Nach einem Einbruch im Vorjahr ist die Zahl der Patentanmeldungen aus der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg 2024 wieder kräftig gestiegen. Das geht aus dem neuen Patentatlas Baden-Württemberg hervor, den das Patent- und Markenzentrum in Stuttgart Ende August veröffentlicht hat. 406 Anmeldungen entfielen auf die Landkreise Rottweil und Tuttlingen sowie den Schwarzwald-Baar-Kreis – das sind 2,6 Prozent aller Anmeldungen im Land.
Der Patentatlas erscheint zum dritten Mal. Herausgeber sind das Patent- und Markenzentrum Baden-Württemberg und das Programm Patentcoach BW, beide angesiedelt im Haus der Wirtschaft in Stuttgart. Ausgewertet werden die Erstanmeldungen des Jahres 2024. Weil Patentanmeldungen nach dem Eingang beim Patentamt 18 Monate lang geheim bleiben, sind vollständige Zahlen erst jetzt verfügbar.
Für die Region Schwarzwald-Baar-Heuberg zeigt die Auswertung eine deutliche Erholung. 2023 war die Zahl der Anmeldungen auf rund 320 gefallen, den niedrigsten Wert seit Jahren. 2024 liegt sie wieder bei 406 und damit fast auf dem Niveau von 2019 bis 2022. Die Autoren führen den Einbruch vor allem auf die Medizintechnik zurück: Viele Unternehmen der Branche seien 2023 mit der Umsetzung der europäischen Medizinprodukte-Verordnung beschäftigt gewesen. Inzwischen habe die Medizintechnik das Anmeldeniveau von 2022 wieder erreicht.
Medizintechnik dominiert das Technologieprofil
Kein anderes Technologiefeld ist in der Region auch nur annähernd so stark. Rund 170 Anmeldungen entfielen 2024 auf die Medizintechnik. Dahinter folgen Werkzeugmaschinen mit rund 77 und Optik mit rund 53 Anmeldungen. Weitere Schwerpunkte sind Maschinenelemente, elektrische Maschinen und Anlagen, Fördertechnik sowie Messtechnik.
Als prägende Unternehmen nennt der Atlas unter anderem Karl Storz, Aesculap und KLS Martin für die Medizintechnik sowie die Chiron-Werke, Marquardt, TRUMPF Laser und Betek für Maschinenbau, Optik und Messtechnik. Zwei davon haben ihren Sitz im Landkreis Rottweil: TRUMPF Laser in Schramberg und Betek in Aichhalden.
Auffällig ist die technologische Breite. Gut 40 Prozent aller Neuanmeldungen aus der Region betrafen 2024 Felder außerhalb der acht Spitzenreiter. Damit gehört Schwarzwald-Baar-Heuberg zu den breiter aufgestellten Regionen im Land – anders etwa als Bodensee-Oberschwaben, wo allein die ZF Friedrichshafen rund drei Viertel aller Anmeldungen stellt.
Pro Kopf unter dem Landesschnitt – ohne Konzernzentrale
Bei der Zahl der Anmeldungen je 100.000 Erwerbstätige liegt die Region mit gut 140 unter dem Landesdurchschnitt von 246. Die Autoren des Atlas ordnen das ausdrücklich positiv ein: In der Region sitzt kein Unternehmen, das im bundesweiten Ranking der anmeldestärksten Patentanmelder auftaucht. Der Wert komme also ohne einen dominierenden Großkonzern zustande.
Das ist mehr als eine Randnotiz, denn die regionale Zuordnung des Atlas folgt dem Sitz des Anmelders, nicht dem Ort der Entwicklung. Erfindungen, die an einem Standort entstehen, aber über die Konzernzentrale angemeldet werden, tauchen in der Statistik andernorts auf. Am deutlichsten zeigt sich das in der Region Stuttgart: Dort entfallen 65,2 Prozent aller baden-württembergischen Anmeldungen auf einen einzigen IHK-Bezirk, weil Bosch, Mercedes-Benz, Porsche, Mahle und Valeo ihre Patente dort anmelden.
Landesweit blieben die Anmeldezahlen 2024 stabil und stiegen sogar um rund zehn Prozent, während die Zahl der Erwerbstätigen um etwa vier Prozent zurückging. Die Region Schwarzwald-Baar-Heuberg weist zugleich den höchsten Anteil an Beschäftigten im produzierenden Gewerbe in ganz Baden-Württemberg auf.
