Rottweil – Am 3. Oktober ist am Oberrotenstein in Hausen die Skulptur „Der Schreitende“ des verstorbenen Bildhauers Herbert Goeser am Kunstpfad eingeweiht worden. Sie steht zwischen Tobias Kammerers Skulpturenpark und dem Kunstdünger auf der anderen Seite Hausens und ist das ganze Jahr zu sehen. Beim Kunsttag zeigten außerdem Künstlerinnen und Künstler Werke in der Ku(h)nstscheune und im Atelier Kammerers.

Der Kunsttag am 3. Oktober am Oberrotenstein verbindet Hobbykunst und Kunsthandwerk mit Werken zeitgenössischer Kunst. Auch in diesem Jahr öffnete Corinna Lange ihre „Ku(h)nstscheune“ für mehrere Künstlerinnen und Künstler aus Hausen und Umgebung. Statt Strohballen lag diesmal Sandboden in der Scheune, sodass die zahlreichen Besucherinnen und Besucher ein wenig Urlaubsstimmung erleben konnten. Gezeigt wurden Werke von Ulrike Bothner-Clemens, Ingrid Schatter, Heidrun Nastold, Marianne Müller und Werner Nörenberg.
Die Skulptur „Der Schreitende“ von Herbert Goeser schmückt nun den Kunstpfad zwischen Tobias Kammerers Skulpturenpark und dem Kunstdünger auf der anderen Seite Hausens. Kammerer schätzte und achtete Goeser als Wettbewerber und beschrieb ihn als stillen Arbeiter. Goeser sei ein Könner in Sachen Bildhauerei gewesen, dessen Werk man den Einfluss Alfred Hrdlickas ansehe, bei dem er laut Mitteilung studiert hat. In der hiesigen Kunstszene blieb er weitgehend unbekannt, obwohl er viele Jahre in Horgen lebte und arbeitete. „Er legte seinen Schwerpunkt auf Qualität, nicht aufs Schwätzen“, heißt es über ihn. An seiner posthumen Bekanntheit „arbeiten wir!“. Joachim Sauter verwaltet Goesers Nachlass und beantwortete zusammen mit Matthias Graf-Hetzler und Kammerer Fragen zum neuen Werk.
Die Bronzeskulptur beschrieb Graf-Hetzler, der auch die Eröffnung übernahm. Der Torso sei vielleicht ein Bild des kopflosen und damit sorglosen Menschen, wie ihn auch Herbert Grönemeyer beschrieben habe. Zugleich sei es die Reduktion auf den Körper im Stil Rodins oder Giacomettis, eine Fokussierung, eine Nahaufnahme. Dem Schreitenden fehlt der rechte Arm. Für Goeser, Jahrgang 1955, könne das ein Symbol für die Untaten der Nazis sein. Mit Blick auf die Entstehungszeit der Skulptur sei es möglicherweise auch ein Hinweis auf die damalige Erkenntnis, dass es ein Umdenken brauche statt immer mehr Industrialisierung samt Umweltzerstörung. Die Skulptur steht passenderweise unter einem Apfelbaum.
Im Atelier von Tobias Kammerer zeigte Achim Ketterer seine Malerei, die viele Interessierte fand. Auch ihn hat sein Lehrmeister Markus Lüpertz stark beeinflusst. Umgekehrt beeindruckte Ketterer ihn mit Skizzen von Tänzerinnen und Aktzeichnungen, wie in einem Film zu sehen war. Ketterers Malerei lässt viel Raum für Interpretation, setzt aber auch deutliche politische Statements: Trümmergebäude aus Gaza, verfallende Betonarchitektur aus Zeiten des Kommunismus, brennende Feuerwehrleute unter einem Löschflugzeug, das Feuer statt Wasser abwirft. „Schönheit des Grauens“ nannte Graf-Hetzler diese Werke. Sie waren nur an diesem Tag am Oberrotenstein ausgestellt.
„Der Schreitende“ dagegen ist das ganze Jahr über zu sehen, ebenso wie Chantal Coutus Schaf „Gwendoline“. Am 3. Oktober 2027 wird es nach der Mitteilung ein drittes Werk für den entstehenden Kunstpfad geben. Den Abschluss des Kunsttages bilden wie jedes Jahr erleuchtete Glasskulpturen – so dürfte es nach der Mitteilung auch dann sein.