Ein langer Weg sei es gewesen bis hierhin, betonte Bettina Schuler-Kargoll am Freitagabend beim Richtfest für die neue Halle der Firma Schuler Rohstoffe in Deißlingen. Aber auch eine strategische Entscheidung mit Weitblick, sich schon 2012 für Kunststoffrecycling zu entscheiden, angesichts stetig rückläufiger Zahlen beim Metallschrott. Allein drei Jahre habe es gedauert, die Baugenehmigung zu bekommen, beim Brandschutz sei es noch länger gegangen. „Andere Firmen hätten vielleicht die Reißleine gezogen. Wir haben weitergemacht.” Und irgendwie „ist es fast schon typisch für uns, in Krisenzeiten zu bauen”, so die Geschäftsführerin.
Mit dem Kauf der Firma Neidhardt in Memmingen im Jahr 2017, einem erfahrenen Kunststoffrecyclingbetrieb, habe man sich am Markt bestärkt. Die neue Halle in Deißlingen dient der aufwändigen Sortierung und getrennten Lagerung der vielen verschiedenen Kunststoffe, die dann in Memmingen zu Re-Granulat verarbeitet werden und so wieder in die Produktion gehen. Mindestens 30 Prozent Rezyklat-Anteil müssen die Betriebe laut Vorschrift verwenden. Man merke nun, dass die Firmen wegen der Blockade der Straße von Hormus infolge des Iran-Konflikts verstärkt auf Recyclingmaterial zurückgreifen. Denn der Krieg sorge nicht nur für höhere Öl- und damit auch Kunststoffpreise, sondern auch für eine Verknappung der Rohstoffe.
Zudem arbeitet man bei Schuler auch an der Entwicklung von neuen Kunststoffen, wie Bettina Schuler-Kargoll im Gespräch mit unserer Zeitung betont. „Es wäre großartig, wenn wir einen Ersatz für die umstrittenen PFAS-Stoffe finden würden.” Eine andere Sache hat man bereits entwickelt: Die Boxen für die vielen unterschiedlichen Kunststoffe, die sorgfältig voneinander getrennt sein müssen, sind so konzipiert, dass sie in die schon bisher genutzten Abrollcontainer passen und damit einfach verladen werden können.
Da das Einschmelzen der Kunststoffe sehr energieaufwändig ist, nutzt man in Memmingen auch Solarstrom, der allerdings nicht ausreicht. In Deißlingen hingegen ist der Strom von den Hallendächern mehr als ausreichend, daher werden hier bereits die ersten E-LKW getestet. Für Bettina Schuler-Kargoll passt das perfekt: Die LKWs fahren keine allzu großen Strecken zu den Firmen in der Region, und über Nacht können sie dann geladen werden.
Bettina Schuler-Kargoll bedankte sich bei ihren Mitarbeitern und den Handwerkern der beteiligten Firmen nicht nur mit Worten, sondern auch mit einem Grillfest samt Bier-Wagen, den die Baufirma Höbel spendierte – mit Zötler-Bier, zu dem die Schulers eine familiäre Beziehung haben, wie die Geschäftsführerin betonte: Eine Tante von ihr hat einst den damaligen Brauereibesitzer geheiratet.



