thermometer

Neue Hitzewelle im Kreis Rottweil: Bis zu 34 Grad erwartet, Land verstärkt Hitzeschutz

Erste Bilanz der neuen Landes-Taskforce wird erwartet, Kliniken rüsten mit mobilen Klimageräten auf, Mediziner warnen vor Medikamentenrisiken bei Hitze.

Autor / Quelle:
Lesezeit 5 Min.
Symbolbild: Pixabay

Nach der Hitzewelle Ende Juni mit einem neuen Landesrekord von bis zu 41 Grad kündigt sich in Baden-Württemberg bereits die nächste heiße Phase an. Für den Kreis Rottweil zeigen aktuelle Wettermodelle für Mittwoch und Donnerstag Höchstwerte von jeweils rund 34 Grad. Das Land hat unterdessen eine Taskforce für Hitzeschutz eingerichtet, und mit der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft ist ein weiteres Mitglied dem Aktionsbündnis Klimawandel und Gesundheit beigetreten.

Erst zum Wochenende hin kühlt es in der Region auf 27 bis 29 Grad ab, ehe die Temperaturen ab Sonntag wieder auf über 30 Grad steigen sollen, wie Wettervorhersagen zeigen. Auch der Deutsche Wetterdienst rechnet in diesen Tagen für weite Teile des Landes – vom Oberrhein über den Schwarzwald bis nach Stuttgart – erneut mit Hitzewarnungen.

Vor diesem Hintergrund hat das baden-württembergische Ministerium für Soziales, Arbeit und Gesundheit am Mittwoch in Stuttgart auf die gesundheitlichen Risiken durch Hitze hingewiesen. Gesundheitsminister Oliver Hildenbrand sagte laut Mitteilung des Ministeriums, Hitze sei „längst kein reines Wetterthema mehr, sondern eine der größten Gesundheitsgefahren unserer Zeit“. Der Klimawandel zähle zu den größten Bedrohungen für die Gesundheit, man müsse jetzt handeln.

Taskforce Hitzeschutz soll erste Ergebnisse liefern

Nach Angaben des Ministeriums wurde eine „Taskforce Gesundheitlicher Hitzeschutz“ eingerichtet, die Vorsorge, Versorgung und Aufklärung bündeln soll. Sie habe ihre Arbeit bereits aufgenommen, erste Ergebnisse einer Bestands- und Bedarfsanalyse im Geschäftsbereich des Ministeriums würden zeitnah erwartet, teilte das Haus mit.

Kliniken rüsten sich für weitere Hitzetage

Extreme Hitze belastet nach Angaben des Ministeriums auch Kliniken und Pflegeeinrichtungen: Patientenaufkommen und Notaufnahmen gerieten unter Druck, ebenso die technische Infrastruktur. Als neues Mitglied ist deshalb die Baden-Württembergische Krankenhausgesellschaft (BWKG) dem 2023 gegründeten Aktionsbündnis Klimawandel und Gesundheit beigetreten, dem bislang das Ministerium, der Deutsche Wetterdienst sowie die Landesärzte-, Landesapotheker- und Landespsychotherapeutenkammer angehörten.

BWKG-Vorstandsvorsitzender Heiner Scheffold erklärte laut Mitteilung, viele Kliniken hätten ihre Hitzepläne nach der Juni-Hitzewelle angepasst und etwa mobile Klimageräte angeschafft, um einzelne Räume für besonders gefährdete Patientinnen und Patienten zu kühlen.

DWD: Hitzewellen dieser Stärke ohne Klimawandel „nicht möglich“

Der Deutsche Wetterdienst untermauert die Dringlichkeit mit eigenen Auswertungen. DWD-Meteorologe Stefan Muthers erklärte laut Mitteilung, der heißeste Tag der Juni-Hitzewelle sei durch den Klimawandel rund drei Grad wärmer ausgefallen; ohne die menschengemachte Erwärmung wäre ein Ereignis dieses Ausmaßes nicht möglich gewesen. Solche Extremereignisse würden künftig deutlich häufiger auftreten – Hitzeschutz werde damit zur Daueraufgabe.

Was Ärzte zum Schutz raten

Robin Maitra von der Landesärztekammer rät, über den Tag verteilt ausreichend zu trinken, statt erst bei Durst zum Glas zu greifen. Körperliche Anstrengung sollte in die frühen Morgen- oder Abendstunden verlegt, Wohnungen nachts gelüftet und tagsüber beschattet werden. Zu den Warnzeichen einer Hitzebelastung zählten Schwindel, Kopfschmerzen, Verwirrtheit, starke Erschöpfung oder Kreislaufprobleme – hier sei rasches Handeln nötig.

Als besonders gefährdet gelten ältere und pflegebedürftige Menschen, chronisch oder psychisch Kranke, Schwangere, Säuglinge und Kleinkinder sowie Obdachlose und Menschen, die im Freien arbeiten.

Auch psychische Erkrankungen können sich verschärfen

Die Landespsychotherapeutenkammer weist zudem auf psychische Folgen der Hitze hin. Hitzestress könne laut ihrer Vertreterin Monika Stöhr zu vermehrter Aggression, sozialem Rückzug sowie Schlaf- und Appetitstörungen führen. Während Hitzewellen steige zudem die Zahl psychiatrischer Notfälle. Die Kammer verweist in diesem Zusammenhang auch auf einen Anstieg bei Suiziden und häuslicher Gewalt und mahnt entsprechende Hilfsangebote an.

Medikamente: Vorsicht bei Einnahme, Lagerung und Bestellung

Ein oft unterschätztes Risiko sind laut Landesapothekerkammer bestimmte Medikamente. Blutdrucksenker, Psychopharmaka, Antidepressiva oder Schmerzmittel könnten Temperaturregulation, Flüssigkeitshaushalt und Kreislauf beeinflussen, erklärte Kammer-Vertreter Björn Schittenhelm laut Mitteilung. Zugleich vertrügen viele Arzneimittel selbst hohe Temperaturen schlecht: Bei Lagerung und Transport solle eine Maximaltemperatur von 25 Grad nicht überschritten werden. Von Online-Bestellungen rät die Kammer bei den aktuellen Temperaturen ab, da der Versand meist ohne kontrollierte Kühlung erfolge – die Apotheke vor Ort könne hier zuverlässiger beraten.

Grundlegende Tipps zum Sonnenschutz und zum richtigen Trinkverhalten bei Hitze hat die NRWZ bereits in einem Ratgeber-Beitrag zusammengefasst. Weitere Informationen zum Umgang mit Hitze bietet das Gesundheitsamt der Region Stuttgart auf seiner Website.

Autor / Quelle:NRWZ-Redaktion
Unter dem Label NRWZ-Redaktion beziehungsweise NRWZ-Redaktion Schramberg veröffentlichen wir Beiträge aus der Feder eines der Redakteure der NRWZ. Sie sind von allgemeiner, nachrichtlicher Natur und keine Autorenbeiträge im eigentlichen Sinne.Die Redaktion erreichen Sie unter redaktion@NRWZ.de beziehungsweise schramberg@NRWZ.de
Abonnieren
Benachrichtigen bei
0 Kommentare
Neueste
Älteste Meistbewertet

Danke, dass Sie die NRWZ lesen.

NRWZ.de ist kostenlos. Damit das so bleibt, brauchen wir Werbeeinnahmen — die funktionieren besser mit Ihrer Einwilligung. Nutzen Sie NRWZ kostenlos mit Werbung oder unterstützen Sie unsere Redaktion mit einer Steady-Mitgliedschaft und lesen dafür werbefrei.

Kostenlos mit Werbung

Der kostenlose Zugang wird durch Werbung finanziert. Dafür bitten wir um Ihre Einwilligung in die dafür notwendigen Cookies und Dienste.

Bereits Mitglied? Dann können Sie sich direkt einloggen:

Werbefrei mit Steady

Mit Steady unterstützen Sie unabhängigen Lokaljournalismus aus der Region und lesen NRWZ ohne Werbung*.

*Frei von Werbung über die externen Anbieter Google und Taboola. Lokale Werbung zeigen wir im Interesse unserer Direktkunden weiterhin an.

Mehr Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung und im Impressum.