto: privat

Erste Jungbäume in Rottweil müssen ersetzt werden – wie Bürger den Stadtbäumen helfen können

Gießpatenschaften gibt es nicht, öffentliche Zapfstellen auch nicht. Die Stadt sagt, worauf es beim Gießen ankommt.

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Der BUND hat Bürgerinnen und Bürger dazu aufgerufen, Stadtbäumen durch die Trockenheit zu helfen – und empfiehlt, vorher bei der Stadt nachzufragen. Das haben wir für Rottweil getan. Die Antwort der Stadtverwaltung: Zusätzliches Gießen ist willkommen, das Wasser muss aber aus der eigenen Regentonne kommen. Und ein Ratschlag des BUND gilt in Rottweil ausdrücklich nicht.

ROTTWEIL. Es ist der Sommer, in dem in Rottweil selbst die Weinberge am Tropf der Trinkwasserleitung hängen. Seit dem 25. Juni gilt im Landkreis das Verbot, Wasser aus Bächen, Flüssen und Seen zu entnehmen. Stadt und Landkreis haben inzwischen bestätigt, dass sich alle daran halten und ihre Bäume aus dem Netz versorgen. Beim Landratsamt liegt seither genau eine Ausnahmegenehmigung vor.

Nun hat der BUND Baden-Württemberg einen ÖkoTipp veröffentlicht, der sich direkt an Anwohner richtet: Stadtbäume litten unter Hitze und Trockenheit, vor allem junge und flach wurzelnde. Trockenstress erkenne man an eingerollten, vergilbten Blättern. Wer helfen wolle, solle lieber selten und durchdringend gießen als täglich ein wenig – und vorher beim Grünflächenamt nachfragen, ob Unterstützung überhaupt erwünscht sei.

Genau das haben wir in Rottweil getan. Bürgermeisterin Ines Gaehn hat für die Stadtverwaltung geantwortet, und in einem Punkt weicht sie vom BUND ab: Der Naturschutzverband nennt Pflanzstäbe als Hinweis darauf, dass sich bereits eine Pflegefirma um einen Jungbaum kümmert. In Rottweil gilt das nicht. Aus einem Pflanzstab lässt sich hier nichts darüber ableiten, ob und von wem ein Baum gegossen wird.

Auch die zweite Empfehlung des BUND läuft in Rottweil ins Leere: Öffentliche Wasserpumpen oder Entnahmestellen für die private Baumbewässerung gibt es nicht. Bleibt die Regentonne – denn das Entnahmeverbot gilt auch für die Gießkanne am Bach.

Und die Stadt räumt ein, was viele im Stadtbild bereits sehen: An einzelnen Bäumen sind Trockenschäden festzustellen, einige Jungbäume werden voraussichtlich ersetzt werden müssen. Wie schwer dieser Sommer wirklich gewirkt hat, wird sich teilweise erst im kommenden Jahr zeigen.

Die Fragen und Antworten im Wortlaut:

NRWZ: Gibt es in Rottweil Gießpatenschaften oder eine andere organisierte Form, in der Bürgerinnen und Bürger Straßenbäume mitversorgen können? Falls nein: Ist Unterstützung von Privatleuten überhaupt erwünscht?

Ines Gaehn: Eine flächendeckend organisierte Gießpatenschaft für städtische Straßenbäume gibt es in Rottweil derzeit nicht. Die notwendige Pflege und Bewässerung der städtischen Bäume bleibt Aufgabe der Stadt beziehungsweise der von ihr beauftragten Unternehmen.

Zusätzliche freiwillige Unterstützung durch Bürgerinnen und Bürger ist aber willkommen, insbesondere bei jungen Bäumen in der Anwachsphase. Die Stadt selbst bewässert Jungbäume bedarfsorientiert. In ausgeprägten Hitze- und Trockenperioden werden sie in der Regel wöchentlich versorgt, bei normaler Witterung in größeren Abständen.

Wer einen Straßenbaum vor der eigenen Haustür zusätzlich mit Wasser versorgen möchte, kann dies gerne tun. Hilfreich ist insbesondere eine ausreichende Wassermenge in größeren Abständen. Veränderungen an Baumscheiben oder anderen städtischen Einrichtungen sollten dabei nicht vorgenommen werden.

Was sollten Bürger beachten, wenn sie einen Baum vor ihrer Tür gießen – Wassermenge, Häufigkeit, Bodenverhältnisse?

Entscheidend ist eine bedarfsgerechte und möglichst durchdringende Bewässerung. Wie viel Wasser ein Baum benötigt, hängt unter anderem von Alter und Art des Baumes, Standort, Größe der Baumscheibe und Bodenbeschaffenheit ab.

Gerade junge Bäume haben in den ersten Jahren nach der Pflanzung einen erhöhten Wasserbedarf. Bei schweren beziehungsweise lehmigen Böden sollte langsam und gegebenenfalls in mehreren Portionen gegossen werden, da das Wasser dort langsamer versickert. Staunässe sollte vermieden werden.

Grundsätzlich ist es sinnvoller, bei Bedarf gründlich zu wässern, als täglich nur sehr geringe Wassermengen auszubringen. Möglichst sollte dabei die gesamte Baumscheibe beziehungsweise der durchwurzelte Bereich und nicht ausschließlich der unmittelbare Stammfuß bewässert werden.

Woher soll das Wasser kommen, solange das Entnahmeverbot gilt? Gibt es in Rottweil öffentliche Pumpen oder Entnahmestellen, oder bleibt nur Regenwasser aus der eigenen Tonne?

Für Bürgerinnen und Bürger ist gesammeltes Regenwasser eine besonders sinnvolle Möglichkeit zur zusätzlichen Bewässerung. Eine Entnahme aus Bächen, Flüssen oder anderen oberirdischen Gewässern ist während des geltenden Entnahmeverbots dagegen nicht zulässig – auch nicht mit Eimern oder Gießkannen.

Öffentliche Entnahmestellen speziell für die private Bewässerung von Straßenbäumen gibt es in Rottweil nicht. Die zusätzliche Bewässerung durch Bürgerinnen und Bürger ist freiwillig; die reguläre Versorgung der städtischen Jungbäume bleibt Aufgabe der Stadt.

Woran erkennen Bürger, welche Bäume bereits betreut werden? Der BUND nennt Pflanzstäbe als Hinweis auf eine beauftragte Pflegefirma – gilt das in Rottweil ebenso?

Nein. Ein Pflanzstab ist in Rottweil nicht grundsätzlich eine Kennzeichnung dafür, dass ein Baum durch eine bestimmte Pflegefirma betreut wird. Daraus lässt sich daher nicht zuverlässig ableiten, ob und durch wen ein Baum bewässert wird.

Insbesondere bei neu gepflanzten Bäumen übernimmt die Stadt beziehungsweise übernehmen von ihr beauftragte Unternehmen die notwendige Pflege und Bewässerung während der Anwachsphase.

Eine zusätzliche Bewässerung durch Bürgerinnen und Bürger kann bei anhaltender Trockenheit trotzdem hilfreich sein, sofern sie in angemessenem Umfang erfolgt.

Wie ist der Zustand der Rottweiler Stadtbäume in diesem Sommer? Gab es bereits Ausfälle, und kam es zu Grünastbrüchen, die zur Gefahr für Passanten wurden?

Die anhaltenden Hitze- und Trockenperioden stellen insbesondere für junge Bäume eine Belastung dar. Trockenschäden sind bei einzelnen Bäumen festzustellen; einige Jungbäume werden voraussichtlich ersetzt werden müssen. Eine abschließende Bewertung der Auswirkungen dieses Sommers wird teilweise erst im kommenden Jahr möglich sein.

Bei einigen Baumarten ist bereits jetzt ein vorzeitiger Laubabwurf zu beobachten, beispielsweise bei Birken. Das bedeutet nicht automatisch, dass ein Baum vertrocknet oder dauerhaft geschädigt ist. Der Laubabwurf kann eine Reaktion auf Hitze und Trockenheit sein.

Die städtischen Bäume unterliegen der turnusmäßigen Baumkontrolle. Bei Auffälligkeiten erfolgen zusätzliche Kontrollen und, soweit erforderlich, Sicherungsmaßnahmen. Auffällige Bäume oder Äste, von denen möglicherweise eine Gefahr ausgeht, können Bürgerinnen und Bürger der Stadtverwaltung melden. Eigene Schnitt- oder Sicherungsmaßnahmen an städtischen Bäumen sollten dagegen nicht vorgenommen werden.

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