Der Brand eines Elektroautos auf dem Park-and-Ride-Parkplatz am Rottweiler Bahnhof hat vor wenigen Tagen wieder Fragen zur Sicherheit von E-Autos aufgeworfen. Eine aktuelle Umfrage zeigt nun: Rund um Batteriebrände kursieren zahlreiche Irrtümer – obwohl Feuerwehren längst über bewährte Einsatzkonzepte verfügen.
Rottweil. Wenn ein Elektroauto ausbrennt – wie jetzt in Rottweil – , wird meist in den sozialen Medien schnell über die Gefahren von Batteriebränden diskutiert. Dabei tauchen immer wieder Behauptungen auf, die sich seit Jahren hartnäckig halten – etwa, dass brennende Elektroautos nicht gelöscht werden könnten oder Wasser dabei sogar gefährlich sei.
Eine repräsentative Befragung des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag des Direktversicherers DA Direkt zeigt, wie verbreitet diese Annahmen sind. Gleichzeitig widersprechen Feuerwehr und Fachleute vielen dieser Aussagen deutlich.
Wasser ist das wichtigste Löschmittel
Der wohl häufigste Irrtum betrifft das Löschmittel. Zwei Drittel der Befragten glauben, dass Wasser bei einem Batteriebrand nicht eingesetzt werden dürfe.
Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall. Nach heutiger Einsatztaktik ist Wasser das wichtigste Mittel zur Brandbekämpfung. Es löscht nicht nur die Flammen, sondern kühlt vor allem die Batterie und verhindert, dass sich die enorme Hitze weiter ausbreitet. Feuerwehren verfügen inzwischen über spezielle Einsatzkonzepte für Brände von Elektrofahrzeugen.
E-Autos können gelöscht werden
Auch die Vorstellung, ein brennendes Elektroauto müsse grundsätzlich kontrolliert ausbrennen, hält sich hartnäckig. 38 Prozent der Befragten gehen davon aus. Feuerwehren widersprechen dieser Annahme. Zwar unterscheiden sich Batteriebrände von Fahrzeugbränden mit Verbrennungsmotor, sie können jedoch gelöscht werden. Je nach Schaden kann der Einsatz deutlich länger dauern und größere Mengen Löschwasser erfordern. Anschließend wird das Fahrzeug häufig über einen längeren Zeitraum überwacht, um eine mögliche Wiederentzündung auszuschließen.
Brennen Elektroautos häufiger?
Besonders spektakuläre Bilder brennender Elektroautos prägen häufig die öffentliche Wahrnehmung. Vier von zehn Befragten glauben deshalb, dass E-Autos häufiger Feuer fangen als Fahrzeuge mit Benzin- oder Dieselmotor.
Für diese Annahme gibt es nach Angaben der Versicherungswirtschaft bislang keine belastbaren Hinweise. Auch Verbrenner geraten regelmäßig in Brand – etwa durch Defekte im Kraftstoffsystem, heiße Motorteile oder altersbedingten Verschleiß. Fachleute sehen derzeit kein grundsätzlich höheres Brandrisiko bei Elektrofahrzeugen.
Wiederentzündung möglich – aber selten
Fast jeder zweite Befragte befürchtet, dass sich Batterien nach einem Brand immer wieder unkontrolliert entzünden. Technisch ist eine sogenannte Wiederentzündung zwar möglich. Sie gilt jedoch als selten und ist Bestandteil der Einsatzplanung der Feuerwehren. Deshalb werden beschädigte Elektrofahrzeuge nach einem Brand häufig über Stunden oder sogar Tage überwacht und gegebenenfalls weiter gekühlt.
Vorsicht bei der Haushaltssteckdose
Ein weiterer Punkt betrifft das Laden zu Hause. Rund ein Drittel der Befragten hält das Laden an einer gewöhnlichen Schuko-Steckdose für unproblematisch. Fachleute raten jedoch zur Vorsicht. Zwar ist das Laden an einer Haushaltssteckdose grundsätzlich möglich. Vor allem ältere Installationen sind jedoch oft nicht für eine stundenlange Dauerbelastung ausgelegt. Dadurch können Steckdosen oder Leitungen überhitzen. Für das regelmäßige Laden gelten deshalb Wallboxen oder andere geeignete Ladeeinrichtungen als die deutlich sicherere Lösung.
Auch der Versicherungsschutz sorgt für Unsicherheit
Groß ist auch die Verunsicherung beim Thema Versicherung. Sieben von zehn Befragten wissen nach eigenen Angaben nicht, ob Brandschäden an Elektroautos überhaupt versichert sind. Nach Angaben von DA Direkt werden Brandschäden unabhängig von der Antriebsart sowohl von der Teilkasko als auch von der Vollkaskoversicherung abgedeckt. Unterschiede zwischen Elektroauto und Verbrenner bestehen dabei grundsätzlich nicht.
Der Brand auf dem Rottweiler Bahnhofsparkplatz hat gezeigt, dass Fahrzeugbrände von Elektroautos zwar spektakuläre Bilder erzeugen können. Gleichzeitig macht die aktuelle Umfrage deutlich, dass viele Vorstellungen über Batteriebrände nicht dem heutigen Stand von Technik und Einsatzpraxis entsprechen. Feuerwehren haben ihre Taktiken in den vergangenen Jahren kontinuierlich an die Elektromobilität angepasst und verfügen mittlerweile über umfangreiche Erfahrungen im Umgang mit solchen Einsätzen.
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