Benachrichtigung
Die Kliniken in der Region: das SRH-Krankenhaus (oben), die Helios-und die SRH-Klinik (unten rechts). Fotos: Kliniken

Nur zum Teil gesund – die Krankenhäuser in der Region

In Oberndorf wird die Zukunft des SRH Krankenhauses geprüft, Helios setzt in Rottweil auf den Erhalt des Standorts. Das Schwarzwald-Baar Klinikum plant mittelfristig das Aus für Donaueschingen.

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Die Krankenhausreform erhöht den wirtschaftlichen Druck auf viele Kliniken. In der Region zeigen sich die Folgen bereits: Für das SRH Krankenhaus Oberndorf werden verschiedene Zukunftsszenarien geprüft, das Schwarzwald-Baar Klinikum plant langfristig die Aufgabe seines Standorts Donaueschingen. Die Helios Klinik Rottweil betont dagegen ihren Anspruch, den Standort zu sichern und weiterzuentwickeln.

Krankenhausplanung ist Ländersache, den Rahmen setzt der Bund und gibt Leistungsgruppen mit entsprechenden Qualitätskriterien vor. Durch das 2024 beschlossene, bundesweit gültige Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz (KHVVG) ändert sich im kommenden Jahr die Vergütungssystematik für Krankenhäuser. Und das kostet viele Kliniken bares Geld.

Das Krankenhausreformanpassungsgesetz (KHAG) sorgte dieses Frühjahr für weitere Änderungen. Das Land Baden-Württemberg hat im März 2026 dementsprechend einen neuen Landeskrankenhausplan für die Planung nach Leistungsgruppen beschlossen. Defizite indes treffen schon jetzt sehr viele Krankenhäuser im Ländle einschließlich der Unikliniken.

Spaichingen, Schramberg, jetzt wohl auch Oberndorf

Was heißt das für die Region? In Spaichingen wurde schon 2019 das Krankenhaus von 1969 mit seinen rund 130 Betten geschlossen, der Betrieb nach Tuttlingen verlagert. Auch das noch vorhandene ambulante OP-Zentrum schließt demnächst seine Pforten.

Das 1965 erbaute, mit 150 Betten relativ kleine Schramberger Krankenhaus wurde 2011 vom Landkreis gemeinsam mit dem Rottweiler Klinikum an den privaten Träger Helios veräußert und kurz darauf geschlossen, bis heute steht das Areal leer.

Nun ist wohl Oberndorf mit seinen 120 Betten an der Reihe. Im Juni beim landesweiten Aktionstag gegen die neuen Gesetze hatte das Haus noch symbolisch geschlossen – demnächst womöglich dauerhaft. Das Krankenhaus trägt zu drei Vierteln der private Betreiber SRH, zu einem Viertel die Stadt. Dort machte wie schon seit Jahren auch diese Woche das Gerücht vom Aus die Runde, auf Anfrage antwortet die Geschäftsführerin Anne Matros heute persönlich.

Matros übernahm die Leitung des Oberndorfer Krankenhauses erst zum 1. September 2026, war bereits zuvor im Gesundheitswesen und zuletzt bei der Unternehmensberatung Accenture tätig. Ist sie als Ausputzerin gekommen?

Standort offensichtlich unrentabel

Werner Stalla, Leiter des Gesundheitsbereichs der SRH, resümierte vor ihrem Start bereits recht deutlich: „Wie die große Mehrheit aller Krankenhäuser in Deutschland steht auch unser Haus in Oberndorf vor Herausforderungen: gerade um den uns anvertrauten Menschen in der Umgebung nachhaltig eine bestmögliche stationäre medizinische Versorgung zu Verfügung stellen zu können, müssen wir unsere Wirtschaftlichkeit verbessern. Frau Matros bringt die dafür notwendige Expertise mit, und ich freue mich auf die Zusammenarbeit.“

Auf Basis der in Oberndorf kursierenden Gerüchte fragten wir bei der Geschäftsführung nach: Ist das SRH Krankenhaus in Oberndorf akut von der Schließung bedroht? Bleibt das SRH Krankenhaus am jetzigen Standort in Oberndorf in der jetzigen Form über das Jahr 2027 hinaus erhalten? In welchem Zeitraum werden eine Schließung und Abwicklung des SRH Krankenhauses vorgenommen, und wie werden die Mitarbeitenden versorgt?

Die Antwort bleibt zwar erwartbar unkonkret, läuft aber mutmaßlich auf die Schließung des Standortes hinaus. Die SRH und die Stadt Oberndorf prüfen nach Angaben der Geschäftsführung verschiedene Szenarien für die künftige medizinische Versorgung. Eine Entscheidung über die Zukunft des Standorts ist damit noch nicht gefallen. Die Formulierung der Geschäftsführung deutet jedoch darauf hin, dass auch grundlegende Veränderungen des bisherigen Krankenhausbetriebs geprüft werden.

Details dürften in Kürze folgen. Schließlich sind neben zahlreichen Patientinnen und Patienten der Region auch rund 300 Mitarbeitende und 60 Auszubildende betroffen – aktuell sind zudem zum heutigen Stichtag noch 13 Stellenanzeigen auf der Website des Krankenhauses geschaltet.

Das Einzugsgebiet der Mitarbeitenden erstreckt sich bis nach Villingen-Schwenningen und Balingen. Der überwiegende Teil des Teams, so die Mitteilung an unsere Redaktion, „lebt ortsnah, dennoch zählen wir auch langjährig beschäftigte Mitarbeitende, die bewusst einen längeren Arbeitsweg in Kauf nehmen – getragen von einer starken Identifikation mit ihrer Aufgabe und einem ausgeprägten Verbundenheitsgefühl zu unserem Haus.“ Letzteres zumindest dürfte in den vergangenen Tagen eine deutliche Delle erhalten haben.

Rottweil verbreitet Zuversicht

Ähnlich gedrechseltes Managementdeutsch wie aus Oberndorf gibt es von Helios zu Rottweil. Aus aktuellem Anlass mit den gleichen Fragen wie SRH konfrontiert, lautet die knappe Antwort von Pressesprecherin Franziska Vallentin: „Unser ausdrückliches Ziel ist es, die Helios Klinik Rottweil langfristig als leistungsfähigen und verlässlichen Bestandteil der stationären Gesundheitsversorgung im Landkreis zu sichern und weiterzuentwickeln. Zudem wollen wir unseren Mitarbeitenden eine Zukunftsperspektive als Arbeitgeber bieten.“

Auf Nachfrage folgt prompt die Replik „das war die Antwort auf Ihre Fragen. Ich denke die Begriffe „langfristig“ und „Zukunftsperspektive“ sprechen für sich.“ Ob das auch Ende 2021 galt, als die hauseigene Dermatologie kurzerhand geschlossen wurde?

Immerhin ist die Helios Klinik Rottweil Teil des Clusters Schwarzwald-Bodensee, zu dem auch die Helios Kliniken Müllheim und Titisee-Neustadt sowie das Helios Spital Überlingen gehören, da lassen sich möglicherweise Synergien nutzen. Zudem ist Rottweil mit 275 Betten deutlich größer als die zuvor genannten Krankenhäuser. Aktuell beschäftigt die Helios Klinik Rottweil 473 Mitarbeitende und 63 Auszubildende, auf der Website finden sich weitere 32 Stellenangebote vom Berufskraftfahrer bis zum leitenden Arzt.

2023 wurden die ersten zwölf Pflegekräfte aus Mexiko angeworben, fünf weitere folgen diesen November. Patientenkritik, mehrfach über die lokale Tageszeitung gespielt, konterte die Belegschaft mit einem offenen Brief.

Zahlen für Standorte gibt Helios nicht preis, die Krankenhaussparte ist Teil des weltweiten Gesundheitskonzerns Fresenius. Der wiederum muss als börsennotiertes Unternehmen Zahlen berichten, denen zufolge die Sparte Helios Deutschland allein im zweiten Quartal 2026 über zwei Milliarden Umsatz erzielte – das organische Umsatzwachstum von sechs Prozent sei „getragen von positiven Preiseffekten und dem Wachstum der stationären Fallzahlen“.

Wie sich kurzfristige Aktionärsdenke nun verträgt mit den oben von der Pressesprecherin postulierten Begriffen „langfristig“ und „Zukunftsperspektive“, bleibt abzuwarten.

Villingen-Schwenningen sicher, Donaueschingen weicht

Auch das Schwarzwald-Baar-Klinikum muss kräftig sparen, rechnet nach Angaben von Geschäftsführer Matthias Geiser durch die geplanten Regelungen mit Einnahmeverlusten von rund sieben bis zehn Millionen Euro jährlich. 2025 lag das Defizit bei knapp vier Millionen Euro (weniger als die Hälfte des Vorjahres), der Umsatz bei 351 Millionen Euro (plus sieben Prozent gegenüber 2024).

Bereits im Mai beschlossen der Kreistag und der Gemeinderat Villingen-Schwenningen als Träger, dass „der Klinikums-Standort Donaueschingen nach einer längeren Übergangsphase aufgegeben wird. Es wird ein Anbau am Klinikums-Standort Villingen-Schwenningen geplant. Nach Fertigstellung des Anbaus – gerechnet wird mit einer Dauer zwischen fünf und sieben Jahren – werden alle Fachabteilungen an den Klinikums-Standort Villingen-Schwenningen umgezogen werden“, gibt Pressesprecherin Sandra Adams bereitwillig Auskunft.

In Gefahr ist das Krankenhaus mit seinen 1.000 Betten dabei nicht, zählt es doch zu den 80 größten Kliniken Deutschlands und gilt mit dem Neubau 2013 als das modernste Zentralklinikum in der Region. Zudem ist das Schwarzwald-Baar Klinikum Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Freiburg und größtes Klinikum der Zentralversorgung zwischen Freiburg und Tübingen, obendrein größter Arbeitgeber in der Region mit rund 3.300 Beschäftigten und aktuell 52 Stellenanzeigen online auf der Website.

Maximalversorgung ist hier angesagt, mit allein 26 Hauptabteilungen und zwei Belegabteilungen deckt das Schwarzwald-Baar Klinikum nahezu alle medizinischen Fachdisziplinen ab. Und gehört zu den wenigen Krankenhäusern in Baden-Württemberg, die mehr als 2.000 geborene Kinder jährlich verzeichnen.

Zumindest im Kreis Rottweil konnten werdende Eltern nach Monaten der Unsicherheit bereits aufatmen: Der bundesweit beachtete Hebammenstreik endete mit etlichen Festanstellungen, die Geburtshilfe an der Helios Klinik bleibt erhalten.

Mit dem Umbau der Krankenhauslandschaft dürfte die Versorgung stärker an wenige größere Standorte gebunden werden. Für Patientinnen, Patienten und Beschäftigte im Kreis Rottweil wird entscheidend sein, welche Angebote in Oberndorf, Rottweil und den umliegenden Kliniken tatsächlich erhalten bleiben.

Autor / Quelle:Johannes Dürr (jd)
... M.A., begleitet die NRWZ seit ihrer Gründung 2004 mit Rat, Tat und Text. Der studierte Industriehistoriker und Anglist bringt eine fundierte Perspektive auf Wirtschaft und Kommunikation mit. Als Mitbegründer einer der großen Unternehmens- und Kommunikationsberatungen im Ländle befasst er sich seit Jahrzehnten mit mittelständischen und großen Unternehmen. Er begleitet Organisationen in Konflikten und Veränderungsprozessen – strategisch, kommunikativ und menschlich. Privat engagiert sich der ausgebildete systemische Berater, Moderator, Coach und Wirtschaftsmediator ehrenamtlich in der Demokratieförderung, etwa als Mitgründer des Soolbad Clubs. In Rottweil trifft man ihn mit einer seiner Bands auf der Bühne oder unterwegs auf zwei Rädern – wie beim Schreiben gilt auch hier: Hauptsache mit Leidenschaft.

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