Viele Verkehrsunfälle entstehen bei alltäglichen Fahrmanövern. Neue Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen, welche Fehler besonders häufig vorkommen. Worauf Autofahrer achten sollten – und warum die Statistik mehr erzählt als einen Vergleich zwischen Männern und Frauen.
- Welche Fehler häufig zu Unfällen führen
- Beim Abbiegen nicht nur auf Autos achten
- Abstand mit einer einfachen Regel überprüfen
- Das Tempolimit ist nicht immer das passende Tempo
- Was die Unterschiede zwischen Männern und Frauen aussagen
- Verkehrssicherheit endet nicht mit der Fahrprüfung
- Quellen und weitere Informationen

Einmal beim Abbiegen nicht richtig geschaut, zu dicht aufgefahren oder bei schlechter Sicht zu schnell unterwegs: Die bundesweite Unfallstatistik für 2025 zeigt typische Gefahren im Straßenverkehr. Fehler beim Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren sowie beim Ein- und Anfahren stehen bei männlichen wie weiblichen Fahrzeugführern an erster Stelle der erfassten Fehlverhalten bei Unfällen mit Personenschaden.
Welche Fehler häufig zu Unfällen führen
Die Statistik zeigt bei Männern und Frauen ähnliche Gefahrenpunkte. Die Reihenfolge unterscheidet sich allerdings. Die folgende Auswahl enthält vier häufig erfasste Fehlergruppen.
| Erfasstes Fehlverhalten | Männer | Frauen |
|---|---|---|
| Fehler beim Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren sowie Ein- und Anfahren | 14,4 % | 17,6 % |
| Zu geringer Abstand | 13,2 % | 12,9 % |
| Nicht angepasste Geschwindigkeit | 12,9 % | 9,6 % |
| Missachtung von Vorfahrt und Vorrang | 10,7 % | 16,1 % |
Die Prozentwerte beschreiben die Verteilung der erfassten Fehler innerhalb der jeweiligen Gruppe. Sie geben nicht an, welcher Anteil aller Männer oder Frauen am Steuer einen solchen Fehler begeht. Bei einem Unfall können mehrere Fehlverhalten erfasst werden.
Beim Abbiegen nicht nur auf Autos achten
Die größte Fehlergruppe umfasst mehrere Manöver. Die Zahlen sagen deshalb nicht, welches einzelne Manöver innerhalb dieser Gruppe am häufigsten schiefging.
Beim Abbiegen gilt besondere Aufmerksamkeit den Menschen, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs sind. Radwege und Seitenräume sollten frühzeitig beobachtet werden – besonders dann, wenn parkende Autos, Hecken oder Werbetafeln die Sicht einschränken. Beim Rechtsabbiegen gehört der Schulterblick dazu. Radfahrende und Fußgänger mit Vorrang müssen passieren können; der Radweg sollte beim Warten nicht blockiert werden.
Abstand mit einer einfachen Regel überprüfen
Zu geringer Abstand stand bei Männern an zweiter und bei Frauen an dritter Stelle der erfassten Fehlverhalten. Der Anteil lag mit 13,2 beziehungsweise 12,9 Prozent fast gleichauf.
Entscheidend ist, dass das eigene Auto auch dann rechtzeitig zum Stehen kommen kann, wenn das Fahrzeug davor unerwartet bremst. Für Autobahnen und Landstraßen nennt der ADAC bei guten Bedingungen als Faustregel den halben Tachowert in Metern: Bei Tempo 100 sind das mindestens 50 Meter. Bei schlechten Sicht- und Straßenverhältnissen muss der Abstand größer werden.
Praktisch lässt sich die Lücke mit der Zwei-Sekunden-Regel kontrollieren:
- Einen markanten Punkt am Straßenrand auswählen, etwa einen Baum.
- Sobald das vorausfahrende Fahrzeug diesen Punkt passiert, langsam „21, 22“ zählen.
- Den Punkt frühestens nach zwei Sekunden selbst erreichen.
Wer vorher dort ankommt, fährt zu dicht auf. Bei ungünstigen Bedingungen ist mehr Sicherheitsabstand nötig.
Das Tempolimit ist nicht immer das passende Tempo
Nicht angepasste Geschwindigkeit machte bei Männern 12,9 Prozent der erfassten Fehlverhalten aus, bei Frauen 9,6 Prozent.
Gerade im Herbst kommt es darauf an, die Geschwindigkeit an Sicht und Fahrbahn anzupassen. Der ADAC rät bei Regen und Nebel zu weniger Tempo und mehr Abstand. Beträgt die Sichtweite durch Nebel oder Starkregen weniger als 50 Meter, sind auch auf Autobahnen höchstens 50 km/h erlaubt. Je nach Situation kann selbst das noch zu schnell sein.
Bei schlechten Sicht- und Straßenverhältnissen empfiehlt der ADAC außerdem, den Sicherheitsabstand gegenüber den Faustregeln für gute Bedingungen zu verdoppeln. Aus 40 Metern bei Tempo 80 werden dann beispielsweise 80 Meter.
Was die Unterschiede zwischen Männern und Frauen aussagen
| Kennzahl für 2025 | Männer | Frauen |
|---|---|---|
| Als Hauptverursacher eingestufte Personen unter den unfallbeteiligten Pkw-Fahrern des jeweiligen Geschlechts | 58,9 % | 53,8 % |
| Anteil an allen im Straßenverkehr Verunglückten | 58,2 % | 41,8 % |
| Anteil an allen im Straßenverkehr Getöteten | 73,6 % | 26,4 % |
Wichtig für die Einordnung: Die erste Zeile vergleicht die Hauptverursacherquoten innerhalb zweier Gruppen bereits unfallbeteiligter Pkw-Fahrer. Die anderen Zeilen zeigen, wie sich Verunglückte beziehungsweise Getötete im gesamten Straßenverkehr auf Männer und Frauen verteilen. Die Werte erlauben keinen unmittelbaren Vergleich des Unfallrisikos pro gefahrenem Kilometer.
Destatis nennt für die Unterschiede mehrere Hintergründe: Männer nehmen insgesamt mehr am Straßenverkehr teil und nutzen häufiger Verkehrsmittel mit schweren Unfallfolgen, etwa Motorräder. Zugleich deuten die Ergebnisse zu den Unfallursachen laut Bundesamt auf vorsichtigeres Verhalten von Frauen hin.
Verkehrssicherheit endet nicht mit der Fahrprüfung
Der TÜV-Verband nimmt die Zahlen zum Anlass, mehr Verkehrssicherheitsbildung zu fordern. Mobilitätsbildung müsse Menschen von der Grundschule bis ins hohe Alter begleiten und dürfe nicht mit dem Führerscheinerwerb enden, erklärt Fani Zaneta, Referentin für Fahrerlaubnis, Fahreignung und Verkehrssicherheit.
Der Verband sieht dabei nicht allein die Verkehrsteilnehmer in der Verantwortung. Er fordert auch eine „fehlerverzeihende Verkehrsinfrastruktur“, damit menschliche Fehler nicht unmittelbar tödliche Folgen haben. Für Auto- und Motorradfahrer mit sechs oder sieben Punkten in Flensburg möchte der TÜV-Verband zudem verpflichtende Fahreignungsseminare einführen lassen. Das ist eine Forderung des Verbands, keine neue Vorschrift.