Die Fasnet findet statt, sagt der Oberbürgermeister. Ob die Narrenzunft Rottweil auch die Narrensprünge organisieren kann, ist damit noch nicht geklärt. Wegen der Baustellen in der Innenstadt muss sie zunächst prüfen, ob ein sicherer Ablauf möglich ist. Für 2028 hofft die Zunft dagegen auf eine normale Fasnet.
Rottweil. Der Friedrichsplatz ist nach den Narrensprüngen ein wichtiger Sammelplatz für die Narren. Doch zur Fasnet 2027 wird dort noch gebaut: Das erklärte Fachbereichsleiter Rudolf Mager bei der Baustellentour des Gemeinderats am 16. September. Anders als zunächst vorgesehen würden Friedrichsplatz und Kriegsdamm nicht nacheinander, sondern parallel umgebaut. Oberbürgermeister Dr. Christian Ruf versicherte bei dieser Gelegenheit: „Die Fasnet findet statt!“
Die Narrenzunft widerspricht dieser Aussage nicht. Ihr Zunftschreiber und Pressesprecher Prof. Dr. Frank Huber macht auf Anfrage der NRWZ aber einen entscheidenden Unterschied deutlich: „Fasnet findet auf alle Fälle statt, nur ob an der Fasnet Narrensprünge durch die Narrenzunft organisiert werden können, müssen wir prüfen.“
Eine Absage ist das nicht. Die Zunft beschreibt vielmehr eine noch offene Prüfung, für die sie zunächst Lösungen erarbeiten und die Sicherheitsfragen klären will. Huber spricht von einer auch aus Sicht der Narrenzunft „ziemlich vertrackten Situation“.
Konkrete Informationen bei einem Treffen am 8. September
Von den grundsätzlich anstehenden Baumaßnahmen habe die Narrenzunft bereits seit dem vergangenen Jahr gewusst, erklärt Huber. Unklar sei jedoch gewesen, wie sich die Baustelle konkret 2026 und 2027 entwickeln werde. Deshalb habe die Zunft bereits vor den Sommerferien bei Stadtverwaltung, Ordnungsamt und Bauamt um einen Termin gebeten. Das Treffen fand nach Hubers Angaben am 8. September statt. Mager habe dabei den voraussichtlichen Stand der Arbeiten für Januar und Februar 2027 vorgestellt.
„Bis zu diesem Zeitpunkt wussten wir nicht mehr als jeder andere Bürger der Stadt Rottweil“, schreibt Huber. Die Vorstandschaft habe zwar bereits in einer Ausschusssitzung direkt nach der vergangenen Fasnet darauf hingewiesen, dass man sich mit dem Thema befassen müsse. Ohne konkrete Informationen habe eine Diskussion damals aber wenig Sinn ergeben: Es habe zu viele Optionen gegeben.
Alle Narrensprünge betroffen
Nach Hubers Darstellung betreffen die städtische Baustelle am Friedrichsplatz und das Gerüst an der Kapellenkirche alle Narrensprünge. Der Bereich Kriegsdamm sei dagegen „weniger störend“. Zusätzlich beeinflussten private Baumaßnahmen in der Innenstadt die Planungen erheblich. Welche Vorhaben das im Einzelnen sind, nennt er in seiner Antwort nicht.
Konkrete Ausweichflächen oder eine veränderte Streckenführung kann die Zunft derzeit noch nicht benennen. Zunächst sollen die Informationen am 29. September dem Ausschuss vorgestellt werden. Anschließend werde aller Voraussicht nach ein Projektteam zusammengestellt, das nach Lösungen sucht. „Das Ergebnis ist offen“, betont Huber.
Dabei zieht die Zunft eine klare Grenze: „Wenn unter Berücksichtigung aller Sicherheitsauflagen und sonstiger zu beachtender Verordnungen ein sicherer Ablauf der Sprünge nicht gewährleistet werden kann, steht die Narrenzunft als Veranstalter und Organisator der Sprünge nicht zur Verfügung.“
Huber verweist auf die persönliche Verantwortung und die aus seiner Sicht damit verbundenen Haftungsrisiken für die Vorstandschaft. „Aufgrund dessen organisieren wir nur Sprünge, die wir auch verantworten können.“
Lösungen sollen Anfang November beraten werden
Die vom Projektteam erarbeiteten Vorschläge sollen nach Hubers Angaben Anfang November in einer Ausschusssitzung mit allen Ausschussmitgliedern diskutiert werden. Dabei gehe es darum, das Konzept gegebenenfalls zu verbessern und „auf Herz und Nieren“ zu prüfen.
Vorher will sich die Narrenzunft erneut mit der Stadtverwaltung abstimmen, um fortlaufend über den Stand der Bauarbeiten informiert zu sein. Ein fertiges Sicherheitskonzept gibt es für die veränderte Situation noch nicht. „Erst wenn wir final einen belastbaren Zustandsbericht über den Stand der Bauprojekte haben, können wir das Sicherheitskonzept anpassen“, erklärt Huber. Davon hängen auch die Flucht- und Rettungswege ab.
Umbau war bereits längerfristig geplant
Dass die Umgestaltung des Friedrichsplatzes über die Fasnet 2027 hinausreichen würde, war in der früheren Berichterstattung bereits angelegt: Die NRWZ berichtete im Januar über einen Zeitplan, der für den Neubau des zentralen Bus-Umsteigepunkts und die Oberflächengestaltung am Friedrichsplatz einen Abschluss bis Ende Oktober 2027 vorsah. Pflanzungen auf dem Platz sollten demnach im März 2028 beginnen. Ende Juli meldete die Stadt bereits abgeschlossene Leitungsarbeiten auf dem Friedrichsplatz; Pflasterarbeiten und weitere Gestaltung sollten noch 2026 starten. In ihrer Meldung „Bauarbeiten in der Innenstadt“ berichtete die Stadt außerdem über Leitungsarbeiten am Kriegsdamm und weitere geplante Arbeiten an der Predigerkirche.
Für die Narrenzunft ist nun entscheidend, welche Flächen während der Fasnet tatsächlich zur Verfügung stehen und wie sich die verschiedenen Baustellen auf einen sicheren Ablauf auswirken. Eine noch nicht abgeschlossene Umgestaltung allein beantwortet diese Frage nicht.
Wie sehr die Bauarbeiten den Friedrichsplatz derzeit prägen, zeigt ein Blick auf die Baustelle am 22. September: Hinter rot-weißen Absperrungen lagern Schüttmaterial, Kabeltrommeln und Rohre, daneben stehen Baugerät und Container. Wo sich sonst nach den Narrensprüngen die Narren sammeln, beansprucht derzeit die Baustelle weite Teile des Platzes.
Langfristig ist die Fasnet in der Gestaltung des neuen Friedrichsplatzes ausdrücklich berücksichtigt: Der 2025 vorgestellte Siegerentwurf sieht flexibel nutzbare Freiflächen vor, auf denen auch mobile Bühnen zur Fasnet Platz finden sollen. Die aktuelle Suche nach einer Lösung für die Bauphase ersetzt das allerdings nicht.
Für 2028 hofft die Zunft auf Normalität
Zuversichtlicher blickt Huber auf das Jahr der Landesgartenschau. „2028 dürfte aus Zunftsicht eine normale Fasnet werden“, schreibt er. Sie finde vor der Eröffnung der Gartenschau statt.
Ein Narrensprung zur Gartenschau-Eröffnung oder durch den neu angelegten Stadtgraben sei übrigens nicht geplant, fügte Huber augenzwinkernd hinzu. Seine kurze Zusammenfassung für das übernächste Jahr: „2028 alles normal. Hoffentlich!“
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