Menschen aus 50 Nationen leben in Rottweil, 36 Prozent der Rottweiler haben Migrationshintergrund. Warum dann eigentlich nicht deren Feste gemeinsam mit Weihnachten, Ostern, Dreikönig, Fasnet und Erntedank in einem Kalender zusammenbringen? Diese Idee hat jetzt Christine Ott, die Integrationsbeauftragte der Stadt Rottweil, zusammen mit der Jugendkunstschule Kreisel und vielen Unterstützern umgesetzt.
Rottweil – Am Donnerstagabend wurde der interkulturelle Kalender 2027 mit einer Vernissage im Alten Rathaus vorgestellt. „Rottweil feiert“ heißt er, und das passte ausgezeichnet, denn es wurde auch gefeiert: Die Besucher drängten sich auf zwei Stockwerken, für Musik sorgten Lynda Cullen, Melanie Munoz und Annika Kussberger mit irischen und spanischen Klängen, und im alten Ratssaal gabs Speisen und Getränke.
Als Bürgermeistervertreter lobte Hubert Nowack das Projekt: Hier werde die reiche Vielfalt der Stadt sichtbar, aber es würden auch persönliche Geschichten erzählt, von Erinnerungen an die alte Heimat, den Düften bestimmter Speisen: „Es steht beispielhaft für ein gelingendes Miteinander. Vieles verbindet uns, überall auf der Welt feiern Menschen das Leben.“ So würden Brücken gebaut und Räume für Begegnungen geschaffen – und Vielfalt als Bereicherung wahrgenommen.
Johannes Waldschütz, Kulturamtsleiter des Landkreises, unterstrich das: „Kultur verbindet.“ Beim gemeinsamen Malen oder Musizieren komme man ins Gespräch über das, was man gemeinsam hat. Und was bei den Workshops in Zusammenarbeit mit der Jugendkunstschule des Kreises herausgekommen ist, „hat mich sehr gefreut. Das ist eine Wahnsinnssache!“ Die Bilder und Texte, die den Kalender zieren, sind auch während der Öffnungszeiten im Alten Rathaus zu sehen. Waldschütz forderte dazu auf, sich das anzuschauen. „Kunst ist eine universelle Sprache, die Grenzen überwinden kann.“
Das Ziel, die Vielfalt der Stadtgemeinschaft zu zeigen, ist Christine Ott und ihrem Team gelungen. „Es war eine großartige Geschichte“, blickte sie zurück. Und wünschte sich, passend zu den Kalenderseiten, gleich 13 Dinge, von Gastfreundschaft über offene Augen und Ohren, Hoffnung, Dankbarkeit, Geduld und gemeinsames Lachen bis zur universellen Sprache, für die das Lächeln eine gute Basis sei. Verena Boos, Leiterin der Jugendkunstschule, überreichte den Macherinnen und Machern je ein Exemplar des Kalenders samt Rose, und schließlich übernahm Stadträtin Anne Hecht spontan das Mikro. „Es tut mir ganz arg leid, dass es die Fachstelle Integration nun nicht mehr gibt.“ Denn die Stelle von Christine Ott wurde im Rahmen der letzten Sparmaßnahmen gestrichen – so war die Kalender-Präsentation auch ein wehmütiger Abschied.
Zu erstehen ist der Kalender im Weltladen, der Küchenschelle, der Tourist-Info, der Stadtbücherei und bei den Veranstaltungen von Soolbad – Der Club. Geplant ist außerdem ein Verkauf beim Weihnachtsmarkt.
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