Rottweil – Unter dem Titel „Pluriversum – Stimmen aus aller Welt – Impulse für eine gute Zukunft“ findet am Samstag, 14. November, um 19.30 Uhr ein multimedialer Abend in der Auferstehung-Christi-Kirche in Rottweil statt. Zu Gast ist der Ökonom Alberto Acosta, ehemaliger Präsident der verfassungsgebenden Versammlung Ecuadors. Veranstalter sind die keb Kreis Rottweil und das evangelische Bildungswerk SüdwestWürttemberg.

Bei dem Abend trifft nach Angaben der Veranstalter lateinamerikanische Musik der Grupo Sal auf Geschichten und Perspektiven aus aller Welt und eine Multimediainstallation. Im Mittelpunkt stehen Fragen nach einem guten Leben für alle. Die Veranstalter arbeiten dafür mit weiteren Kooperationspartnern aus der Region zusammen.
Alberto Acosta machte laut Mitteilung das indigene Konzept des „Buen Vivir“ international bekannt. Teresa Vicente wird digital zugeschaltet. Sie setzt sich in Spanien für den Schutz des Mar Menor ein, Europas größter Salzwasserlagune. Außerdem bringen Menschen, die sich in Initiativen aus Rottweil und der Region engagieren, ihre Erfahrungen und Perspektiven ein.
Der Eintritt kostet 14 Euro, ermäßigt 5 Euro.
Vorab hat die Verfasserin der Mitteilung ein Gespräch mit Acosta geführt, dessen Antworten in der Mitteilung wiedergegeben werden. Auf die Frage, was für ihn „gutes Leben“ bedeutet, sagt Acosta: „Wenn wir genauer analysieren, was Fortschritt bedeutet, erkennen wir, dass es sich um ein zerstörerisches Gespenst handelt.“ Die Länder des globalen Südens seien derzeit gezwungen, die Lebensweisen der reichen Länder zu kopieren, während ihre eigenen Fähigkeiten und Lebensgrundlagen zerstört würden. Unter den Alternativen zur Entwicklung hebt er das „Buen Vivir“ hervor. Es ebne „den Weg zu einem würdigen Leben für alle Menschen und nichtmenschlichen Lebewesen“.
Zum „Pluriversum“ sagt er: „Es ist wichtig zu verstehen, dass das Pluriversum uns zeigt, dass wir eine Welt brauchen, in der viele Lebensentwürfe Platz finden und in der alle Lebewesen ein würdiges Leben führen können.“ Nicht geben dürfe es „Gesellschaften, die reich werden, indem sie andere Völker ausbeuten und die Natur zerstören, um ihren Wohlstand zu sichern“. Gemeinsam mit der Grupo Sal habe er deshalb diese Konzert- und Dialogreihe ins Leben gerufen, an der Menschen aus verschiedenen Teilen der Welt teilnehmen.
Was sich seiner Ansicht nach ändern muss, beantwortet Acosta zurückhaltend: Er gebe nicht gerne Ratschläge. Eine der ersten Aufgaben bestehe aber darin, das Leben zu entschleunigen, sich auf die Zyklen der Natur einzustimmen, sich vom Überkonsum zu befreien und „die neue gesellschaftliche Krankheit des radikalen Individualismus zu überwinden“. Das „Gute Leben“ sei „für alle da und nicht das ‚Dolce Vita‘ für wenige“.
Auch den Menschen in Rottweil will er keine Rezepte vorgeben, zumal er die Verhältnisse vor Ort nicht kenne. Er sagt: „Wir brauchen mehr Gemeinschaft und mehr Freude am Leben.“ Zwischenmenschliche Beziehungen müssten auf Respekt, Solidarität, Verbundenheit und Gleichberechtigung beruhen. Alle Menschen seien als Bereicherung und nicht als Bedrohung zu betrachten. Der Respekt vor der Natur sei die Grundlage für die Freiheit der heutigen und vor allem der zukünftigen Generationen.