Auf Maria Hochheim wird derzeit kräftig gearbeitet. Eng verbunden mit dem Ort ist der schon 1671 belegte „Hauchemer Mesmer“. In dessen Tradition steht Josef Digeser.
In und um Irslingen ist die Figur sprichwörtlich: Wenn jemand vor lauter Arbeit nicht mehr weiß, wo er anfangen soll, ist er „überlenkt wie der Hauchemer Mesmer“. Verknüpft ist der Ausspruch mit einem Augenzwinkern – aber auch mit Respekt.
Denn auf der faulen Haut lag der legendäre „Hauchemer Mesmer“ wahrlich nicht. Die Redensart nimmt Bezug auf die Blütezeit der Wallfahrten auf Maria Hochheim im späten 17. und 18. Jahrhundert bis zum jähen Abbruch in der napoleonischen Zeit.
„Hauchen“ war damals ein rege frequentierter Ort. Nicht nur lenkte die Rottweiler „Staatswallfahrt“ die halbe Einwohnerschaft der Reichsstadt dorthin. Auch aus anderen Richtungen strömten die Pilger.
Allein aus Epfendorf führten jährlich sieben Feiern und Bittgänge zur „Hauchemer“ Kapelle die damals wesentlich größer war. Hinzu kamen drei aus Dietingen sowie etliche Prozessionen aus anderen Dörfern. Maria Hochheim übertraf damit die Bedeutung von Heiligenbronn und dem Dreifaltigkeitsberg als Ziel von Wallfahrten deutlich.
Nutznießer und zugleich Leidtragender dieser Hochkonjunktur war der „Hauchemer Mesmer“. Der erste Inhaber dieses Ates, der sich historisch belegen lässt hieß Martin Mayer Der Legende zufolge ballten sich für ihn oder einen seiner Nachfolger einmal mehrere Herausforderungen: Die Ehefrau lag im Kindbett, fiel als helfende Hand also aus, im Stall war eine Kuh am Kalben, die Bienen schwärmten aus – und obendrein zogen aus drei Himmelsrichtungen gleichzeitig Prozessionen auf „seine“ Kirche zu.

Ganz so trubelig geht es auf Maria Hochheim schon länger nicht mehr zu – auch wenn der Ort seit Gründung des Freundeskreises Maria Hochheim e.V. 2017 eine erstaunliche Neubelebung erfahren hat. Und doch gab es auch in sehr ruhigen Zeiten, als der Ort fast in einen Dornröschenschlaf gefallen schien, immer jemanden, der ein aufmerksames Auge auf die Kapelle hatte: Josef Digeser.
Er ist von Kindesbeinen an Nachbar des „Hauchemer“ Kirchleins. Lange Jahre betrieb Josef Digeser keine hundert Meter entfernt einen Sägereibetrieb. Zur Hauchemer Kapelle hatten er und die ganze Familie, wie er im Gespräch mit der NRWZ erzählt, immer eine besondere Beziehung – nicht nur, weil das bis in die Siebzigerjahre bewohnte Mesmerhaus samt Grundstück den Digesers bis vor wenigen Jahren gehörte.


Die Familie beging dort Jubiläen und besondere Anlässe, feierte und feiert Feste – etwa den Josefstag am 19. März. Sie hielt den Ort auch als seine Beliebtheit nachließ in Ehren – und kümmerte sich in einem ganz alltäglichen Sinne darum, dass es auf „Hauchen“ gepflegt und ordentlich aussah.

„Mesmer“ im engen Sinne, also verantwortlich für die Vorbereitung der liturgischen Geräte, Kleidung und weitere Textilien für den Gottesdienst, war Josef Digeser nie. Aber wenn man den Begriff näher betrachtet, ergibt sich ein anderes Bild: „Mesmer“ ist abgeleitet vom lateinischen „mansionarius“, was so viel meint wie „Haushüter“. Auch der weiter nördlich gebräuchliche Ausdruck „Küster“ hat eine ähnliche Bedeutung: „custos“ heißt „Wächter“.
In diesem Sinne des Hütens und Bewachens kann Josef Digeser durchaus in der schönen Tradition „Hauchemer Mesmer“ gesehen werden. Und das bis auf den heutigen Tag. Denn auch wenn mittlerweile andere aus der Familie das Kirchlein täglich auf- und abschließen, frische Blumen aufstellen und nach dem Rechten schauen: Auch mit über 90 Jahren nimmt Josef Digeser noch rege Anteil am Geschehen auf „Hauchen“. Dieser Tage etwa beobachtet er die Bauarbeiten. Und freut sich, dass auch das Mesmerhaus mit der jüngst begonnenen Sanierung nun in eine gute Zukunft geführt wird – in der es mit etwas Glück vielleicht zumindest gelegentlich so quirlig zugeht wie zu Zeiten des legendär „überlenkten“ Hauchemer Mesmers.
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