Hakenkreuz an der Eschachschule Dunningen: Bürgermeister lobt 1000 Euro aus – und spricht lediglich von Vandalismus

Am Sonntagmittag war die Farbe noch da, die Kommentarspalte offen. Anfragen der NRWZ blieben unbeantwortet.

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"Hitler ist Beste": Eingangsbereich der Eschachschule Dunningen. Foto: Peter Arnegger

An der Eschachschule Dunningen haben Unbekannte über das Wochenende großflächig Parolen gesprüht, darunter ein Hakenkreuz und der Schriftzug „Hitler ist beste“. Bürgermeister Peter Schumacher hat Fotos davon selbst veröffentlicht und 1000 Euro Belohnung ausgesetzt. In seinem Text kommt das Hakenkreuz nicht vor. Am Sonntagmittag war nichts entfernt – an diesem Montag beginnt das neue Schuljahr.

Der überdachte Eingangsbereich zweier Gebäude der Eschachschule Dunningen ist mit gelblicher Farbe besprüht: das Ganztagesgebäude und der Trakt mit den Fach- und Klassenräumen. An einer Außenwand neben einer Toilettentür prangt ein riesiges Hakenkreuz. Unmittelbar neben dem Schild „Eschachschule Dunningen – Gemeinschaftsschule“ steht „Hitler ist Beste“, daneben ein gemaltes Herz. An einer Betonstütze der Glasfassade zum Pausenhof steht senkrecht „Hitler“.

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Foto: Peter Arnegger

Wenige Meter weiter, an derselben Wand, steht „Fick AfD“. Dazwischen und an der Eingangstür zum Sekretariat finden sich massive Beschimpfungen, darunter „Hurensöhne“ und „dumme Leute gehen rein“. Mehrfach sind Vornamen gesprüht, offenbar von Schülerinnen und Schülern, verbunden mit sexuellen Beleidigungen. Die NRWZ nennt die Namen nicht.

Der Post des Bürgermeisters

Bürgermeister Peter Schumacher (FWV) veröffentlichte am späten Samstagvormittag, 12. September, eine Bilderstrecke der Schmierereien auf Facebook und Instagram. Die Namen sind auf den Fotos lesbar. Er schreibt von „primitiver und sinnloser Zerstörungswut“, der Schaden sei „immens“, die Fassade müsse neu gestrichen, das Hausmeisterauto neu lackiert werden. An die Urheber gewandt: „Hut ab. Eine Schule beschmieren und andere den Dreck wegmachen lassen zeigt von ganz niederer Intelligenz.“

Hinweise, so der Post, könnten „direkt an die Gemeinde Dunningen erfolgen“. Für Angaben, die zur Ergreifung der Täter führen, stellt Schumacher 1000 Euro in Aussicht. Das Hakenkreuz erwähnt er nicht, ebenso wenig die Hitler-Parolen. Auf Instagram ist die Bilderstrecke mit dem Song „Loser“ von Beck unterlegt.

Ein Hakenkreuz an einem Gebäude ist keine Sachbeschädigung wie jede andere. Das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen ist nach Paragraf 86a des Strafgesetzbuchs strafbar und wird von Amts wegen verfolgt; zuständig sind in solchen Fällen üblicherweise die Staatsschutzdienststellen der Polizei. Eine Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Konstanz zu dem Fall liegt nicht vor.

Was unter dem Beitrag passierte

In den Kommentaren begannen Nutzer binnen Stunden, mutmaßliche Täter zu benennen – mit Vornamen, teils mit vollständigem Namen. Ein Kommentar verhöhnte einen der Genannten wegen einer angeblichen Behinderung. Gegen einen erwachsenen Nutzer wurden unbelegte Vorwürfe erhoben, die bis zur Behauptung einer Beteiligung an fremdenfeindlichen Ausschreitungen reichten. Instagram blendete einen Teil der Kommentare von sich aus als möglicherweise beleidigend aus.

Den meistgelikten Kommentar unter dem Beitrag – „Rechtschreibung lässt tief blicken“ – markierte Schumacher mit einem Herz.

Es gab auch andere Stimmen. Ein Nutzer bot an, ehrenamtlich beim Überstreichen zu helfen, damit die Kinder einen guten Start ins Schuljahr hätten: „Gerade in solchen Momenten müssen wir als Gesellschaft zeigen, dass wir resilient sind und zusammenhalten und Hass keinen Raum geben.“ Eine Nutzerin fragte als Einzige danach, wie es den namentlich Erwähnten damit ergehe.

Die Reichweite wuchs schnell: Am Samstagmittag zählte der Instagram-Beitrag 130 Likes und 68 Weiterleitungen, am Sonntagmittag 387 Likes und 348 Weiterleitungen. Dunningen hat rund 6300 Einwohner.

Keine Antwort, keine Farbe entfernt

Die NRWZ hat Schumacher am Sonntagmittag gefragt, ob Anzeige erstattet wurde, warum Hinweise an die Gemeinde und nicht an die Polizei gehen sollen, warum der politische Gehalt der Schmierereien in seinem Beitrag nicht vorkommt und ob er die Kommentare mit den Namen entfernen werde. Bis Sonntagnachmittag blieben die Fragen unbeantwortet, der Beitrag stand unverändert online, die Kommentare blieben offen. Auch das Polizeipräsidium Konstanz antwortete bis Redaktionsschluss nicht auf die Frage, ob eine Anzeige vorliegt und ob der Staatsschutz ermittelt.

Am Sonntag um 12.30 Uhr waren sämtliche Schmierereien vollständig vorhanden. Schulträger ist die Gemeinde Dunningen, deren Verwaltungschef Schumacher ist. Eine Videoüberwachung gibt es an den betroffenen Gebäuden nicht; die Geräte an den Eingängen sind Bewegungsmelder und Lautsprecher für Durchsagen.

Schumacher ist seit 2019 Bürgermeister von Dunningen, im März 2025 wurde er ohne Gegenkandidat mit 98,81 Prozent im Amt bestätigt. Er gehört auch dem Kreistag an. Den Beitrag veröffentlichte er nicht auf seinem privaten Profil, sondern auf der Seite, die ihn als Bürgermeister ausweist und auf der er regelmäßig Verwaltungsvorgänge teilt. Im Impressum dieser Seite ist er persönlich als Verantwortlicher genannt, mit privater Anschrift und privater E-Mail-Adresse.

Das Schulgebäude ist vergleichsweise neu: Der rund sechs Millionen Euro teure Neubau wurde im April 2019 eingeweiht, vier Millionen davon trug die Gemeinde. Zuletzt hatte es im Oktober 2024 an einer Rottweiler Grundschule verfassungsfeindliche Schmierereien gegeben; die Stadt erstattete damals Anzeige.

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